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Das Netzwerk mit Zielen und Absichten Voraussetzungen und Gründe für Intent-Based Networking

Autor / Redakteur: Falko Binder / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Verwaltung von Netzwerken wird immer komplexer. Wäre es daher nicht gut, wenn sich Netzwerke anhand vorgegebener Ziele und Absichten selbstständig konfigurieren könnten? Genau dafür steht Intent-Based Networking.

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Mit Hilfe intelligenter Konzepte wie Intent-Based Networking können Unternehmen das Management ihrer Netzwerke umfassend automatisieren und stark vereinfachen.
Mit Hilfe intelligenter Konzepte wie Intent-Based Networking können Unternehmen das Management ihrer Netzwerke umfassend automatisieren und stark vereinfachen.
(Bild: © MQ-Illustrations - stock.adobe.com)

In vielen Unternehmen fristet das Netzwerk ein Schattendasein hinter prominenteren Infrastrukturthemen. Dabei ist das Netzwerk das Rückgrat für sämtliche modernen Technologien, die auf Vernetzung von Geräten sowie der sicheren Verarbeitung und Speicherung von Daten basieren.

Gerade die Corona-Pandemie hat die Bedeutung des Netzwerks wieder ins Rampenlicht gerückt. Bei geografisch verteilten und mobilen Arbeitsplätzen wird die Anbindung umso wichtiger. Doch was sind heute die größten Herausforderungen für Unternehmen beim Netzwerkbetrieb?

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Neue Anforderungen an das Netzwerk

Laut der IDC-Studie „Network Transformation in Deutschland 2021“ [PDF] ist für 31 Prozent der Unternehmen die IT-Security der zentrale Treiber für die Netzwerkmodernisierung. Es folgen Netzwerk-Management (24%), Standortvernetzung (23%), Flexibilität und Agilität (20%) sowie Verfügbarkeit und Resilienz (20%).

Diese aktuellen Anforderungen soll vor allem der Ansatz Software-Defined Networking (SDN) erfüllen. Das sagt jeder vierte Befragte. Weitere wichtige Technologiebereiche für die digitale Transformation in den kommenden 24 Monaten sind 5G (24%), richtlinienbasierte Netzwerkautomatisierung, Cloud-Vernetzung und NFV (jeweils 19%).

Derzeit steckt die Modernisierung der Netzwerke aber noch in den Kinderschuhen. In mehr als der Hälfte der deutschen Unternehmen ist manuelles Netzwerkmanagement der Normalfall. So werden Aufgaben wie die Einführung neuer Anwendungen, die Anbindung von Geräten oder Standorten sowie das Sicherheitsmanagement manuell durchgeführt. Aufgrund des großen Aufwandes reagieren Administratoren daher häufig nur noch auf Probleme, statt ihnen vorzubeugen.

Das intelligente Netzwerk

Um wieder in den aktiven Modus zu kommen, nutzen Unternehmen zunehmend moderne Netzwerk-Management-Lösungen. Diese automatisieren manuelle Prozesse und erkennen über KI-basierte Analysen frühzeitig mögliche Probleme. Zudem ermitteln sie den aktuellen Optimierungsbedarf und konfigurieren sich dazu selbstständig.

Diese Lösungen basieren auf dem Ansatz Software-Defined Networking (SDN), der die zugrundeliegende Hardware-Infrastruktur von den Management-Anwendungen trennt. Dies verlagert die Intelligenz des Netzwerks auf eine zentrale Instanz, welche die Konfiguration der einzelnen Geräte übernimmt. So lassen sich Netzwerke schneller bereitstellen, verwalten und anpassen.

Dem Netzwerk Ziele vorgeben

Während die meisten SDN-Lösungen noch eine manuelle Konfiguration über die zentrale Oberfläche erfordern, geht Intent-Based Networking (IBN) noch einen Schritt weiter. Dieser Ansatz basiert zwar auf SDN, reduziert die manuelle Steuerung des Netzwerks jedoch auf ein Minimum. So müssen Administratoren nur noch „Intents“, also „Absichten“ definieren. Das kann ein gewünschtes Ergebnis oder Geschäftsziel sein. Anschließend nutzt die Netzwerk-Software KI-basierte und Machine-Learning-Systeme, um die nötigen Einstellungen zum Erreichen dieser Ziele festzulegen. Damit profitieren Unternehmen von folgenden Vorteilen:

