Versteigerung der Digitalen Dividende II beginnt heute

Starker Schub für Breitbandausbau

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Der Bund hat angekündigt, dass bis 2018 Breitbandgeschwindigkeiten von mindestens 50 MBit/s flächendeckend verfügbar sein sollen.
Der Bund hat angekündigt, dass bis 2018 Breitbandgeschwindigkeiten von mindestens 50 MBit/s flächendeckend verfügbar sein sollen. (Bild: Sashkin – Fotolia.com)

Die Versteigerung der 700-MHz-Frequenzen (Digitale Dividende II), die am heute in Mainz beginnt, wird dem mobilen Breitbandausbau in Deutschland einen starken Schub geben. So sieht es der Digitalverband Bitkom und fordert die Freigabe der 700-MHz-Frequenzen vor 2018.

Prof. Dieter Kempf, Präsident des Digitalverbands Bitkom, begrüßt, dass die Vorbereitungen so schnell abgeschlossen wurde und nun mit der Versteigerung begonnen wird. „Damit stellt Deutschland entscheidende Weichen für Industrie 4.0, für selbstfahrende Autos oder intelligente telemedizinische Anwendungen. Zugleich profitieren auch die Verbraucher von einer besseren mobilen Breitbandversorgung.“

Die 700-MHz-Frequenzen, die bislang vom terrestrischen Fernsehen (DVB-T) genutzt werden, sollen künftig für die Breitbandversorgung mit Mobiltechnologien zur Verfügung stehen. So könnten auch in dünn besiedelten ländlichen Regionen per LTE hohe mobile Internetgeschwindigkeiten erreicht werden. Mit LTE-Advanced, der Weiterentwicklung von LTE, würden dann bald Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Megabit pro Sekunde verfügbar sein. Perspektivisch seien mit dem nächsten Mobilfunkstandard 5G Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich möglich. „Sollen Verbraucher und Wirtschaft schnell von Verbesserungen profitieren, müssen die Rundfunkanbieter die Frequenzen zügig freimachen“, appelliert Kempf.

Die Freigabe der Frequenzen sollte nach Ansicht des Bitkom deutlich vor 2018 erfolgen. „Andernfalls kann die zweite Digitale Dividende nicht mehr zum Erreichen der Breitbandziele der Bundesregierung beitragen“, sagte Kempf. Der Bund hat angekündigt, dass bis 2018 Breitbandgeschwindigkeiten von mindestens 50 MBit/s flächendeckend verfügbar sein sollen. „Zudem brauchen die Mobilfunkanbieter ein verbindliches Datum, damit sie die Umstellung vorbereiten können.“

Digitalisierung erfordert breitbandiges Internet

Die baldige Nutzung der Frequenzen sei aus Sicht des Bitkom eine wesentliche Voraussetzung, um die Chancen, die die Digitalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft bietet, voll auszuschöpfen. Bereits jetzt nutzten vier von zehn Industrieunternehmen (44 Prozent) aus den industriellen Kernbranchen Industrie-4.0-Anwendungen, die breitbandiges Internet erfordern. Weitere 18 Prozent planten den Einsatz solcher Anwendungen. Viele vernetzte Anwendungen würden zukünftig eine mobile Anbindung benötigen.

Gut sechs von zehn Deutschen (63 Prozent) verwendeten ein Smartphone, also ein internetfähiges Mobiltelefon. Zugleich würden mobile Anwendungen, die große Datenmengen verarbeiten, immer beliebter, so z.B. Videostreaming. Die Datenmengen in den deutschen Mobilfunknetzen werden laut Bitkom als Folge dieser Entwicklungen steil ansteigen – von rund 370 Mio. GB im Jahr 2014 auf voraussichtlich 480 Mio. GB 2015. Damit würden auch die Anforderungen an die Infrastruktur wachsen. „Mittelfristig sind weitere Investitionen in den Breitbandausbau – sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz – nötig“, so Kempf.

Fakten zur Frequenzauktion

Die Bundesnetzagentur hat die Unternehmen Telefónica Germany GmbH & Co. OHG, Telekom Deutschland GmbH und Vodafone GmbH zur Auktion zugelassen. Versteigert werden Frequenzen im Umfang von 270 MHz aus den Bereichen 700 MHz, 900 MHz, 1.500 MHz sowie 1.800 MHz. Die Frequenzen aus den Bereichen bei 900 MHz und 1.800 MHz haben die Grundlage für den Aufbau der heutigen Mobilfunknetze insbesondere für die flächendeckende mobile Sprachkommunikation gebildet und sollen künftig auch für breitbandige Internetanschlüsse genutzt werden.

Die Frequenzen im 700-MHz-Bereich werden bislang für terrestrisches Fernsehen genutzt. Durch die Umstellung auf DVB-T2 werden sie frei und können für mobiles Breitband genutzt werden. Die Netzbetreiber können mit nur relativ wenigen Funkstationen schnelles Internet auch in bisher wenig erschlossene Regionen bringen. Ziel der Bundesnetzagentur ist es, dass mit dem Einsatz dieser Frequenzen eine nahezu flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Breitbandinternet erreicht wird – wie bisher schon mit mobiler Sprachtelefonie. Daher beinhalten die Frequenznutzungsrechte eine Versorgungsverpflichtung von 98 Prozent der Bevölkerung.

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