Potential von IEEE 802.11ac für Geschäftseinsatz ausreizen

Summierte fünf Gbit/s fürs WLAN

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Der DIR-895L/R beeindruckt mit Aussehen und Leistung. Geschäftskunden empfehlen Netzwerkausrüster derweil unauffälligere Lösungen.
Der DIR-895L/R beeindruckt mit Aussehen und Leistung. Geschäftskunden empfehlen Netzwerkausrüster derweil unauffälligere Lösungen. (Bild: D-Link)

Mit martialisch gestaltetem Gehäuse und brachialen Datenraten war D-Links Ultra Wi-Fi Router DIR-895L/R ein Star der diesjährigen CES. Inwieweit das für Geschäftskunden relevant ist und was der Standard 802.11ac noch hergibt, sind derweil zwei ganz andere Fragen.

5.330 Megabit pro Sekunde soll der Anfang des Jahres von D-Link angekündigte AC5300 Ultra Wi-Fi Router DIR-895L/R übermitteln. Dieser Wert beeindruckt, bewegten sich doch die ersten nach IEEE 802.11ac spezifizierten Geräte (Wave 1) bestenfalls in Regionen knapp über einem Gbit/s. Bei näherer Betrachtung hinterlässt das Gerät aber auch einige Fragen.

Ein kurzer Exkurs zum Standard: IEEE 802.11ac liefert theoretisch Bruttodurchsatzraten bis zu 6933,3 Mbit/s. Möglich wird das durch verbreiterte Funkkanäle (bis zu 160 MHz) und ausgefeilte Modulationsverfahren (Quadraturamplitudenmodulation bis zu 256-QAM mit 8 Bit pro Übertragungsschritt). Zusätzlich sieht der Standard auch parallele Datenströme vor: Per MIMO (Multiple Input Multiple Output) können Funkmodule bis je zu acht Sende- und Empfangseinheiten beinhalten.

Rätselraten mit Standard

Die von D-Link genannten 5.330 MBit/s liegen zwar unter dem maximal mit 802.11ac möglichen Durchsatzraten, entsprechen jedoch keiner der im Standard genannten Zahlen. Der Grund hierfür: D-Link funkt in drei Bändern und summiert die Durchsätze einfach. Getreu dieser Logik ergeben einmal 1.000 Mbit/s (2,4 GHz) plus zweimal 2.165 Mbit/s (5 GHz) die beworbene Performance.

Selbst wenn man sich auf das 5-GHz-Band beschränkt, findet man auch für die angegebenen 2.165 Mbit/s kein Äquivalent im Standard. Würde das Gerät auf 3x3-MIMO setzen, ergäbe das mit 80 MHz breiten Kanälen und 256-QAM einen maximalen Bruttodurchsatz von 1.300 Mbit/s; bei 160 MHz breiten Kanälen stiege der Wert auf 2.340 Mbit/s. Bei einer 4x4-MIMO-Konfiguration käme man auf Werte von 1.733,3 Gbit/s respektive 3.466,7 Gbit/s.

D-Links spärliche Informationen zum Gerät können das Rätsel bislang nicht lösen. Branchenkenner vermuten jedoch, dass der Hersteller auf 4x4-MIMO und ein – nicht im Standard spezifiziertes – 1024-QAM setzt.

Nicht nur damit stellt sich die Frage, inwieweit derlei für private Poweruser beworbene Geräte, als Blaupause für geschäftliche Einsatzfelder dienen können. Auch bezüglich standardkonformer Geschwindigkeitsrekorde geben sich Hersteller professionellen Equipments bislang noch recht konservativ.

Überlegungen für Geschäftskunden

Wenig geändert hat sich so anscheinend an der bereits 2013 von Cisco gemachten Aussage, dass auch mit einer zweiten Zertifizierungswelle (Wave 2) keine Geräte mit nativen Durchsätzen über 3.600 Mbit/s auf den Markt für Geschäftsanwender kommen werden. Das bestätigt auch eine Nachfrage beim Netzwerkausrüster Lancom. Der wirbt aktuell noch mit Bruttodatenraten bis zu 1,3 Gbit/s; wann Geschäftskunden mit mehr rechnen können sei derzeit nicht absehbar.

Dabei sieht der Anbieter allerdings auch wenig Grund zur Eile und führt verschiedene Argumente ins Feld. Eines lautet: Die Kapazitäten im 5-GHz-Band sind begrenzt, 160 MHz breite Kanäle entsprechend schwer zu nutzen. Zudem brauche es für 802.11ac und parallele Datenströme auch die passenden Endgeräte. Für kompakte Smartphones mit begrenzten Akkus sind 1x1-Konfigurationen genauso typisch wie weit von der maximal möglichen 8x8-MIMO-Architektur entfernt.

Hier könnte dann allerdings ein weiteres von 802.11ac vorgesehenes Verfahren punkten: MU-MIMO. MU steht für Multi-User und meint, dass Access Points angebundene Clients mit dedizierten Streams versorgen. So könnte ein Zugangspunkt mit 8x8-MIMO auch acht 1x1-Clients mit voller Bandbreite versorgen. Zurück zu D-Links DIR-895L/R : Der kann mit seinen drei Funkmodulen freilich auch drei verschiedene Clients dediziert ansprechen. Die summierte Bandbreite steht aber einem einzelnem Gerät aber nie zur Verfügung.

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Zum Schluss noch ein Hinweis für bandbreitenhungrige Powernutzer: Der von D-Link angekündigte DIR-895L/R wird in Deutschland nicht verfügbar sein. Dafür soll es ab Mai jedoch das Modell DIR-890L/R geben, dessen Spezifikationen sind zwar etwas weniger spektakulär, dafür aber auch weniger rätselhaft: Drei der sechs Antennen sind für 802.11ac reserviert und übertragen 1.300 Mbit/s. Hinzu kommen drei weitere Dual-Band-Antennen. Hierüber werden nochmal 1.300 Mbit/s per fünf GHz (802.11ac) sowie 600 Mbit/s per 2,4 GHz (802.11n) übertragen. Mit genug passenden Endgeräten ergibt das dann summiert 3.200 Gbit/s. Ohne Konkurrenz steht D-Link damit allerdings nicht da; so hatte beispielsweise Mitbewerber ASUSTeK mit dem ASUS RT-AC3200 bereits Mitte 2014 ein System mit ähnlichem Leistungsspektrum angekündigt.

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