Kommentar zum Broadband World Forum 2012

Übergangstechnologien Vectoring & G.fast vs. Glasfaserausbau

| Autor / Redakteur: Klaus Pollak / Andreas Donner

Thema auf dem BBWF: sollen Netzbetreiber noch in Übergangstechnologie investieren oder gleich mit viel Geld die Glasfaser-Zukunft vorantreiben?
Thema auf dem BBWF: sollen Netzbetreiber noch in Übergangstechnologie investieren oder gleich mit viel Geld die Glasfaser-Zukunft vorantreiben? (Bild: Archiv VIT)

Das 12. Broadband World Forum (BBWF) fand vom 16. Bis 18.10.2012 in Amsterdam statt. Was es an der diesjährigen Veranstaltung zu kritisieren und zu loben gab und welche Themen das Branchentreffen bestimmten, erläutert Klaus Pollak, Head of Consulting & Projects bei Keymile, im IP-Insider-Interview.

IP-Insider: Herr Pollak, welche Bedeutung hat das Broadband World Forum (BBWF) heute für die Branche?

Klaus Pollak: Nach drei Jahren in Paris fand das BBWF 2012 erstmalig in Amsterdam statt. Auch in diesem Jahr verzeichnete der Veranstalter wieder reges Interesse am größten Branchentreff.

Allerdings setzte sich der Trend fort, dass sehr viele etablierte Netzbetreiber vor Ort waren, aber insbesondere die deutschen regionalen Carrier diese Veranstaltung anscheinend meiden. Gründe dafür könnten die hohen Preise für die gesamte Konferenzteilnahme sein. Wünschenswert wäre deshalb an dieser Stelle mehr Flexibilität, etwa durch Tageskonferenzpässe.

Während die täglichen Keynotes zur Einleitung der Konferenz etwas zu lang ausgefallen sind und sich die Themen doch häufig gleichen, zählten insbesondere die Fachvorträge im Access Stream zu den Highlights. Insgesamt war es jedoch eine gelungene Veranstaltung mit jeder Menge Informationen zu Breitbandtrends verschiedenster Technologien.

IP-Insider: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen in diesem Jahr?

Klaus Pollak: Für den Themenbereich der Zugangsnetze wird weiterhin kräftig diskutiert, ab wann eine neue Glasfaserinfrastruktur notwendig ist und wie diese dann finanzierbar ist. Aus technologischer Sicht zweifelt mittlerweile niemand mehr daran, dass die Glasfaser zukünftig das geeignete Übertragungsmedium darstellt und auch in den kommenden Jahrzehnten die Kapazität für immer weiter steigende Bandbreitenanforderungen bewältigen kann.

Die hohen Investitionskosten für diese neue Infrastruktur hindern jedoch noch viele Netzbetreiber am Handeln. So belegen auch die neuen Zahlen vom FTTH Council Europe, dass insbesondere einige der großen Länder in Europa wie UK und Deutschland beim Ausbau von Glasfaserinfrastrukturen weiter zurückfallen.

Dies wird auch dadurch unterstützt, dass mit Vectoring eine Technologie langsam produktfähig wird, die das bestehende Kupfernetz effizienter ausnutzt und damit die Notwendigkeit für die Einführung von Glasfaser um einige Jahre hinausschiebt. Vectoring erlaubt bei gleicher Leitungslänge ca. eine Verdoppelung der Übertragungsbandbreite, sodass ein typischer VDSL2-Anschluss nun durchaus mit 50 bis 100Mbit/s betrieben werden kann.

In der Praxis funktioniert Vectoring allerdings nur dann, wenn alle VDSL-Anschlüsse eines Kabels in einem DSLAM verarbeitet werden – dies führt in liberalisierten Netzen jedoch zu regulatorischen Problemen, die derzeit noch in keinem europäischen Land gelöst sind.

Klaus Pollak ist Head of Consulting & Projects bei Keymile in Hannover
Klaus Pollak ist Head of Consulting & Projects bei Keymile in Hannover (Bild: Keymile)

Über Vectoring hinaus wurde bereits schon der nächste Schritt in Richtung besserer Ausnutzung von Kupfernetzen diskutiert. Mit G.fast befindet sich eine Technologie in der Standardisierung, die noch höhere Bandbreiten über allerdings kürzere Leitungen (bis maximal 200 Meter) ermöglicht.

Auch bei dieser Technologie handelt es sich wieder um einen Zwischenschritt hin zu einem reinen Glasfasernetz bei dem die Glasfaser allerdings nur bis zu einem so genannten Distribution Point verlegt wird (FTTdp – Fiber to the distribution point). Mit einer Verfügbarkeit von Produkten ist allerdings frühestens 2015 zu rechnen.

Zusammengefasst bleibt es für die Netzbetreiber schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen: Moderate Investition in eine Übergangstechnologie oder hohe Investition in die Zukunft.

IP-Insider: Herr Pollak, vielen Dank für das Gespräch

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