Apple, Google, Microsoft, Samsung & Intel: Allianzen fürs Smart Home Streit ums traute Heim

Redakteur: Sylvia Lösel

Dell, Intel und Samsung haben eine Smart-Home-Allianz ins Leben gerufen. Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Auch Apple, Google und Microsoft haben dieses Jahr schon Flagge gezeigt.

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Die Samsung Waschmaschine WW7000 verfügt bereits über „smarte“ Funktionen.
Die Samsung Waschmaschine WW7000 verfügt bereits über „smarte“ Funktionen.
(Bild: Samsung)

Fast zehn Jahre ist es bereits her, dass sich die Filmwelt in zwei Lager gespalten sah. Heiße Diskussionen gab es um die beiden Datenträgerformate Blu-ray und HD-DVD. Dem einen Konsortium gehörten unter anderem Panasonic, Sony, LG und Samsung an, beim anderen waren Microsoft, Toshiba, Intel, IBM und HP an Bord. Es dauerte rund vier Jahre, bis sich Blu-ray durchsetzte. Heute sind Filme wie „Der Hobbit“ oder der Jugend-Kultfim „Fack ju Göhte“ in diesem Format zu haben.

Im falschen Film

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich beim Thema Smart Home ab. Doch anders als bei der Rangelei um Datenträgerformate birgt dieses Thema weitaus mehr Zündstoff. Denn es geht nicht allein um die Anschaffung des richtigen Film-Players. Im Smart Home sollen Kühlschrank, Router, Waschmaschine, Thermostat, Rollladensteuerung, Fernseher und Smartphone miteinander kommunizieren. Damit dies reibungslos funktioniert, müssen die Geräte alle „eine Sprache sprechen“.

Doch genau das scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. Zu hoch sind die Gewinne, die dieser Markt verspricht. Zu hoch die Ambitionen einzelner Hersteller. Denn wer das „richtige“ System entwickelt, wer den Verbrauchermarkt erobert, dem winken in den kommenden Jahren Milliarden-Umsätze.

Blockbuster

Die Marktforscher von Deloitte beziffern die Smart-Home-Umsätze allein in Europa bis ins Jahr 2017 auf 4,1 Milliarden Euro. Und weiter ist in der Studie „Licht ins Dunkel“ zu lesen „Zunehmend erfolgskritisch wird die Einbeziehung offener Plattformen, welche unterschiedlichste Smart-Home-Dienste von verschiedenen Anbietern flexibel bündeln“.

Premiere

Spätestens als Anfang dieses Jahres, als Google den Thermostat-Hersteller Nest Labs gekauft hat, ist das Rennen um die Vorherrschaft auf dem Smart-Home-Markt eröffnet.

Und auch Apple hat mit seinem HomeKit ein heißes Eisen im Feuer. Denn HomeKit soll für eine nahtlose Erfahrung im vernetzten Haus sorgen. Dazu bietet es ein gemeinsames Protokoll, sichere Kopplung sowie die Möglichkeit, einzelne Geräte oder Geräte-Gruppen im gesamten Haus einfach zu bedienen – inklusive der Integration von „Siri“ einer Apple-Spracherkennungssoftware für die Verarbeitung von natürlicher Sprache. Um ein Anwendungsbeispiel zu nennen: Man könnte Siri mitteilen, dass man „zu Bett geht“ woraufhin Siri das Licht dimmt, die Türen verriegelt, das Garagentor schließt und die Thermostate herunterregelt.

Fortsetzung folgt...

In der vergangenen Woche hat sich nun Microsoft für den Beitritt zu einer Allianz entschieden. Die AllSeen-Alliance der Linux-Foundation plädiert für offene Standards. Ihr gehören bereits 51 Unternehmen an, darunter Panasonic, LG, Qualcomm und Sharp. Kaum bekannt gegeben, kündigten Qualcomm-Konkurrenten an, ein konkurrierendes Konsortium zu gründen.

Dies ist jetzt geschehen. Samsung, Intel und Dell haben sich zusammengeschlossen und das Open Interconnect Consortium ins Leben gerufen. Diesem gehören des weiteren die Chip-Hersteller Broadcom und Atmel an. Auch dieser Zusammenschluss will dafür sorgen, dass das Internet of Things zur Realität wird und das Smart Home reibungslos funktioniert.

Doug Fisher, General Manager von Intels Software und Services Group, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass das neue Konsortium sich auch um Security-Belange kümmern wollen sowie um weitere Themen, die die AllSeen-Gruppe nicht auf ihrer Agenda stehen habe.

Die Leidtragenden beim Wettrennen ums traute Heim könnten dann wieder einmal Händler und Verbraucher sein. Spätestens wenn der Rollladen sich weigert mit Siri zu sprechen, oder wenn sich die Haustür nicht mit der App auf dem Samsung-Smartphone öffnen lässt, wird es Ärger geben.

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