So sieht Juniper Networks das Jahr 2016

SDN, White-Box-Switching und Virtualisierung

| Autor / Redakteur: Thomas Ruban / Andreas Donner

In der IT wird sich im kommenden Jahr viel tun, meint Juniper Networks.
In der IT wird sich im kommenden Jahr viel tun, meint Juniper Networks. ( © Marco2811 - Fotolia)

Wenn sich ein Jahr dem Ende neigt, dann dür­fen natürlich die Prognosen nicht fehlen. Juniper Networks macht hier keine Ausnahme und fasst seine Sicht auf 2016 so zusammen: Netz­we­rke werden dem menschlichen Hirn immer ähn­li­cher, 100G wird zur Norm und Open Networking zum Standard. Container-Anwendungen sind bereit für die breite Einführung und Nut­zungs­sze­na­rien für NFV nehmen stark zu.

Auf dem Weg ins Jahr 2016 werden Netzwerke weiterentwickelt und angepasst. Beobachter erkennen dabei immer mehr Ähnlichkeiten zwischen dem modernen Netzwerk und dem menschlichen Hirn. Juniper geht davon aus, dass Computing und Storage zu einer Rechnerfunktion verschmelzen, die direkt neben den Daten angesiedelt ist, mit denen sie arbeitet.

Dieser Wandel ist der wichtigste Faktor, um hyperkonvergiertes Computing zum Arbeitsstandard zu machen. Angesicht der Datenschutzvorschriften in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte (z.B. Europa), wird diese Nachfrage nach Hybriddaten eine kritische Bedeutung erlangen. Früher wurde die Innovationsgeschwindigkeit der Menschen praktisch ausschließlich von der insgesamt verfügbaren Rechenleistung, Speicherkapazität und Netzwerkbandbreite bestimmt. Aber Vernetzung ist etwas Besonderes, denn durch die Verknüpfung von Rechen- und Speicherelementen können die Entwickler die Grenzen überwinden, an die Computing- und Storagekomponenten unweigerlich stoßen.

100G-Netzwerke werden zur Norm

Der Trend zu schnelleren, skalierbareren Netzwerken wird sich im Jahr 2016 verstärken. Diese Anforderungen werden zunehmend durch SDN (Software-Defined Networking) erfüllt, eine Technologie, die 2015 auf breiter Front eingeführt wurde, nachdem immer mehr Unternehmen ihren hohen Nutzen erkannt haben. Schlüsselfertige SDN-Lösungen werden die Implementierung von SDN-Controllern beschleunigen. Bedingt durch die Nachfrage nach mehr Kapazität werden in verschiedenen Bereichen ambitionierte Initiativen zur Anpassung an die höheren Netzwerkanforderungen gestartet. Beispielsweise im Bildungsbereich stellen Universitäten rasch auf 100G um, weil sie staatliche Fördermittel erhalten.

Breite Einführung von Open Networking

Die hohe Nachfrage nach mehr Flexibilität und Effizienz wurde teilweise durch die Open-Networking-Bewegung vorangetrieben. Die beiden Silicon-Valley-Schwergewichte Facebook und Google drängen bereits seit einiger Zeit auf die Öffnung von Plattformen. Das wird auch 2016 der Fall sein. Standards werden geändert und Plattformen geöffnet, um die Abhängigkeit von bestimmten Anbietern zu beenden.

Diese Entwicklungen werden der Open-Networking-Bewegung zusätzlich Auftrieb geben. Laut einer aktuellen IHS-Studie des Branchenanalysten Clifford Grossner entwickeln sich die so genannten „Bare-Metal“-Switches zu einer integralen Komponente des Open Networking und werden 2016 einen Anteil von 26 Prozent bei den weltweit ausgelieferten Ethernet-Ports für Rechenzentren erreichen. Anfang 2015 lag die Implementierungsquote noch bei rund 12 Prozent, ein Anzeichen dafür, dass Open-Networking-Tools in den nächsten 18 Monaten einen stetigen Aufschwung verzeichnen werden.

Schließlich passen sich auch die Rechenzentren selbst an die veränderten Zeiten an und beschleunigen damit den Siegeszug von Open-Networking-Tools. Es entsteht eine neue Landschaft mit Rechenzentren, die offener als je zuvor sind.

