Die Software-defined-Networking-Pläne von IBM

SDN verändert die Spielregeln

| Redakteur: Wilfried Platten

Charles Ferland, IBM Networking Leader Europe, hat SDN für sein Unternehmen fest im Blick
Charles Ferland, IBM Networking Leader Europe, hat SDN für sein Unternehmen fest im Blick (Bild: IBM)

IBM und SDN, reimt sich das? Für IBM auf alle Fälle. Und mit DOVE hat das Unternehmen nächste heiße Netzwerk-Eisen bereits im Feuer.

Für Charles Ferland, IBM Networking Leader Europe, ist die Situation eindeutig: „Software-defined-Networking verändert die Spielregeln im Netzwerkmarkt. Dabei ist es nicht die Industrie oder die Presse, die diese Entwicklung treibt, es sind die Kunden. Und die sind bereit, dafür massiv zu investieren.“

Der Trend zu SDN ergibt sich für Ferland aber auch folgerichtig aus den jüngsten Entwicklungen in Sachen Datencenter-Technologien: „Wir arbeiten mit virtuellen Maschinen, wir verschieben sie dynamisch von einem Standort zu einem anderen, wir haben virtuelle Switches in den Servern um den Datenverkehr zwischen virtuellen Maschinen zu regeln, wir haben Multimandanten-Fähigkeit in Cloud-Umgebungen. Durch diese Veränderungen auf der Server- und Applikationsseite ändern sich natürlich auch die Anforderungen, die an das Netzwerk gestellt werden. Aktuell besteht zwischen beiden ein Missverhältnis. Das bedeutet, dass wir alle ein Stück Arbeit vor uns haben, um sie wieder in Balance zu bringen.“

Dynamische Netzwerk-Infrastruktur

Der Weg dorthin folgt einem Schild, auf dem SDN steht. Entgegen den Versprechen vieler Mitbewerber sieht IBM in SDN kein Einsparpotential. „Die Infrastruktur wird dadurch nicht unbedingt billiger“, so Ferland, „denn die physische Hardware kostet in diesem Szenario nicht weniger.“

Er sieht die Vorteile von SDN, eleganter formuliert die „value propositions“, primär in der höheren Effizient, der größeren Flexibilität sowie den neuen Anwendungen und Services, die durch SDN möglich werden. Und das alles zusammengefasst unter dem Stichwort „dynamische Netzwerk-Infrastruktur“, die automatisch mit volatilen Serverlasten und heterogenen Applikations-Anforderungen klarkommt.

Durch die Möglichkeit, per SDN bestimmte komplexe Netzwerkmanagement-Funktionen zu automatisieren, und so operative Kosten der Netzwerk-Administration zu senken, sieht er durchaus auch positive, allerdings eher kollaterale Einflüsse auf die Total-cost-of-ownership (TCO).

Intelligenter Knotenpunkt

IBM ist Mitglied der Open Networking Foundation (ONF). Sie setzt die Standards, deren vielleicht wichtigster OpenFlow ist. Er regelt, wie Controller und Switch miteinander sprechen.

Das Angebot von IBM umfasst einerseits Open-Flow-kompatible Switches auf der Hardwareseite, und den IBM Programmable Network Controller (PNC) auf der Softwareseite, der auf einem x86-Server installiert werden kann. Der PNC übernimmt im Netzwerk die intelligente Steuerung aller (virtualisierter) Ressourcen, und damit die zentrale Rolle des Gehirns. Hier laufen alle Netzwerk-Fäden zusammen.

Die Switches sind seit Anfang 2012 erhältlich, seit Oktober desselben Jahres hat IBM den PNC im Angebot. Befürchtungen, die OpenFlow-Spezifikationen seien noch nicht stabil genug, da sie sich in einem recht frühen Stadium befinden, teilt Ferland nicht: „Diese neue Technologie kann natürlich nicht so entwickelt sein, wie die herkömmlichen Lösungen mit ihren 20 Jahren Reifezeit. Aber sie sind mittlerweile ausgereift genug für den kommerziellen Einsatz.“

Weltweite Ressourcen mit DOVE

Nächster Schritt auf der SDN-Roadmap von IBM ist DOVE. Es steht für „Distributed overlay network“ und ist eine IBM-eigene Entwicklung, die aber nicht als proprietäre Lösung auf den Markt kommen, sondern als offener Standard anderen Unternehmen zur Verfügung stehen soll.

DOVE soll die Multimandanten-Fähigkeit eines Datacenters optimieren. Die Ausgangslage skizziert Charles Ferland so: „Nehmen wir – natürlich rein hypothetisch – einmal an, zwei konkurrierende Unternehmen würden gemeinsam ein und dasselbe physische Datacenter samt dessen Netzwerk-Infrastruktur für bestimmte Dienste nutzen. Das kann nur solange gutgehen, als sie logisch komplett voneinander getrennt sind. Das gilt nicht nur für die Server- und Storage-Ressourcen, sondern auch für den über das Netzwerk gehenden Datenverkehr.“

Diese strikte Trennung auf der Netzwerk-Ebene ist die Aufgabe von DOVE - damit sich Coca Cola und Pepsi, BASF und Höchst, oder BMW und Mercedes im Datacenter nicht ins Gehege kommen.

DOVE ist eine Software, die sowohl auf den Servern, als auch auf den Switches installiert wird. Sie kapselt die über das Netzwerk gehenden Daten jedes Mandanten, und macht so für andere Mandanten unsichtbar und unerreichbar.

Gegenüber der funktional ähnlichen VXLAN-Technologie ist DOVE nicht nur in Datacenter-Strukturen einsetzbar, die eine flache Hierarchie besitzen, bei der also alle Server in Level 2-Domains eingebunden sind. So werden die Beschränkungen von Level 2-Domains umgangen.

„DOVE nutzt zur Kapselung keine VXLAN-Header sondern IP-Informationen, arbeitet also auf Level 3. Dadurch kann von der darunterliegenden Netzwerk-Infrastruktur abstrahiert werden und es ist völlig egal, ob der virtuelle Switch die Daten in ein Datacenter in London, Hongkong oder New York schickt.“

Damit werden beispielsweise Cloud- und Telco-Provider in die Lage versetzt, Ressourcen schnell und einfach von einem Datacenter zum anderen zu verschieben. Je nachdem, wo sie gerade benötigt werden. Sowohl die Auslastung, als auch die Nutzung teurer Software-Lizenzen sollen so optimiert werden. Erste DOVE-Produkte sollen noch in diesem Jahr vorgestellt werden, und verfügbar sein.

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