Bundesnetzagentur startet Vectoring-Liste

Vectoring: Breko begrüßt baldige Rechts- und Planungssicherheit

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Breko-Präsident Ralf Kleint setzt darauf, „dass die Bundesnetzagentur die Führung der Vectoring-Liste engmaschig kontrolliert“.
Breko-Präsident Ralf Kleint setzt darauf, „dass die Bundesnetzagentur die Führung der Vectoring-Liste engmaschig kontrolliert“. (Bild: Breko)

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) ist mit den von der Bundesnetzagentur festgelegten Rahmenbedingungen für den Einsatz von VDSL-Vectoring im Netz der Deutschen Telekom überwiegend zufrieden, fordert die Regulierungsbehörde jedoch auf, Missbrauch zu verhindern.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für den Einsatz von VDSL-Vectoring im Netz der Deutschen Telekom festgelegt. Der von der Bonner Regulierungsbehörde vorgelegte Entscheidungsentwurf muss nun noch der EU-Kommission zur Konsultation vorgelegt werden, tritt aber schon jetzt vorläufig in Kraft. Die BNetzA hatte Ende Februar dieses Jahres bereits eine erste Teilentscheidung erlassen, in deren Folge die Deutsche Telekom diverse Vorgaben der Behörde hatte umsetzen müssen.

Der Start der sogenannten Vectoring-Liste, in die die Telekommunikationsanbieter ihre konkreten Ausbauprojekte eintragen lassen können, erfolgt nun am 30. Juli. Hierbei gilt grundsätzlich das „Windhund-Prinzip“: Wer einen Kabelverzweiger (KVz) – den „grauen Kasten“ an der Straße – als Erster ausbauen möchte und in die Vectoring-Liste einträgt, hat diesen für sich reserviert. Der Ausbau mit der Vectoring-Technik muss dann innerhalb eines Jahres erfolgen.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) bewertet die nun von der Bundesnetzagentur vorgelegten Regelungen für das sogenannte Standardangebot – Musterverträgen, die die Deutsche Telekom ihren Mitbewerbern für den Zugang zur Infrastruktur anbieten muss – überwiegend positiv. „Wir begrüßen, dass die Bundesnetzagentur durch den Start der Vectoring-Liste am 30. Juli zeitnah Rechts- und Planungssicherheit schaffen will“, sagt Breko-Präsident Ralf Kleint. „Damit haben unsere Mitgliedsunternehmen weitestgehend Schutz vor der Entwertung ihrer Investitionen, wenngleich die Gefahr der nachträglichen Kündigung des Zugangs durch die Deutsche Telekom unter bestimmten Voraussetzungen möglich bleibt.“

Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers begrüßt die im nun vorgelegten Entscheidungsentwurf berücksichtigten Anregungen des deutschen Breitbandverbands. „Wir freuen uns, dass die BNetzA noch einmal Änderungen und Klarstellungen im Sinne des Wettbewerbs vorgenommen hat, die zu einer deutlichen Verbesserung für die Breko-Netzbetreiber führen und damit zum chancengleichen Vectoring-Ausbau beitragen. So musste die Deutsche Telekom ein eigenes Datenschutzkonzept zur Führung der Vectoring-Liste entwickeln.“

Dennoch hält der Breko die Tatsache, dass die Vectoring-Liste trotz aller Bedenken der Wettbewerber durch die Deutsche Telekom geführt werden wird, nach wie vor für eine grundlegende Schwäche. „Wir setzen darauf, dass die Bundesnetzagentur die Führung der Vectoring-Liste engmaschig kontrolliert, sodass ein Missbrauch ausgeschlossen bleibt“, kommentiert Breko-Präsident Ralf Kleint. Immerhin: Die Deutsche Telekom muss ihre für den Einführungstag der Vectoring-Liste („Day One“) vorgesehenen Eintragungen einen Tag zuvor bei der BNetzA hinterlegen, damit etwaige nachträgliche Anpassungen identifiziert werden können. Zudem besteht ein Schadenersatzanspruch für den Fall, dass die Telekom die Vectoring-Liste sorgfaltswidrig führt.

Die Höhe der Vertragsstrafe bei Nichtausbau eines in der Vectoring-Liste reservierten Kabelverzweigers (KVz) durch die Deutsche Telekom – bzw. für die fälschliche Eintragung eines KVz als „ausgebaut“ – wurde von der Bundesnetzagentur leicht erhöht und beträgt nun 1.000 Euro (netto). Diesen Betrag hält der Breko allerdings für weiterhin zu gering, um einen möglichen Missbrauch zu verhindern. Der Verband hatte sich deshalb für eine am Umsatz des jeweiligen Unternehmens orientierte Vertragsstrafe eingesetzt.

Verbesserungsbedarf im Rahmen der EU-Konsultation sieht der Breko bei der Ausgestaltung des sogenannten KVz-Alternativprodukts („KVz-AP“). Die Telekom muss ihren Wettbewerbern ein solches Produkt anbieten, wenn sie den Zugang nachträglich kündigt – etwa dann, wenn der betreffende Kabelverzweiger in einem Gebiet liegt, in dem es bereits eine zweite Festnetzinfrastruktur (z.B. ein Kabelnetz) gibt, an die mindestens 75 Prozent der Gebäude angeschlossen sind. Hinsichtlich des „KVz-AP“ kritisiert der Breko die nicht ausreichenden Konfigurations- und Diagnosemöglichkeiten sowie die fehlende Einflussmöglichkeit des betroffenen Wettbewerbers auf die Produktgestaltung.

Breko-Präsident Ralf Kleint sieht in puncto Vectoring vorsichtig optimistisch in die Zukunft: „Die von der Bundesnetzagentur festgelegten Regelungen müssen sich nun in der Praxis bewähren. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass VDSL-Vectoring technisch und organisatorisch funktionieren wird – und wir unser Investitionsversprechen von 9,1 Mrd. Euro bis zum Jahr 2018 einhalten werden.“

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42735204 / Standards & Netze)