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Was First Mover im Bereich VoLTE erwarten können Voice over LTE – Investieren oder Abwarten?

Autor / Redakteur: Leslie Ferry / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Mobilnetzbetreiber sollten beim Aufbau von LTE-Netzwerken und Voice over LTE (VoLTE) nichts überstürzen, rät das Analystenhaus Ovum in seinem im Februar 2013 veröffentlichten Report “Future Strategies for VoLTE Deployment”. Was an dieser These dran ist und ob sich ein Einstieg in VoLTE vielleicht doch lohnt, zeigt dieser Beitrag.

Kann das frühe Setzen auf Voice over LTE Netzbetreibern einen Marktvorteil verschaffen
Kann das frühe Setzen auf Voice over LTE Netzbetreibern einen Marktvorteil verschaffen
(Bild: Fotowerk - Fotolia.com)

Letztlich argumentiert Ovum in seinem Report, First Mover könnten bei VoLTE keine Vorteile erzielen: Statt schnell zu handeln, sollen Netzbetreiber lieber abwarten, bis sich der Staub gelegt hat – und währenddessen in Ruhe die Erfolge und Fehler der anderen beobachten.

Beim Thema LTE hat die Stimme von Ovum großes Gewicht; das Analystenhaus trägt bedeutend zur Forschung auf diesem Gebiet bei. Und auch der aktuelle Report enthält zahlreiche verlässliche Informationen darüber, welche Vor- und Nachteile der Aufbau von LTE und LTE-basierten Sprachdiensten mit sich bringt und welche Faktoren die Betreiber bei der zeitlichen Planung berücksichtigen sollten. Darüber hinaus lassen sich im Ovum-Report auch handfeste Argumente dafür finden, dass die Netzbetreiber bei LTE-basierten Sprachdiensten von einem schnellen Markteintritt profitieren können – und dafür, dass dabei der Nutzen gegenüber möglichen Hindernissen überwiegt.

Diese zentralen Punkte aus dem Bericht greift BroadSoft hier auf und arbeitet heraus, welche Fakten dafür sprechen, beim Aufbau von VoLTE eben doch zu den First Movern zu gehören.

Zugang zu neuen, gewinnbringenden Services

Eine Folgerung des Ovum-Reports verlangt in besonderem Maß nach einer genauen Überprüfung: Die Analysten prophezeien, dass Marktpioniere Probleme haben werden, mit VoLTE überhaupt Erlöse zu erzielen. Laut Ovum ist „… nicht ganz klar, wieso Betreiber erwarten, auf diesem Gebiet bestehen zu können, wenn sie bislang noch nicht einmal in der Lage waren, überzeugende Modelle für diese Dienste zu entwickeln.“ Ovum glaubt demnach nicht, dass die Aussicht auf neue Dienste die Nachfrage bedeutend ankurbeln und VoLTE so eine neue Einnahmequelle wird. Die Analysten schätzen es in ihrem Bericht sogar als schwierig für die Betreiber ein, durch VoLTE-Dienste überhaupt Erlöse zu generieren.

Nach letzten Schätzungen umfasst die Weltbevölkerung etwa sieben Milliarden Menschen. Die Anzahl möglicher Endkunden ist lang nicht so hoch – und doch investieren die Mobilfunkanbieter ein Maß an Ressourcen und Aufmerksamkeit in den Consumer-Markt, das dazu in keinem Verhältnis steht. Sie betrachten den Massenmarkt als schnellste Möglichkeit, ihre Investitionen in das LTE-Netzwerk zu refinanzieren; und natürlich werden die Endkunden 4G-LTE mit der Zeit annehmen und dadurch Erlöse sowie Wachstum der Betreiber ankurbeln. Es gibt allerdings allgemeine Anzeichen dafür, dass der Geschäftskundenmarkt der beste und naheliegendste Weg für die Betreiber von Mobilfunknetzen ist, um Erlöse aus ihren LTE-Investitionen zu generieren – und zwar genau mit den VoLTE-Services, deren Tauglichkeit Ovum in seinem Report anzweifelt.

