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Die Vor- und Nachteile zweier Telefonsysteme SIP Trunking vs. Primärmultiplex

Von Sanjay Macwan

Wer sich mit Telefonanlagen beschäftigt, stößt früher oder später auf die Begriffe SIP-Trunking und PMX. SIP-Trunks sind Telefonleitungen, die mit Hilfe des Session Initiation Protocols per IP-Verbindung bereitgestellt werden. Ein Primärmultiplexanschluss (PMX) ist dagegen eine Schnittstelle zur digitalen Anbindung einer Telefonanlage an ein öffentliches Telefonnetz und wird überwiegend von Unternehmen genutzt. Doch was ist wann besser?

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Handvermittelte Telefongespräche waren einmal – heute heißt es: SIP pder PMX?
Handvermittelte Telefongespräche waren einmal – heute heißt es: SIP pder PMX?
(Bild: © Sina Ettmer - stock.adobe.com)

Mit der SIP-Technik lassen sich über einen einzigen VoIP-Sprachanschluss viele verschiedene Rufnummern verwalten („trunk“, englisch für Bündel, hier „Bündelung“). Ein Primärmultiplexanschluss (PMX) überzeugt dagegen mit seinen vielen durchwahlfähigen Anlagenanschlüssen. Auch wenn beide Lösungen im Grunde dasselbe Ergebnis liefern – eine Verbindung zwischen dem internen Telefonsystem und dem öffentlichen Telefonnetz – nutzen sie dafür unterschiedliche Wege.

Für viele Telefonie-Experten ist SIP-Trunking heutzutage jedoch die erste Wahl. Denn wer bereits eine Telefonanlage oder eine andere unterstützte Hardware nutzt, für den bietet die virtuelle Verbindung zum öffentlichen Telefonnetz im Gegensatz zum älteren PMX zahlreiche Vorteile – etwa die hohe Flexibilität und Skalierbarkeit. Doch, obwohl sich immer mehr Unternehmen von PMX verabschieden, haben beide Lösungen Vor- und Nachteile, die es wert sind, genauer untersucht zu werden.

Die Vorteile von SIP-Trunking

SIP-Trunking steht für einen virtuellen Ansatz der Business-Telefonie. Basis ist hier eine Datenverbindung – Unternehmen können ihre Anrufe und Multimedianachrichten über eine geeignete Internetverbindung übertragen. Firmen, die sich von ihrem herkömmlichen PMX trennen möchten, können Gateways und andere Spezial-Hardware weiter nutzen, um nicht die gesamte Infrastruktur erneuern zu müssen. Wer will, kann sich problemlos für fortschrittliche Softphones und andere zeitgemäße Infrastrukturanlagen entscheiden.

Letzteres ist vor allem dann interessant, wenn man einen der größten Pluspunkte von SIP-Trunking betrachtet: Multimediakommunikation. Für Organisationen, die Interesse an Unified Communications und Collaboration Tools haben, bietet SIP den einfachsten und skalierbarsten Weg zu Digital-Voice-Diensten, Videokonferenzen und anderen technisch anspruchsvollen Serviceleistungen.

Apropos Skalierbarkeit: Die Virtualität von SIP-Trunks bedeutet einen klaren Vorteil gegenüber der vergleichsweise restriktiven PMX-Architektur. Während die maximale Anzahl aktiver Gespräche bei PMX-Anschlüssen von Anfang an limitiert ist, sind SIP Trunks gegebenenfalls durch die Menge der vom Anbieter bereitgestellten Leitungen sowie durch die Bandbreite eingeschränkt, die am Unternehmensstandort verfügbar ist.

Dies ist auch der Grund, warum SIP-Trunking die bessere Wahl für Unternehmen mit vielen internationalen Kunden ist. So wie die IP-Telefonie die Gebühren für internationale Gespräche gegenüber denen für herkömmliche Festnetzanrufe drastisch reduziert hat, wurden durch SIP-Trunking internationale Anrufe – anders als bei PMX – noch einmal deutlich günstiger. Zudem bedeutet SIP im Allgemeinen niedrigere monatliche Telefonkosten, vor allem wenn die Alternative aus mehreren PMX-Verbindungen besteht.

Die Nachteile von SIP-Trunking

Da SIP Trunking auf einer Datenverbindung basiert, benötigen Unternehmen ausreichend Bandbreite, um die Gesamtheit ihrer VoIP-Telefone und -Anlagen zu unterstützen. Wer viele Anrufe zur gleichen Zeit erhält, braucht möglicherweise zusätzliche Bandbreite, um den Bedarf zu decken. Obwohl SIP-Trunking auf Dauer generell als kosteneffizient gilt, könnten die Einrichtungskosten einigen Firmen zu denken geben.

Die Vorteile von PMX

Die größte Stärke von PMX liegt in seiner hohen Konnektivität. Sind Verfügbarkeit und Qualität der Anrufe die höchste Priorität – schon eine einzige Störung oder ein unterbrochenes Gespräch bedeuten eine Katastrophe – kann die Stabilität von PMX sowie seine oft benutzerfreundlichen Dienstleistungsverträge viele Sorgen sparen. Diese Lösung bietet sich etwa in Bereichen wie dem Gesundheitswesen an, in denen eine gute Gesprächsqualität von absoluter Notwendigkeit ist.