  • Höhere Flexibilität und Geschwindigkeit: Das Netzwerk kann mit nur wenigen manuellen Eingaben schnell auf neue Anforderungen reagieren.
  • Mehr verfügbare Zeit: Administratoren werden von Routineaufgaben entlastet und können sich stärker auf strategische Entscheidungen und die Einführung innovativer Technologien konzentrieren.
  • Weniger Fehler: Automatisierung verringert die Gefahr menschlicher Fehler sowie den Zeitaufwand für Fehlersuche und -behebung.
  • Verbesserte Sicherheit: KI-basierte Analysen erkennen auch bislang unbekannte Bedrohungen und wehren sie ab, um mögliche Schäden und Ausfallzeiten zu minimieren.

Stolpersteine überwinden

Doch die Einführung eines Intent-Based Networks ist kein Selbstläufer. Dabei sind einige mögliche Stolpersteine zu beachten. Diese lassen sich nur durch umfassende technologische Expertise in Kombination mit ausgefeilten AI/ML-Algorithmen überwinden. So müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden, damit ein Intent-Based Network auch wirklich Mehrwert bringt:

Die Bereitstellung, Konfiguration und Problembehebungsfähigkeiten des Netzwerks sollten bereits möglichst stark automatisiert sein. Aus den erfassten und korrelierten Daten von Nutzern, Netzwerk, Geräten und Anwendungen sind konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Dazu benötigen Unternehmen geeignete Richtlinien für Identität, Zugriff, Service-Levels sowie Security und Compliance, die sich in konkrete Netzwerkanforderungen übersetzen lassen.

Nur eine programmierbare Netzwerkinfrastruktur ermöglicht ein reibungsloses Zusammenspiel sämtlicher Elemente, um Geräte zu verbinden und Daten zu transportieren. Integrierte Security in jedem Bereich des Netzwerks ist heute Voraussetzung, um Gefahren schnell zu entdecken und Richtlinien durchzusetzen. Zudem benötigen Unternehmen einen langfristigen strategischen Ansatz für die Weiterentwicklung des Netzwerks.

Praktische Lösungen

Sind diese Anforderungen erfüllt, können Unternehmen einsatzfertige Intent-Based Networking-Lösungen installieren und an ihre Anforderungen anpassen. So bietet zum Beispiel Cisco eine vollständige Architektur- und Lösungssuite für LAN, WAN, Filialen, Rechenzentrum und Multi-Cloud. Programmierbare Schnittstellen erlauben dabei die Integration mit Lösungen von Drittanbietern und die vollständige Interoperabilität mit allen gängigen Cloud-Anbietern. Da Anwendungen und Daten heute rund um die Uhr und überall verfügbar sein müssen sollten Anbindungen an Cloud-Services folglich als Teil des eigenen Unternehmensnetzwerks eingeplant werden.

Aber auch Public-Cloud-Anwendungen untereinander werden immer stärker über APIs vernetzt, um Services und Daten zu teilen. Um diese Strukturen mit Intent-Based-Networks zu verbinden, stehen NaaS-Angebote (Network-as-a-Service) bereit. So kombinieren etwa die Cisco Plus NaaS-Lösungen moderne Netzwerk-, Security- und Observability-Funktionen in einem einfach nutzbaren Abo-Service.

Falko Binder.
Falko Binder.
(Bild: Cisco)

Fazit

Mit Hilfe intelligenter Konzepte wie Intent-Based Networking können Unternehmen das Management ihrer Netzwerke umfassend automatisieren und stark vereinfachen. Es genügt die Eingabe bestimmter Ziele oder Absichten – und das Netzwerk konfiguriert sich quasi selbst, um diese zu erreichen. Gleichzeitig lassen sich mit KI-Technologien mögliche Gefahren schnell erkennen und beheben. Zudem verbinden NaaS-Lösungen das eigene Netzwerk reibungslos mit der Multi-Cloud. So lassen sich die aktuellen Anforderungen wieder zeitnah und effizient bewältigen.

Über den Autor

Falko Binder ist Head of Enterprise Networking Architecture Sales bei Cisco Deutschland.

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