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Offenheit im Netzwerk Über die Grundlage des New IP und den Beginn einer neuen Netzwerk-Ära

| Autor / Redakteur: Christopher Feussner / Ulrike Ostler

Die Netzwerk-Welt steht vor einer großen Herausforderung. Während die digitale Entwicklung mit großem Tempo voranschreitet, Unternehmen ihre Rechenzentren aufrüsten und ihre Server virtualisieren, kommt eines immer mehr in die Jahre: das Netzwerk.

„The New IP“ heißt: Netzwerke werden neu gestaltet und mit neuen, zusätzlichen Funktionen ausgestattet.
„The New IP“ heißt: Netzwerke werden neu gestaltet und mit neuen, zusätzlichen Funktionen ausgestattet.
(Bild: Brocade )

In der heutigen, hoch virtualisierten Welt und im Zeitalter von Cloud Computing und Big Data geraten veraltete Strukturen jedoch schnell an ihre Grenzen. Deshalb steht fest: Auch das Netzwerk hat begonnen sich grundlegend zu ändern.

Für diese Entwicklung etabliert sich zunehmend ein neuer Fachausdruck: „The New IP“. Netzwerke werden neu gestaltet und mit neuen, zusätzlichen Funktionen ausgestattet, um den heutigen und zukünftigen Ansprüchen gerecht werden zu können.

Die Umsetzung basiert auf Technologie wie Software-Defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV). Ziel dieser Ansätze ist es, dedizierte Hardware durch Software-Lösungen zu ersetzen und Netzwerke offener, agiler und flexibler zu machen.

Software macht es möglich

Bisherige, veraltete Netzwerke basieren auf Hardware und sind mit ihren komplexen, herstellerspezifischen Strukturen weder dynamisch noch flexibel. Die Netzwerke der Zukunft hingegen stellen den Benutzer in den Mittelpunkt, sind skalierbar, Software-basiert und virtualisiert. Sie agieren schnell und zuverlässig und können auch große und komplexe Datenströme problemlos verarbeiten.

Damit sind sie genau das, was sie sein müssen, um künftige Herausforderungen wie Industrie 4.0 zu meistern. Denn die digitale Fabrik wird immer öfter umgesetzt: Intelligente Maschinen und Komponenten sind vernetzt und gestalten den Produktionsprozess durch den Austausch von Echtzeit-Daten automatisch und individuell.

Die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens ist miteinander verzahnt – von Logistik und Einkauf über die Produktion bis hin zum Marketing, Vertrieb und Service. Die Folge: Eine enorme Datenmenge, die die Netzwerke überflutet und überfordert. Mit New IP können Unternehmen genau die innovativen Technologien im Netzwerk nutzen, die sie dafür brauchen – und dabei sogar Kosten sparen.

„Open Networking“ – die Dimensionen von Offenheit

New IP ist nicht umsetzbar ohne „Open Networking“, also die Offenheit im Netzwerk. Was sich also in den meisten IT-Bereichen immer mehr etabliert, erreicht nun auch das Netzwerk: offene Standards. Nur in offenen Netzwerken ist die Kompatibilität der verschiedenen Komponenten einer Netzwerkarchitektur gewährleistet. Unternehmen profitieren davon, denn sie können ihre Netzwerkarchitektur freier gestalten und sind nicht mehr an einen einzelnen Anbieter gebunden.

Der Autor des Artikels ist Christopher Feussner, Systems Engineer bei Brocade (siehe: Kasten)
Der Autor des Artikels ist Christopher Feussner, Systems Engineer bei Brocade (siehe: Kasten)
(Bild: Brocade )

Sie können diejenige Lösung in ihr Netzwerk integrieren, die für sie am besten geeignet ist – und nicht nur die Komponenten, die zur bereits bestehenden Architektur kompatibel sind. Das verspricht nicht nur mehr Transparenz und Vergleichbarkeit, sondern auch leistungsfähigere und flexiblere Netzwerke. Letztlich sparen Organisationen auch Kosten, da die neuen Technologien und Netzwerkkomponenten in bereits bestehende Legacy-Netzwerke eingebaut werden können.

Dabei kann „Open Networking“ zwei Bereiche betreffen. Offenheit bezieht sich zunächst auf IT-Systeme im Sinne von Multi-Vendor-Netzwerken. Hier gilt die Best-of-Breed-Strategie: Es werden immer diejenigen Komponenten eingesetzt, deren Funktionen die meisten Vorteile bieten. Darüber hinaus meint Offenheit auch die IT-Architektur als solche – eine Entwicklung, die vor allem von Communities und Open-Source-Initiativen vorangetrieben wird. Mit vereintem Know-how suchen sie nach Lösungen, um Netzwerke zu modernisieren und Technologien wie SDN und NFV zu fördern.

Open Source-Communities – mit vereintem Know-how zu mehr Offenheit

Bei dem Versuch, offene Standards im Netzwerkbereich zu etablieren, unterscheiden sich jedoch die Schwerpunkte der Initiativen. So werden beispielsweise im Rahmen der OpenStack-Initiative offene Standards für Cloud Computing-Architekturen entwickelt.

Für den Bereich Software-Defined Networking gibt es gleich zwei zentrale Initiativen: Die Open Networking Foundation, der mehr als 100 Unternehmen angehören, hat sich die Verbreitung von SDN zum Ziel gesetzt und ist vor allem an der Weiterentwicklung des offenen Standards OpenFlow interessiert. OpenDaylight wiederum ist eine offene Plattform für Entwickler, die die freie Implementierung von SDN und NFV verfolgen.

Offene Standards sind für heutige Netzwerke unumgänglich. Technisch gesehen entstehen zukunftsweisende Innovationen, wenn Hersteller und Entwickler ihre Expertise bündeln und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Aus Sicht der Unternehmen bietet Open Networking mehr Freiheit, mehr Flexibilität und damit letztlich auch mehr Effizienz. Und nicht zuletzt ist Offenheit auch ein Grundpfeiler des New IP, einer zukunftsweisenden Netzwerkarchitektur, die die Netzwerk-Welt auf die Herausforderungen der heutigen Zeit vorbereitet.

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