Es wird zunehmend deutlich, dass Unified Communications (UC) eine der ersten Volumenanwendungen via LTE sein wird. Dies ist auch dadurch bedingt, dass sich solche Applikationen bereits heute bereitstellen lassen, und zwar selbst durch Anbieter, die von einem 2G- oder 3G- auf ein 4G-Netzwerk umstellen: Wenn Geschäftskunden ihre VoLTE-Kapazitäten ausbauen, werden auch sie auf LTE-Netzwerke migrieren und den Mobilnetzbetreibern dadurch Zugang zum margenstarken UC-Markt verschaffen.

Nachfrage garantiert

Im Geschäftskundenmarkt können sich die Netzbetreiber in hohem Maß darauf verlassen, dass eine Nachfrage vorhanden ist – nach UC-Diensten im Allgemeinen und nach mobilen Unified Communications im Besonderen: In einer BroadSoft-Befragung unter Business-Anwendern aus dem Jahr 2012 kam in 69 Prozent der Antworten das Thema „Einbindung mobiler Geräte“ vor. Dieses Ergebnis stützt die These einer hohen Nachfrage: Mobile Mitarbeiter wollen erweiterte Services, die sich einfach auf ihr bevorzugtes mobiles Endgerät übertragen lassen.

Die Betreibernetze der First Mover werden überlegen sein

Ovum stellt eine Liste von Anreizen dafür auf, VoLTE als First Mover einzuführen, und argumentiert anschließend gegen diese Motive. So zählen die Analysten die Erwartung auf, dass sich durch ein solches Deployment das separate Netz für Sprachdienste erübrigen kann, dass sich die Kosten für den Transport von Sprache reduzieren, dass sich die Sprachqualität verbessert und eine frühzeitige Bereitstellung von VoLTE in bestimmten Märkten Wettbewerbsvorteile bedeuten würde.

Dagegen spricht laut Ovum, dass sich bei einer frühzeitigen Einführung nicht eindeutig belegen lasse, dass die Sprachqualität tatsächlich mit Telefonaten im 3G-Netz mithalten kann. Darüber hinaus könnten die Marktpioniere nicht aus den Fehlern anderer First Mover lernen, auch würden bislang zu wenig Endgeräte VoLTE sowie Circuit Switched Fall Back unterstützen. Der Nutzen von VoLTE steige erst mit dessen Verbreitung.

In der Tat werden die VoLTE-Pioniere Fehler machen – und aus ihnen lernen. Dennoch sind höhere Geschwindigkeiten, größere Bandbreiten sowie ein überzeugenderes Kundenerlebnis Tatsachen, die sowohl Geschäfts- als auch Endkunden anziehen und dadurch die Netze der Nachzügler in ihre Schranken weisen werden: Wenn sich Betreiber beim Aufbau von VoLTE als unbeteiligte Beobachter positionieren, werden ihre Netze, Dienste und Geräte schnell veraltet wirken.

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Wegweiser VoLTE

Videotelefonie, Instant-Messaging- und Präsenzdienste, Web-Konferenzen: VoLTE kann wegweisend sein für Service Provider, die ihren Geschäfts- und Endkunden überzeugende UC-Dienste über deren bevorzugtes Endgerät oder Netzwerk anbieten möchten. Mit Hilfe von VoLTE können Carrier jedem Kunden eine einzige Identität für seine Kommunikation bereitstellen, über Tischtelefone und mobile Endgeräte hinweg.

Die Endanwender sind dann immer erreichbar – unabhängig davon, ob sie mittels einer App, Sprach- oder Videoverbindung, Textnachrichten oder Instant Messaging kommunizieren und welches Gerät sie dafür wählen. Durch seine höhere Bandbreite bietet VoLTE ihnen außerdem eine überlegene Servicequalität.

