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Das Vectoring-Dilemma – ein Kommentar von Klaus Pollak Vectoring darf zu keiner Wettbewerbsverzerrung führen

Autor / Redakteur: Klaus Pollak / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Regulierung der letzten Meile bleibt in Deutschland ein Dauerthema in der Diskussion um den richtigen Weg für einen schnelleren Breitbandausbau. Aktueller Anlass ist die geplante Einführung der Vectoring-Technologie, die zwar sehr gut funktioniert, aber für eine Verzerrung der Wettbewerbssituation sorgen wird.

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Weil die "letzte Meile" überwiegend der Telekom gehört, würde das Unternehmen auch am stärksten vom Vectoring profitieren.
Weil die "letzte Meile" überwiegend der Telekom gehört, würde das Unternehmen auch am stärksten vom Vectoring profitieren.
(Bild: Eimantas Buzas - Fotolia.com)

Langfristig sind nur Glasfasernetze in der Lage, den steigenden Bedarf von Privathaushalten und Ge-schäftsanwendungen nach Bandbreite zu bewältigen. Als Brückentechnologie, die in vielen Städten sowie zunehmend auch auf dem Land verfügbar ist, steht heute VDSL2 bereit. In der Theorie lassen sich damit Datenübertragungsraten von bis zu je 100 Mbit/s erzielen. In der Praxis ist dieser Wert aber durch Störungen bei der Signalübertragung kaum zu erreichen.

Mit Vectoring steht eine Technologie bereit, die das Übersprechen der Störsignale im Kabel zum größten Teil beseitigt. Die praktische Umsetzung von Vectoring hat die Diskussion um die Regulierung der letzten Meile neu entfacht. Anlass dazu bietet unter anderem der Entscheidungsentwurf zur „Einführung der Vectoring-Technologie im Netz der Deutschen Telekom“, den die Bundesnetzagentur am 9. April 2013 veröffentlichte.

Vor einer Bewertung der Auswirkungen des Entscheids ist ein kurzer Blick auf die Technologie erforder-lich. Vectoring plus VDSL2 funktioniert derzeit nur dann zufriedenstellend, wenn alle Kupferdoppeladern in einem Kabel gemeinsam kontrolliert werden. Eine Vectoring-Instanz detektiert und berechnet das Übersprechen aller Doppeladern gegeneinander und versieht jedes DSL-Signal mit Korrekturen, die das Übersprechen kompensieren. Die Vectoring-Instanz kann sich dabei auf einer VDSL2-Einschubkarte des DSLAMs befinden (BLV, Board Level Vectoring).

Bei Kabeln mit vielen Adern muss jedoch die Vectoring-Instanz über mehrere DSLAM-Karten hinweg gebildet werden (SLV, System Level Vectoring). Vectoring über zwei oder mehrere DSLAMs (NLV, Node Level Vectoring) unterschiedlicher Hersteller ist jedoch aufgrund der verschiedenen technischen Kom-ponenten heute noch nicht möglich und steht daher in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung.

Werden im weiteren Beratungsprozess am Entwurf der Bundesnetzagentur keine grundlegenden Verän-derungen mehr vorgenommen, profitiert davon in erster Linie der Breitbandausbau der Deutschen Tele-kom. Im Gegensatz zur Deutschen Telekom sehen die alternativen Netzbetreiber den Entwurf zu Recht sehr skeptisch, denn er gewähre dem Bonner Carrier einen nicht zu rechtfertigenden Vorteil. Nach ak-tuellem Stand hätten die Breitbandplanungen der Telekom Vorrang, selbst wenn dann später nicht gebaut wird.

Die alternativen Netzbetreiber haben mit ihren Investitionen im ländlichen Bereich zur Verringerung der so genannten weißen Flecken beigetragen. Die überwiegende Anzahl der knapp 9.000 in Deutschland durch die alternativen Carrier errichteten aktiven Kabelverzweiger (KVzs) befindet sich in ländlichen Gebieten.

Klaus Pollak
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(Bild: Keymile)

Dabei sind viele mit Keymile-Technik bestückte KVzs (ca. 5.000 insgesamt) bereits „vectoringfähig“, d.h. durch Einstecken des Vectoring-Controllers können die bestehenden VDSL2-Anschlüsse auf einfache Weise aufgerüstet werden. Damit steht eine Reihe von Netzbetreibern bereits heute für den Einsatz von Vectoring in den Startlöchern. Jetzt ist die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde gefordert. Sie muss die Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb zwischen den Carriern schaffen.

Über den Autor

Klaus Pollak ist Head of Consulting & Projects bei Keymile in Hannover.

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