Die Nachteile von PMX

Viele Unternehmen in den USA implementieren PMX über eine zugewiesene T1-Leitung, in Europa wird oft eine dedizierte E1-Leitung verwendet. Obwohl T1 und E1 – beides Standards für die digitale Datenübertragungen – noch genutzt werden und gegenüber einer herkömmlichen Internetverbindung gewisse Vorteile aufweisen, haben sie in Zeiten, in denen das Internet schnellere Übertragungsraten und niedrigere Kosten bietet, auf Dauer ausgedient. In einigen IT-Kreisen gelten der Wert und die Lebensdauer von PMX daher auf lange Sicht als höchst fraglich.

Dass PMX hauptsächlich auf zwei Leitungsarten basiert, ist auch der größte Pferdefuß dieser Lösung. Die Leitungen bieten eine feste Anzahl von Voice-Kanälen (24 für T1, 30 für E1) und lassen nur genau diese Zahl von Gesprächen zur selben Zeit zu. Angenommen ein Unternehmen sitzt in den USA, nutzt PMX und ist auf eine Kapazität von 35 Gesprächen angewiesen, dann benötiget es schon zwei physische PMX-Leitungen. 13 Kanäle bleiben bei diesem Szenario ungenutzt, außer im seltenen Fall, dass mehr Gespräche als üblich anfallen.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass aktive Gespräche nicht mit aktiven Rufnummern gleichzusetzen sind. Ein Unternehmen, das mit PMX arbeitet und Durchwahlnummern verwendet, könnte Hunderte von Telefonnummern vergeben und dennoch nur die vorgegebene Anzahl aktiver Gespräche unterstützen.

SIP und PMX im direkten Vergleich

Um die Wahl zwischen SIP und PMX zu erleichtern, hilft ein direkter Vergleich der beiden Lösungen:

  • Kosten: SIP ist in fast allen Fällen kosteneffizienter als PMX, vor allem hinsichtlich der Skalierbarkeit. Zwar stehen erst einmal die Implementierungskosten an, doch dies wird durch attraktive Vorteile bei Ferngesprächen sowie durch zusätzliche Funktionen wett gemacht.
  • Flexibilität und Skalierbarkeit: SIP ist weitaus flexibler und skalierbarer als PMX. Möchte ein Unternehmen seine PMX-Kapazität erweitern, muss es einen Schaltkreis mit 24 bzw. 30 zusätzlichen Leitungen anfordern, auch wenn nicht alle gebraucht werden. Zudem besteht die Gefahr, dass die Implementierung zeitintensiv ist und Störungen beinhaltet. Unternehmen, die auf SIP-Trunking setzen, können ihre Telefonie je nach Bedarf anpassen, ohne sich auf hohe Fixkosten festzulegen.
  • Digitaler Wandel: Unternehmen, die schrittweise aus der herkömmlichen Kommunikationstechnik aussteigen oder lieber eine sofortige, vollständige Modernisierung möchten, sollten auf SIP setzen. Denn damit haben sie zudem Zugriff auf VoIP, Unified Communications und andere innovative Technologien, die einen echten digitalen Wandel ermöglichen. Bei einem PMX-Anschluss stehen diese Optionen nicht zur Verfügung.
  • Business Continuity: Auch aus der Warte der Business Continuity ist SIP eine attraktive Lösung, da man für den Fall von Störungen oder Notfällen vorbauen kann. Mit SIP lassen sich Gespräche zwischen verschiedenen Standorten hin- und herschalten, sodass ein Unternehmen den Kontakt zu Kunden und Geschäftspartnern auch im Fall der Fälle aufrechterhalten kann. Eine vergleichbare Redundanz und Verfügbarkeit bietet PMX bei einer Betriebsunterbrechung nicht.

Eine individuelle Entscheidung

Letztendlich hängt die Entscheidung zwischen SIP-Trunking und PMX von den Kommunikationsanforderungen und dem Standort eines Unternehmens ab. Kleinere Betriebe in ländlichen Gegenden, in denen das Internet nicht genug Bandbreite für SIP Trunking bietet, sind mit PMX möglicherweise besser beraten. Größere Organisationen an Standorten mit besserer Konnektivität sollten sich dagegen für SIP-Trunking entscheiden. Dies ist vor allem dann ratsam, wenn sie die Kapazität für eine große Anzahl aktiver Gespräche benötigen und von hochentwickelten Unified Communications und Collaboration Tools profitieren möchten.

Es besteht kein Zweifel, dass SIP-Trunking eine bessere Skalierbarkeit, Flexibilität und Funktionalität bietet als PMX. Wer diese drei Eigenschaften von einem Kommunikationssystem erwartet, für den könnte sich die modernere Lösung als die bessere erweisen. Wenn hingegen technische Gegebenheiten die Verbindungsoptionen des Standorts einschränken – und das Unternehmen dennoch oder gerade deshalb modernere Funktionen benötigt – könnte PMX die bessere Wahl sein.

Sanjay Macwan.
Sanjay Macwan.
(Bild: Vonage)

Über den Autor

Sanjay Macwan ist Chief Information Officer und Chief Information Security Officer bei Vonage.

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