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Jahresbilanz 2011: Sparziele erreicht Telekom sieht das Kabelnetz als Hauptwettbewerber

| Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Sarah Maier / Sarah Maier

Die Deutsche Telekom hat in Berlin ihre Jahresbilanz präsentiert. Den sinkenden Konzernumsatz schiebt die Geschäftsführung vor allem Regulierungsentscheidungen in die Schuhe. Im nun angebrochenen Geschäftsjahr möchte der Konzern 18 Milliarden Euro erwirtschaften.

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René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom
René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom

Telekom-Chef René Obermann versucht erst gar nicht, seine Geschäftszahlen schönzureden: „Das Jahr 2011 war ein schwieriges. Nicht nur für uns, sondern für die gesamte Telekommunikationsbranche. Zu den bekannten Herausforderungen – weiterhin scharfer Wettbewerb und eine nachteilige Regulierung – hat sich 2011 die schlechte Konjunktur vor allem in Süd- und Osteuropa negativ ausgewirkt“, leitete Obermann seine Rede zur Jahresbilanz in Berlin ein. „Hinzu kommt die weiterhin schwierige Situation unserer amerikanischen Mobilfunktochter. Wie Sie wissen, haben die zuständigen US-Behörden dem Verkauf an AT&T leider nicht zugestimmt.“

Statt der 39 Milliarden Dollar überwies Konkurrent AT&T nach dem Veto der US-Kartellbehörden nur knapp drei Milliarden. Ein Trostpflaster für den Bonner Konzern, mehr nicht. Zudem darf die Telekom in den USA das iPhone nicht anbieten.

Minus 68 Prozent

Trotzdem hat der Konzern seine Ziele fast oder gänzlich erreicht, einige sogar ein wenig früher als geplant. So lag international das bereinigte EBITDA bei 18,7 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2011. Geplant waren 19,1 Milliarden Euro. „Wir haben 2011 überall starken Gegenwind gespürt. Und der wird in diesem Jahr nicht nachlassen“, ist sich Obermann sicher. „Unsere Innovationskraft, Kostendisziplin und Bereitschaft zur Veränderung sind die entscheidenden Bausteine, um die Herausforderungen auch 2012 zu meistern.“

Unter dem Strich verdiente die Telekom 557 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr brach der Gewinn damit um 68 Prozent ein.

Deutschland-Geschäft

In Deutschland konnte der Konzern seine Position im Festnetz- und Mobil-Bereich verteidigen. Als Hauptwettbewerber sieht die Telekom mittlerweile das Kabelnetz. Als größten Stolperstein für das TK-Geschäft bezeichnet Obermann zudem die Regulierungsentscheidungen. Als Beispiel nennt er hier, dass durch die Senkung der mobilen Terminierungsentgelte dem deutschen Mobilfunkmarkt 2011 rund 850 Millionen Euro Umsatz gegenüber dem Vorjahr entzogen wurden.

Hierzulande kann der Konzern positive Entwicklungen bei den Kundenzahlen verzeichnen. So stieg die Zahl der Nutzer des TV-Angebotes Entertain um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf fast 1,6 Millionen. Gerade das erst im September gestartete Entertain Sat erwies sich dabei als förderlich: Von den 177.000 Entertain-Neukunden im vierten Quartal entschieden sich 97.000 für die satellitengestützte Variante.

Internet und Mobilfunk

Ebenso positiv wie das Entertain-Geschäft entwickelte sich das Geschäft mit VDSL-Anschlüssen. Hierfür konnte das Unternehmen mittlerweile 608.000 Kunden gewinnen. Das entspricht einer Steigerung um 78 Prozent. Den Breitband-Marktanteil hat der Konzern mit gut 45 Prozent am Jahresende insgesamt stabil gehalten. 2011 verlor der TK-Anbieter im klassischen Festnetz 21 Prozent weniger Kunden als noch 2010.

Laut Obermann zeigte der Gewinn von mehr als einer Million neuer Vertragskunden beim Mobilfunk, dass die Flatrate-Tarife attraktiv seien. Rund 62 Prozent der vertriebenen Geräte sind mittlerweile Smartphones. Im vierten Quartal wurde alleine das Apple iPhone eine halbe Million Mal verkauft. Dem Konzern zufolge war das der bislang höchste Quartals-Absatz aller Zeiten für dieses Device.

Das bereinigte EBITDA beträgt 9,6 Milliarden Euro und ist somit stabil zum Vorjahr. „Insgesamt konnten wir die Profitabilität 2011 steigern. Lag die bereinigte EBITDA-Marge 2009 noch bei 37,7 Prozent, so waren es im vergangenen Jahr 39,9 Prozent. Das ist eine starke Leistung“, findet der Vorstandsvorsitzende. „Der Umsatz hingegen ging im Gesamtjahr um 4,4 Prozent auf 24 Milliarden Euro zurück. Damit sind wir nicht zufrieden.“

T-Systems und die Cloud

Eher einen moderaten Zuwachs verzeichnete T-Systems. Der internationale Gesamtumsatz stieg gegenüber dem Geschäftsjahr 2010 nur um 2,1 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Der Auftragseingang lag mit 8,8 Milliarden Euro um 4,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.

„T-Systems lastete bei höherem Umsatz die Systeme besser aus, ohne dass die Kosten gestiegen sind. Deshalb lag die EBIT-Marge im vierten Quartal bei 5,0 Prozent. T-Systems war ebenfalls erfolgreich bei den Kosteneinsparungen mit einem Beitrag von 0,7 Milliarden Euro im Gesamtjahr. Mit der EBIT-Marge von 2,7 Prozent im Gesamtjahr im Vergleich zu einem Vorjahreswert von 3,7 Prozent sind wir sicher noch nicht zufrieden – aber wir sehen Fortschritte im Jahresverlauf“, erklärte Obermann.

Die gute Auslastung liegt unter anderem an dem immer stärker werdenden Geschäft mit der Cloud. Bereits jetzt beziehen beispielsweise 80 Prozent der Kunden, die SAP nutzen, ihr Angebot aus der Wolke.

Ausblick auf 2012

Für das Geschäftsjahr 2012 erhofft sich der Rosa Riese ein bereinigtes EBITDA von rund 18 Milliarden Euro. Dabei legt das Unternehmen seinen Fokus auf die Verteidigung der Marktposition im bisherigen Kerngeschäft, auf die Transformation des Konzerns in Richtung IP-Technologie, Effizienzprogramme wie Shape Headquarters oder auch die Integration der IT unter dem Dach von T-Systems sowie auf verstärkte Innovationsanstrengungen.

„Wir akzeptieren bewusst ein geringeres EBITDA, um diese Ziele zu unterstützen“, so der Vorstandsvorsitzende. „Verteidigen lautet auch die Vorgabe für das Europa-Segment, hier ausgerichtet auf die Cashflows und die marktführenden Positionen im bisherigen Kerngeschäft. Bei T-Systems wollen wir die Effizienz weiter verbessern, um im Outsourcing-Geschäft angemessene Margen zu erzielen.“

Weiter sparen

Um diese Effizienz herbeizuführen ist eine Verschlankung der Zentrale sowie die konzernweite Zentralisierung der IT geplant. Das 2010 ins Leben gerufene Effizienzprogramm „Save for Service“, welches ursprünglich bis zum Jahresende 2012 4,2 Milliarden Euro einsparen sollte, hat schon gefruchtet. Bereits Ende des vergangenes Jahres wurde das Ziel mit 4,5 Milliarden Euro übererfüllt. □

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