Container-Apps sind bereit

Große wie kleine Unternehmen beobachten die Entwicklung von Container-Applikationen genau. Laut aktuellen Ankündigungen von Docker können Container jetzt feststellen, wo sich ihre Geschwister-Container im Cluster, im Rechenzentrum oder sogar in einer Remote-Cloud befinden, um sich automatisch mit ihnen zu verbinden. Zudem werden mit Veranstaltungen wie Kubecon immer mehr Kubernetes eingeführt, die von Google entwickelt wurden und unterstützt werden. Angesichts besserer Connectivity und den Hinweisen darauf, dass die Gesamtsicherheit erhöht wurde – in der Vergangenheit ein entscheidender Punkt für Unternehmen bei der Bewertung von Containerisierungs-Technologie – deutet alles auf eine flächendeckende Einführung im Jahr 2016 hin.

SP-Routing

Google, Facebook und AWS expandieren in den traditionellen Serviceprovider-Markt. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass innovative Ideen, kreative Geschäftsmodelle und neue Services entstehen könnten, die entweder über proprietäre Netzwerkinfrastrukturen oder als OTT (Over-The-Top Content) über das Serviceprovider-Netzwerk angeboten werden. In jedem Fall werden Unternehmen wie Verizon, AT&T und Comcast 2016 definieren müssen, wie „Coopetion“ praktisch aussehen soll. Zudem müssen sie Virtualisierungstechnologien in Verbindung mit ihrer Netzwerkinfrastruktur zu ihrem Vorteil nutzen, um die Wahrnehmung der Kunden in Bezug darauf zu verändern, wie sie mit ihren Innovationen zu deren Geschäftserfolg beitragen.

Nutzungsszenarien für NFV nehmen stark zu

2015 warben die Anbieter intensiv für neue NFV-Lösungen, was bei den Kunden für vermehrte Aufmerksamkeit sorgte. 2016 werden wir konkretere Einsatzszenarien der Technologie mit praktischen Implementierungen sehen, welche die Bereitstellung neuer Services in Rekordzeit und effizientere Betriebsabläufe ermöglichen.

Das wird einerseits die Unternehmen agiler machen und andererseits die IT-Mitarbeiter zwingen, ihre Fachkompetenzen für ein effektives Ressourcenmanagement in dieser neuen Realität zu prüfen und zu erweitern. Unternehmen werden ihre Strukturmodelle ändern, um agile Entwicklungsprozesse in dieser software-definierten Welt zu nutzen und ihren Wandel von NetOps (Network Operations) zu DevOps (Development Operations) zu unterstützen.

Virtualisierung für Telkos

Software- und Virtualisierungstechnologien ermöglichen Serviceprovidern die gezielte Expansion in neue Märkte, die sie bis vor kurzem noch als unprofitabel betrachteten. Dadurch werden zehnmal mehr Regionen auf der ganzen Welt erschlossen, wodurch sich auch die Zahl vernetzter Geräte und Menschen entsprechend erhöht. Das zwingt Serviceprovider dazu, neue Methoden für das effiziente Management des Datendurchsatzes zu entwickeln, um die Anforderungen an das Netzwerk zu erfüllen, die aus allen Ecken der Welt gestellt werden.

Umsatzdiversifizierung auf dem Vormarsch

2016 wird zweifellos das Jahr der NFV. Das bedeutet unter anderem, dass die Serviceprovider ihre Einnahmeströme mittels neuer Services diversifizieren können, die sie über ihre Cloud und über Partnerclouds liefern. Oder sie experimentieren mit neuen NFV-gestützten Services, die sie mit einem starren, rein hardwarebasierten Modell bislang nicht realisieren konnten.

Thomas Ruban
Thomas Ruban (Bild: Juniper Networks)

Als weitere Diversifizierungsmaßnahme können sie auch die Effizienz des Ressourcenmanagements steigern. 2016 werden die ersten Versuche in dieser Richtung umgesetzt werden, beispielsweise Konzepte wie gesponserte Daten und neue Workloads, wobei Partnerschaften mit Unternehmen entstehen, um Probleme mit größerer Tragweite zu lösen (beispielsweise im IoT).

Über den Autor

Thomas Ruban ist Vice President System Engineering Europe, Middle East and Africa bei Juniper Networks.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43791256 / Basiswissen)