Software-definierte Netzwerke erobern den Markt

So verändert SDN die Sicht auf die Unternehmens-IT

| Autor / Redakteur: Shawn Hakl / Andreas Donner

SDN wirft viele Fragen auf. Hier einige Antworten aus Sicht eines Service Providers.
SDN wirft viele Fragen auf. Hier einige Antworten aus Sicht eines Service Providers. ( © Oleksandr Delyk - Fotolia)

Grundsätzlich geht es bei SDN darum, wie man die Verarbeitung der Daten (Data Intelligence) vom Fluss der Daten trennt. In einer SDN-Umgebung wird die Steuerintelligenz – die regelt, wie Daten behandelt werden – vom eigentlichen physischen Transport der Daten separiert. Dadurch können physische Devices und Netzwerkanwendungen virtualisiert werden, was zahlreiche Vorteile hat.

Die heutigen Netzwerke sind aufgrund ihrer Komplexität relativ unbeweglich – verändert man sie, besteht die Gefahr, etwas kaputt zu machen. Mit dem neuen Modell lässt sich das Netz wesentlich raffinierter gestalten, ohne dass es komplexer wird. Einfach ausgedrückt: SDN gibt Unternehmen die Möglichkeit, mit geschäftlichen Entwicklungen Schritt zu halten und dadurch besser auf User, Kunden und Marktchancen zu reagieren. Shawn Hakl, Leiter Netzwerkplattformen und Managed Services bei Verizon Enterprise Solutions hat die ihm am häufigsten im Zusammenhang mit SDN gestellten Fragen gesammelt und hier in Form einer lockeren Q&A-Session zusammengefasst.

Was ist die treibende Kraft hinter der Einführung von SDN?

Netzwerke sind heute in vielerlei Hinsicht gefordert: Immer mehr mobile Endgeräte, Verlagerung von Anwendungen/Daten in die Cloud, größere Traffic-Variabilität, explosionsartige Zunahme von Cyberbedrohungen und Änderungen bei Standards/Chipsätzen. Ein Unternehmen muss mit diesen Anforderungen Schritt halten, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was sind die entscheidenden Vorteile von SDN?

SDN bietet Skalierbarkeit und vor allem ein tiefer gehendes, reichhaltigeres Erlebnis für den Kunden. Damit bekommen Unternehmen ein ausgereifteres Spektrum an Netzwerkmerkmalen an die Hand, dazu ein umfassenderes Serviceerlebnis, das mehr operative Effizienz zulässt, indem es die Funktionalität auf die Software-Ebene verlagert und so den Traffic optimiert.

Durch zentrales Management werden betriebliche Abläufe agiler, ebenso ihre Umsetzung, und das wiederum trägt zur Kostenkontrolle bei. Netzwerkressourcen werden „on demand“ gehandhabt. Außerdem ist Integration über APIs möglich, das Traffic-Management steht damit aufgrund eines höheren Grades an Automation von Rechen-, Netzwerk- und Storage-Leistung in Echtzeit zur Verfügung.

Gibt es Beispiele, wie SDN in einer Unternehmensumgebung funktioniert?

Im Wesentlichen kann man immer dann, wenn man einen zentralen Service mit virtueller Intelligenz hat, Dinge schneller in Betrieb nehmen, weil weniger Geräte mit im Spiel sind. Wenn Kunden beispielsweise ihr Netzwerk auf neue Standorte erweitern müssen, kann das jetzt innerhalb von Tagen passieren, nach dem traditionellen Ansatz würde es Wochen dauern.

Lösungen, für die traditionell mehrere große, kostspielige physische Edge-Devices nötig waren, können jetzt wesentlich intelligenter auf Softwarebasis bereitgestellt werden. Dadurch sind wir (Verizon Enterprise Solutions) in der Lage, Reichweite und Tiefe der Kunden zu vergrößern, für die wir diese Services bereitstellen können. So können wir jetzt auch für mittelständische und kleine Unternehmenskunden komplexe Sicherheits- und Performance-Managementlösungen anbieten, die zuvor auf große Konzerne beschränkt waren.

