In Schwellenländern setzt man große Hoffnungen auf IT

Studie: Deutsche unterschätzen den Einfluss digitaler Technologien

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

IT und Internet wirken sich positiv auf Wirtschaft und Gesellschaft aus – davon sind 85 Prozent der Teilnehmer einer Microsoft-Studie überzeugt.
IT und Internet wirken sich positiv auf Wirtschaft und Gesellschaft aus – davon sind 85 Prozent der Teilnehmer einer Microsoft-Studie überzeugt. (Bild: Julien Eichinger – Fotolia.com)

Weltweit sind 85 Prozent der Menschen davon überzeugt, dass „digitale Technologien die Welt verbessern“, so das zentrale Ergebnis einer Onlinebefragung von Microsoft unter 12.000 Menschen in zwölf Ländern. Die deutschen Studienteilnehmer seien weniger enthusiastisch gewesen.

Die Studie Views from around the globe wurde aus Anlass des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht, das vom 21. bis zum 24. Januar 2015 in Davos stattfand. Microsoft zufolge erwartet eine deutliche Mehrheit der Befragten positive Effekte für Unternehmen, Bildung, Mobilität, Beschäftigung, Gesundheitswesen sowie für die eigene Lebensqualität. Allerdings würden sich die Menschen in den Schwellenländern deutlich optimistischer zeigen und größere Hoffnungen in neue Technologien setzen als die Bewohner der Industriestaaten. Besonders wenig Enthusiasmus zeigten die Deutschen.

Für die Studie hat Microsoft nach eigenen Angaben im Dezember 2014 je tausend Einwohner in fünf Industriestaaten (Deutschland, Frankreich, Japan, Südkorea und den USA) und sieben Schwellenländern (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Russland, Türkei und Südafrika) befragt, wie Internet und IT Wirtschaft die Gesellschaft in Zukunft beeinflussen werden. Hoffnung hegten die Menschen vor allem in Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung:

  • 72 Prozent zeigten sich davon überzeugt, dass IT und Internet Innovationen beschleunigen,
  • 68 Prozent meinten, dass digitale Technologien die Bedingungen für Unternehmensgründungen verbessern,
  • 65 Prozent glaubten, dass digitale Technologien die Produktivität erhöhen.

Deutliche Lücke zwischen Schwellenländern und Industriestaaten

Allerdings würde zwischen den Erwartungen der Bewohner der Industriestaaten und denen der Schwellenländer eine deutliche Lücke klaffen. Die Menschen in den Schwellenländern stünden digitalen Technologien deutlich positiver gegenüber als die der Industriestaaten. Und in der Gruppe der Industriestaaten zeigten sich ausgerechnet die Deutschen besonders wenig optimistisch:

  • Thema Innovation: Laut Microsoft meinen mehr als 80 Prozent der Indonesier, Brasilianer und Inder (und immerhin auch 68 Prozent der Amerikaner), dass digitale Technologien Innovation beschleunigen. Aber nur 60 Prozent der Deutschen würden IT und Internet als Triebfeder für Innovation sehen.
  • Thema Produktivität: Mehr als 70 Prozent der Inder und Chinesen, aber nur 56 Prozent der Deutschen, seien davon überzeugt, dass Internet und IT die Produktivität verbessern. Allerdings liege Deutschland in dieser Frage mit den USA gleichauf. Und deutlich mehr Deutsche als Japaner, Südkoreaner oder Franzosen glauben, so die Studie, an Internet und IT als Treiber für mehr Produktivität.
  • Thema Start-ups: Laut Studie glauben 80 Prozent der Indonesier und Brasilianer an bessere Bedingungen für Gründer durch IT. Dagegen würden nur 54 Prozent der Deutschen meinen, dass digitale Technologien die Chancen für Unternehmensgründungen erhöhen.

„Die Studie belegt, dass die Deutschen den Einfluss digitaler Technologien unterschätzen”, erklärt Dr. Christian P. Illek, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. „Die Tatsache, dass im Umfeld von Cloud Computing und App-Entwicklung täglich neue Geschäftsideen entstehen, ist noch längst nicht in den Köpfen aller Deutschen angekommen.”

Auch gegenüber neuen, internetbasierenden Geschäftsmodellen hätten die Menschen je nach Herkunft eine unterschiedliche Erwartungshaltung. Von neuen Services, wie beispielsweise der Onlinevermittlung von Fahrdiensten, Urlaubsquartieren oder Jobs, erwarteten die meisten Bewohner der Schwellenländer eine Verbesserung gegenüber traditionellen Anbietern – sowohl für Konsumenten als auch für die Beschäftigten. Dagegen stünden die Menschen in den Industriestaaten Anbietern solcher Dienste mehrheitlich kritisch gegenüber.

Gewaltiger Handlungsbedarf

Diese Kluft schlage sich auch in den persönlichen Erwartungen der Menschen nieder. Während sich die Menschen noch weitgehend darüber einig seien, dass die besten Berufsaussichten künftig im Hightechbereich liegen (Industriestaaten 43 Prozent, Schwellenländer 47 Prozent), so klaffe bei der Bewertung der eigenen Jobperspektiven eine deutliche Lücke. Der Aussage „Menschen wie ich interessieren sich für Jobs im Hightechbereich“ hätten 90 Prozent der Männer und 79 Prozent der Frauen in den Schwellenländern zugestimmt. In den Industriestaaten sei die Aussage nur für 68 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen zutreffend. Ein ähnliches Missverhältnis werde bei der Aussage „Menschen wie ich werden ermutigt, im Hightechbereich zu arbeiten“ sichtbar. Allerdings gebe es an dieser Stelle eine großen Unterschied bei den weiblichen Befragten: 77 Prozent der Frauen in den Schwellenländern, aber nur 46 Prozent der Frauen in den Industriestaaten fühlten sich zu einer Karriere im Hightechbereich ermutigt. Illek: „Hier belegt die Studie gewaltigen Handlungsbedarf. Denn angesichts des heute schon dramatischen Fachkräftemangels können es sich gerade die alternden Gesellschaften der Industriestaaten nicht leisten, auf den Beitrag gut ausgebildeter Frauen am Arbeitsmarkt zu verzichten.“

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