Keymile: Herausforderungen beim Breitbandausbau bleiben bestehen

TK-Trends 2015: von Voice-over-IP bis Video-on-Demand

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Video-on-Demand wird den Breitbandbedarf in den nächsten Jahren stark anwachsen lassen, insbesondere in den Kernnetzen.
Video-on-Demand wird den Breitbandbedarf in den nächsten Jahren stark anwachsen lassen, insbesondere in den Kernnetzen. (Bild: Piotr Adamowicz – Fotolia.com)

Im Sprachbereich werden weitere Lücken bei Voice-over-IP geschlossen, Vectoring wird Fahrt aufnehmen, die Virtualisierung und der Glasfaserausbau werden voranschreiten und Video-on-Demand wird den Bandbreitenbedarf steigern – so schätzt Hersteller Keymile den deutschen TK-Markt 2015 ein.

Nach Einschätzung von Keymile bleiben beim Breitbandausbau mittelfristig weitere Herausforderungen bestehen, auch wenn hier in den letzten Jahren spürbare Fortschritte erzielt wurden. Die folgenden fünf Bereiche werden nach Ansicht des Unternehmens das diesjährige Geschehen im deutschen Telekommunikationsmarkt maßgeblich prägen:

1. Voice-over-IP (VoIP) verdrängt das klassische Telefonienetz

Bis vor zehn Jahren dominierten ISDN-Anschlüsse bei den Telefonanschlüssen. In der Zwischenzeit sind die Netzbetreiber dabei, die letzten verbliebenen weißen Flecken bei VoIP zu schließen. Im Transportnetz oder bei Transatlantikverbindungen, also dort, wo viele Gespräche gleichzeitig übertragen werden, ist der Umstieg schon länger vollzogen. Selbst wer heute noch über Analog- oder ISDN-Anschlüsse verfügt, telefoniert letztlich ab dem Voice-Gateway oder der Vermittlungsstelle über ein IP-Netz. Viele Unternehmen und Privathaushalte nutzen bereits VoIP, bei anderen steht die Migration an. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll in Deutschland dann das gesamte Netz auf VoIP umgestellt sein. Damit wird auch das letzte Glied in der Kommunikation auf IP/Ethernet migriert und es entsteht eine einheitliche, zukunftssichere Plattform für Sprach-, Daten- und Videodienste.

2. Netzbetreiber nutzen Vectoring für schnellere Breitbandanschlüsse

VDSL2 und Vectoring sind in Kombination eine Brückentechnologie, die aktuell eine zentrale Rolle für eine bessere Breitbandversorgung spielt. Die vergleichsweise geringen Investitionskosten, die hohe Nachfrage nach mehr Bandbreite und die Möglichkeit, vorhandene Kupferleitungen weiter nutzen zu können, sind wichtige Gründe dafür, warum viele Netzbetreiber auf VDSL2 und Vectoring setzen. Dazu kommt, dass Vectoring auch für eine höhere Netzstabilität sorgt. Das Rollout von VDSL2 und Vectoring hat gerade begonnen. Bezüglich der technischen Weiterentwicklung stehen Technologien wie G.fast schon in den Startlöchern. Und die Entwicklung geht weiter, so befindet sich derzeit das VDSL2 Profile 35b im ITU-T-Standardisierungsprozess, welches auf noch höheren Frequenzen die Bandbreiten auf mittellangen Kupferstrecken von rund 300 Metern auf bis zu 250 MBit/s steigern soll. Noch höhere Raten sind durch den zurzeit in der Diskussion befindlichen Long-Reach-G.fast-Ansatz zu erwarten. Es bleibt aber abzuwarten, inwieweit Netzbetreiber diese zukünftigen Technologien nutzen werden, oder doch lieber gleich auf Glasfaser bis ins Haus setzen.

3. Virtualisierung von Zugangsnetzen

Durch die Einführung von Vectoring wird die bisherige Marktordnung zum Teil außer Kraft gesetzt, denn Vectoring sieht keine Entbündelung einzelner Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) am Kabelverzweiger mehr vor. Statt der bisherigen physischen Leitungsentbündelung ermöglichen Software-defined Access Networks eine virtuelle Entbündelung. Analog zu Software-Defined-Networking- und Network-Functions-Virtualization-Architekturen, wie sie in Rechenzentren und bei Cloud-Providern eingeführt werden, können dann auch Zugangsnetze von den Vorteilen einer Trennung der Steuer- und Datenebene profitieren. Auf Basis einer Vectoring-Plattform sind dann mehrere Provider in der Lage, über einen virtuellen Zugriff ihre jeweiligen Kunden mit schnellen Breitbandzugängen zu versorgen.

4. Bei regionalen Netzbetreibern geht der Glasfaserausbau voran

Parallel zum Einsatz von Vectoring geht auch der Glasfaserausbau schrittweise weiter, vorangetrieben vor allem durch regionale und lokale Netzbetreiber. Im Vergleich zu börsennotierten und international tätigen Konzernen können regionale Netzbetreiber einen längeren Zeitraum nutzen, innerhalb dessen sich die Investitionen in den Glasfaserausbau amortisieren müssen. Während die „Großen“ auf Förderung der Politik und der EU warten, haben immer mehr Kommunen und Stadtwerke ihre Chancen erkannt. Daher wird kurzfristig der Glasfaserausbau auch weiterhin eine Domäne von Stadtwerken und deren Tochterunternehmen bleiben, die zudem die Gegebenheiten vor Ort genau kennen und flexible Lösungswege einschlagen können.

5. Video-on-Demand setzt sich immer stärker durch

Eine hohe Bandbreite ist die Grundlage für neue Dienste wie Video-on-Demand. Millionen von Deutschen rufen bereits über ihren Fernseher Inhalte aus dem Internet ab. Über Videoportale, Mediatheken und OTT-Dienste (Over-the-top-Dienste) werden Zuschauer zu ihrem eigenen Programmdirektor. Das stellt Netzbetreiber vor Herausforderungen, denn sie müssen ihre Netze an einen rasant steigenden Bedarf anpassen und erweitern, denn Video-on-Demand beruht auf Unicast-Verbindungen, bei denen jeder Empfänger direkt mit dem Sender kommuniziert.

„Der Breitbandbedarf wird aufgrund von VoD in den nächsten Jahren stark anwachsen, insbesondere in den Kernnetzen – nicht zuletzt wegen der geänderten Sehgewohnheiten der Zuschauer. Sie haben heute die freie Wahl, Inhalte abzurufen, wann und mit welchem Endgerät sie das gerade möchten“, sagt Klaus Pollak, Head of Consulting & Projects bei Keymile. „Der weitere Vectoring-Ausbau ist dabei ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Glasfaserausbau bis in die einzelnen Häuser.“

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