Warum brauchen Unternehmen heute eine Lösung wie diese?

Hauptargument für die Implementierung von SDN-Technologie ist die durch Mobile und Cloud gestiegene Komplexität von Unternehmensnetzwerken. Die User greifen verstärkt von außerhalb auf Netzwerke und Anwendungen zu, und diese Anwendungen befinden sich an unterschiedlichen Stellen im Netz.

Außerdem nehmen Cyberbedrohungen zu, was die Unternehmen zwingt, als Gegenmaßnahme anspruchsvollere Sicherheitslösungen zu installieren. Die SDN-Technologie macht anspruchsvollere Lösungen möglich. Zudem bietet sie eine optimierte Management-Ebene, mit der das Problem einer komplexen und schwer zu koordinierenden Umgebung schlicht entfällt. Dies trifft besonders dann zu, wenn man die explosionsartige Verbreitung von mobilen Endgeräten und Cloud-Computing in die Überlegungen einbezieht.

Benötigen die Kunden eine eigene Infrastruktur, um eine SDN-Lösung hinzuzufügen?

SDN wird sich in Zukunft durch die Services ziehen, die wir als Netzwerk-Provider bereitstellen. SDN wird den Grad der Ausgereiftheit und die Zahl der Services erhöhen, die wir bereitstellen können. Dadurch entsteht ein intelligenteres Netzwerk, die Kunden können ohne zusätzliches Equipment mehr Services in Anspruch nehmen, und sie können mit der Zeit zu einem Cloud-basierten Versorger-Modell wechseln.

Sie haben zudem die Möglichkeit, weiter eigene Netzwerk-Installationen zu benutzen. In einem solchen Fall übernimmt Verizon auf Wunsch gern Design, Architekturgestaltung und Management.

Spielen das Internet der Dinge (IoT) und Datenanalyse bei SDN eine große Rolle?

Absolut! SDN gibt uns die Chance, unser Angebot auf virtualisierter Basis um noch ausgereiftere, koordinierte Serviceleistungen zu erweitern. SDN ist damit ideal für IoT-Anwendungen. In einer IoT-Umgebung haben wir es mit sehr kleinen Devices mit begrenzter Leistungsfähigkeit zu tun. Diese Geräte zusätzlich mit Weiterverarbeitung und Richtlinieneinhaltung zu belasten, übersteigt ihre Möglichkeiten. Mit SDN ist es kein Problem, diese Intelligenz größtenteils an einen zentralen Ort zu verlegen, von wo aus man in der Lage ist, sämtliche Daten auf einmal einzusehen und darauf zu reagieren.

Welche Produkte und Services sind in einem Software-definierten Netzwerk möglich?

Es gibt bereits eine ganze Reihe von Services, die auf SDN-Plattformen laufen. Mit dem Secure Gateway der nächsten Generation von Verizon zum Beispiel können sich Kunden sicher aus Breitband-Netzwerken mit privaten Netzwerk-Lösungen von Verizon verbinden, zum Beispiel Private IP, Secure Cloud Interconnect und Verizon Wireless Mobile Private Network.

Shawn Hakl.
Shawn Hakl. (Bild: Verizon Enterprise Solutions)

Weiter bieten wir Professional Services an, mit denen wir Kunden helfen herauszufinden, wie und wo sie SDN-Technologie einsetzen und ihre Netzwerkarchitektur optimieren können. Selbstverständlich werden wir auch unser Angebot an Managed Services aktualisieren, damit diese die Bereitstellung von Serviceleistungen in SDN-basierten Umgebungen unterstützen.

Über den Autor

Shawn Hakl ist Leiter Netzwerkplattformen und Managed Services bei Verizon Enterprise Solutions.

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