Bessere Übertragungsraten, neue Nutzungsmöglichkeiten

Studie: Mobiler Datenverkehr nimmt rasant zu

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Deutschland ist in Europa die Nummer eins gemessen an den Mobilfunknutzerzahlen mit knapp 115 Mio. registrierten SIM-Karten im Jahr 2015.
Deutschland ist in Europa die Nummer eins gemessen an den Mobilfunknutzerzahlen mit knapp 115 Mio. registrierten SIM-Karten im Jahr 2015. (Bild: © - xpiollia - Fotolia.com)

Verbesserte Übertragungsraten, die auch die Nutzung datenintensiver Anwendungen ermöglichen, werden den mobilen Datenverkehr bis zum Jahr 2019 massiv ansteigen lassen – dies ermittelten eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. und Arthur D. Little in einer gemeinsamen Studie.

Deutschland ist in Europa die Nummer eins gemessen an den Mobilfunknutzerzahlen. Inklusive Machine-to-Machine-Kommunikation betrug die Zahl der SIM-Karten im vergangenen Jahr 115 Mio. – Tendenz steigend. Der mobile Datenverkehr betrug im Jahr 2015 in Deutschland bereits über 500 Mio. GB – und er wird aufgrund verbesserter Übertragungsraten und der daraus folgenden Nutzung datenintensiver Anwendungen bis 2019 massiv ansteigen. Dies sind Ergebnisse der Studie Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019 von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. und Arthur D. Little.

Der boomende Datenverkehr treibe auch das Marktwachstum weiter an. Sowohl Mobilfunkbetreiber als auch Datendienste würden von dem Trend profitieren. Allerdings sehen sich die Mobilfunkbetreiber einem Preisdruck ausgesetzt, wollen sie ihren Marktanteil ausbauen. Das Geschäft bleibe dennoch profitabel: Die EBITDA-Marge von Mobilfunk gesamt (Sprach- und Datenübertragung) variiere zwar je nach Anbieter, liege aber zwischen guten bis sehr guten 30 Prozent (Telefónica) und 45 Prozent (T-Mobile) – zum Vergleich: Automobilhersteller erreichten ca. zehn Prozent. „Große Anbieter wie T-Mobile und Vodafone profitieren dabei von Skaleneffekten aufgrund der eigenen Netzinfrastruktur“, erklärt Lars Riegel, Principal bei Arthur D. Little.

2015 habe das Marktsegment der mobilen Internetzugänge mit einem Umsatz von 9,6 Mrd. Euro noch knapp hinter dem Segment der stationären Internetanschlüsse (9,8 Mrd. Euro Umsatz) gelegen, aber diese Reihenfolge werde sich bereits in diesem Jahr umkehren: Dann erwarten eco und Arthur D. Little bei den Anbietern von mobilen Internetzugängen einen Umsatz von 11,2 Mrd. Euro, bei den Anbietern von stationären Internetzugängen 9,9 Mrd. Euro Umsatz. 2019 werde das Marktvolumen der mobilen Internetzugänge sogar bei 13,8 Mrd. Euro liegen. Damit würde das Marktsegment zwischen 2015 und 2019 eine Steigerungsrate von durchschnittlich zehn Prozent jährlich erreichen.

Datendienste befeuern das Wachstum im mobilen Segment

Schon 2015 hätten die Datendienste (ohne SMS) 40 Prozent der Mobilfunkumsätze ausgemacht. Dieser Anteil werde in den kommenden Jahren weiter steigen, u.a. wegen riesiger Datenmengen über soziale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp, Twitter oder Google+. Doch es seien vor allem die datenintensiven Anwendungen wie Audio- oder Video-on-Demand, die zu einer wahren Explosion des mobilen Datenverkehrs beitragen. „Die entsprechenden Bandbreiten und damit ausreichend schnellen Übertragungsraten stehen erst seit recht kurzer Zeit zur Verfügung, d.h., bis vor Kurzem war eine mobile Nutzung solcher Dienste schlicht nicht möglich“, erklärt Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im eco-Verband.

Die Netzlandschaft verändert sich

Die neuen Angebote und das veränderte Nutzungsverhalten hätten dabei auch einen direkten Einfluss auf die Netzbetreiber und ihre Netze: „Dienste wie beispielsweise Spotify oder auch Netflix verursachen unglaublich viel Last, daher müssen die Netzbetreiber ständig nachrüsten und ihre Netze ausbauen – sei es im Mobilfunk oder klassisch übers Festnetz“, so Dr. Bettina Horster. Die steigende Nachfrage führe noch weitere Veränderungen herbei, wie sie weiter ausführt: „Gerade bei Streamingdiensten ist WLAN deutlich besser geeignet als die Nutzung über das normale Mobilfunknetz. WLAN wird immer weiter ausgebaut, indem beispielsweise immer mehr Hotspots entstehen.“ So hätte man etwa im Vorfeld der Fußball-EM in Berlin zahlreiche kostenlose WLAN-Hotspots in Betrieb genommen.

Maschinen kommunizieren direkt miteinander – auch mobil

Hinter den Stichworten Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) oder dem Internet der Dinge verbergen sich revolutionäre Entwicklungen, die durch die höheren Bandbreiten im mobilen Internetzugang ebenfalls viele neue Anwendungsmöglichkeiten erfahren – und Unternehmen Kostenvorteile und höhere Effektivität bringen. Kurz gesagt geht es bei M2M darum, Maschinen miteinander zu synchronisieren, sodass z.B. Fertigungsabläufe in der Industrie oder Prozesse in der Logistik oder in der Landwirtschaft möglichst perfekt aufeinander abgestimmt sind. So lasse sich etwa der Leerlauf einer Maschine wegen Wartezeiten auf eine andere vermeiden.

„Ein Beispiel für ein solches Einsatzszenarium im mobilen Umfeld ist der Ernteprozess in der modernen Landwirtschaft“, so Dr. Bettina Horster. „Hier hat die Korntankschnecke einen Sensor. Wenn sie zu drei Vierteln voll ist, geht eine Meldung an das Überladefahrzeug, das dann die Ladung übernimmt und sie zum Straßenfahrzeug bringt, das ebenfalls informiert wurde und schon bereitsteht.“ Aber das Internet der Dinge könne noch mehr. Dank Big Data und Artificial Intelligence könnten die erhobenen Daten analysiert und vermarktet werden. Die Daten würden so zum Treibstoff für neue Geschäftsmodelle. So könne etwa ein Düngemittelhersteller die Daten der Erntefahrzeuge nutzen, um die Landwirte bei der perfekten Ausbringung des Düngers zu unterstützen. Der Landwirt könne diesen Service buchen und der Lohnunternehmer die Daten, die sein Mähdrescher gesammelt hat, monetarisieren.

Der Markt ist international

Der Studie zufolge decken deutsche Unternehmen wie T-Mobile, Freenet und 1&1 – gemessen an den gesamten Mobilfunkumsätzen – etwa 45 Prozent des Marktes in Deutschland ab. Ausländische Anbieter würden 55 Prozent des Marktes unter sich aufteilen, dazu gehören Vodafone und Telefónica. „Der deutsche Platzhirsch T-Mobile ist auch im Ausland sehr erfolgreich und einer der größten Mobilfunkanbieter Europas“, so Lars Riedel. „Mehr als 70 Prozent seiner Kunden sitzen außerhalb Deutschlands.“

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