Heute kann ein Geschäftsanwender das Gespräch nicht einfach nahtlos in einen Video-Chat auf seinem iPad oder in einen Instant-Messaging-Austausch auf seinem Laptop umwandeln, wenn er mit dem iPhone telefoniert. Dieser Mangel in der Kommunikation kommt dadurch zustande, dass die technischen Möglichkeiten zur Integration unterschiedlicher mobiler Anwendungen, Plattformen und Endgeräte beschränkt sind. Resultat ist eine Silostruktur, die Sprache, Video, Text und Collaboration trennt und so das Anwendererlebnis schmälert.

Die einzelne User Experience wird jedoch umso wichtiger, weil immer mehr Mobilfunkbetreiber dazu übergehen, übergreifende Tarife für mehrere Endgeräte anzubieten. Die Betreiber haben erkannt, dass Sprache allein keinen entscheidenden Umsatz mehr generiert. In der Folge haben sie grundlegende Veränderungen vorgenommen – wie etwa Sprache und Textnachrichten ohne Zusatzkosten zu einem Paket zusammenzufassen. Wenn es darum geht, ein hervorstechendes Anwendererlebnis zu generieren, so haben die Pioniere unter den Betreibern mit eigenem Mobilfunknetz eine hervorragende Ausgangsposition im Vergleich zu VoLTE-Nachzüglern.

First Mover können Kosten und Komplexität reduzieren

Ovum räumt ein, dass der Wechsel auf eine IP-basierte Sprachplattform die Kosten für den Transport von Sprachdaten reduzieren und in Bezug auf die Betriebskosten auch noch weitere Vorteile generieren kann. So können Mobilnetzbetreiber beispielsweise Millionen von Teilnehmern von einem einzigen Geräteträger aus bedienen, statt in jeder Stadt oder Region Mobile Switching-Zentren vorzuhalten.

Durch diese Zentralisierung senkt VoLTE die Betriebskosten bedeutend. Ovum stellt sogar fest, dass die geringeren Betriebskosten der wichtigste Antreiber für Early Adopters von VoLTE sein sollten und dass viele Betreiber nicht ausreichend auf die Reduktion dieses Kostenfaktors achteten.

Außerdem haben Betreiber durch VoLTE die Möglichkeit, ihr Angebot zu vereinfachen, indem sie Komplexität und Anzahl unterschiedlicher Optionen reduzieren. Ein historisches Beispiel dafür, wie das funktionieren kann, ist der FiOS-Service von Verizon: Das Unternehmen versuchte ursprünglich, über POTS jeden nur erdenklichen Bedarf eines jeden Kunden zu decken – und stellte letztlich fest, dass ein einfaches, gebündeltes Angebot die größte Resonanz hervorrief. Für OSS/BSS stellt VoLTE eine vereinfachte Möglichkeit dar, Sprachdienste und damit verbundene Services zu verwalten und abzurechnen – weil Faktoren wie Gesprächsdauer, Texte und Zusatzfunktionen dabei nicht mehr berücksichtigt werden müssen.

First Mover haben Zugriff auf die Entwicklungen im LTE-Umfeld

Ovum zieht für seine Argumentation die mangelnde Verfügbarkeit von Geräten heran, die VoLTE und CSFB unterstützen. Außerdem weisen die Analysten auf Berichte hin, nach denen die Anforderungen an Geräteperformance und Batterieleistung für einige LTE-Telefone eine Herausforderung darstellen.

Nun sind mobile Geräte zweifellos ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche VoLTE-Einführung; entsprechend zeigte sich auf dem Mobile World Congress 2013 bei LTE-Telefonen und sonstigen LTE-Geräten eine ganz konkrete Weiterentwicklung: weg von reinen Vorführmodellen, hin zu kommerziellen Produkten, die auch für die Anwender zugänglich sind.

Bis Ende des Jahres werden erwartungsgemäß etwa 300 LTE-Geräte auf dem Markt erhältlich sein – Smartphones, Tablets und Dongles. LG hat nach eigenen Angaben weltweit bereits mehr als zehn Millionen LTE-Telefone verkauft. Bei dieser Marktentwicklung können auch Folgerunternehmen nicht mehr allzu lange damit warten, entsprechende Geräte zu unterstützen.

First Mover stehen im Kampf gegen OTT gut da

Verschärft wird der Wettbewerbsdruck, den Mobilnetzbetreiber in vielen Märkten ohnehin bereits spüren, durch Over-The-Top-Anbieter (OTT), die ebenfalls auf Mobilfunkkunden und -erlöse aus sind. Wenn der Ovum-Report nun Zweifel daran äußert, wie nachhaltig die Vorteile einer First-Mover-Strategie bei der Vermarktung von VoLTE sind, dann scheint sich diese Argumentation vor allem auf solche Mobilnetzbetreiber zu fokussieren, die ihr Marketing darauf ausrichten, als „erster Anbieter“ VoLTE bereitzustellen.

Dabei wird außer Acht gelassen, dass Pionierunternehmen durch VoLTE einen Wettbewerbsvorteil gegenüber OTT-Anbietern erzielen können – sofern sie die Technologie richtig umsetzen. Beispielsweise ist es für OTT-Anbieter schwierig, ein durchgängiges Anwendererlebnis bereitzustellen, wenn sie an bestimmte Anwendungen wie Skype oder an spezifische Endgeräte wie Android-Telefone gebunden sind. Dagegen haben Betreiber mit eigenem Mobilfunknetz hier eine gute Ausgangsposition: Sie können der Vision mobiler Unified Communications ein gutes Stück näher kommen und so für Anwender zum Betreiber der Wahl werden.

IMS werden den VoLTE-Rollout nicht behindern

Der Ovum-Report ordnet VoLTE als “mittelfristige Zielsetzung für viele Betreiber” ein, da diese immer noch mit dem Rollout der notwendigen IP-Multimedia-Subsystem-Fähigkeit (IMS) ihrer Netzwerke beschäftigt seien. Weiter erklärt Ovum, IMS setze ein bedeutendes finanzielles Engagement voraus und der Rollout könne langwierig sein.

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit viele IMS-Lösungen, die von den Mobilnetzbetreibern als zu kompliziert und zu kostspielig im Betrieb eingeschätzt wurden. Seit Kurzem sind jedoch innovative Industrielösungen verfügbar, die das IMS-Deployment vereinfachen und gleichzeitig die Kosten- und Komplexitätsentwicklung beeinflussen. Die Kosten für vorgefertigte IMS-Lösungen liegen grundsätzlich bei etwa ein bis drei Dollar pro Teilnehmer im Pay-as-you-go-Modell. Mobilnetzbetreiber können so Kosten und Risiko von IMS-Deployments senken – was wiederum VoLTE zugutekommt. Ist IMS in den LTE-Netzwerken verankert, können die Betreiber herkömmliche Sprach- sowie High-Speed-Dienste anbieten und gleichzeitig erweiterte Services integrieren.

Leslie Ferry
Leslie Ferry
(Bild: Broadsoft)

Fazit

In Bezug auf VoLTE verspricht es aus Sicht von Ovum mehr Erfolg, erst einmal abzuwarten, statt nach dem Motto “Früher Vogel fängt den Wurm” vorzugehen. Zahlreiche Argumente allerdings sprechen eine ganz andere Sprache – darunter der Wettbewerbsdruck durch OTT-Anbieter sowie das Erfordernis, durch Unified-Communications-Dienste Kapital aus den LTE-Investitionen zu schlagen: Diese Faktoren geben Mobilnetzbetreibern einen triftigen Grund, bei VoLTE zu den Pionieren zu gehören; denn alle anderen riskieren, mit unterlegenen Netzwerken, Anwendungen und Diensten zurückzubleiben.

Über die Autorin

Leslie Ferry ist Vice President Marketing beim Kommunikations-Spezialisten Broadsoft

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