SD-WAN-Prognosen für 2018

SD-WANs werden zur „neuen Normalität“

| Autor / Redakteur: David Hughes / Andreas Donner

Es ist zu erwarten, dass 2018 mindestens einer der großen unabhängigen Anbieter von SD-WAN-Lösungen an die Börse geht.
Es ist zu erwarten, dass 2018 mindestens einer der großen unabhängigen Anbieter von SD-WAN-Lösungen an die Börse geht. (Bild: © – eyetronic – stock.adobe.com)

Bereits 2017 lösten softwarebasierte Weitverkehrsnetze zunehmend traditionelle WAN-Infrastrukturen ab. Diese Entwicklung wird sich 2018 stark beschleunigen. SD-WANs, die Cloud-Anwendungen optimal unterstützen und keine Router mehr in Niederlassungen erfordern, werden zur neuen Norm.

Die Cloud wird 2018 zum Maß aller Dinge im WAN-Bereich. Denn ein Großteil des Datenverkehrs, der über Wide Area Networks zu Niederlassungen läuft, stammt aus Cloud-Rechenzentren oder ist für solche Datacenter bestimmt. Beispiele sind Applikationen, die als Software as a Service (SaaS) bereitgestellt werden, oder IaaS-Dienste (Infrastructure as a Service). Herkömmliche WAN-Architekturen sind nicht für die Cloud ausgelegt. Sie unterstützen den klassischen Ansatz: Alle Daten und Anwendungen werden von einem zentralen Unternehmens-Rechenzentrum bereitgestellt. Das ändert sich 2018: Unternehmen gehen zu einem „Cloud-First“-Ansatz über. Die Grundlage dafür bilden Software-Defined WANs.

WAN-Edge verdrängt Router in Niederlassungen

Herkömmliche Router sind in Niederlassungen nicht mehr erste Wahl. Das hat mehrere Gründe: die hohen Kosten, die Komplexität solcher Systeme und die Notwendigkeit, Endgeräte mühsam über die Kommandozeile zu konfigurieren. SD-WANs in Verbindung mit WAN-Edge-Systemen machen damit Schluss. Solche Endgeräte lassen sich zentral verwalten und berücksichtigen die individuellen Anforderungen von Applikationen.

Cisco-Switches kommen nicht mehr automatisch zum Zuge

Nicht nur in Niederlassungen verlieren herkömmliche Router und Switches von Cisco an Boden. Dieselbe Entwicklung wird sich 2018 in Rechenzentren abspielen. Auch dort setzen Unternehmen verstärkt auf innovative Netzwerktechnologien anderer Anbieter. Die Folge: Das gesamte „Ökosystem“ im Netzwerkbereich ändert sich.

Mehr Sicherheit durch WAN-Edge neuer Prägung

Jahrelang waren Unternehmen gezwungen, den Datenverkehr von und zu Niederlassungen über spezielle Hubs zu lenken. Dort überprüften Firewallsysteme die Datenpakete und Verkehrsströme. Die Alternative war, solche IT-Sicherheitskomponenten in jeder Außenstelle zu installieren – ein teurer „Spaß“. Das ändert sich 2018 mit Software-Defined WANs und WAN-Edge-Lösungen. Nun können Netzwerkmanager für jede Anwendung festlegen, auf welche Weise Daten übermittelt und geschützt werden. Vertrauenswürdige Informationen werden direkt in eine Außenstelle weitergeleitet. Andere laufen über ein Web-Service-Gateway in einer Cloud. Besonders sensible Informationen lassen sich dagegen mit Sicherheitslösungen schützen, die in einem zentralen Rechenzentrum implementiert sind. Ein noch höheres Sicherheitsniveau bietet eine Mikrosegmentierung des WAN-Verkehrs. Dadurch lässt sich der Effekt von Cyberangriffen auf ein Minimum begrenzen.

„Autonomes Fahren“ für das Netzwerk durch Machine Learning

Maschinelles Lernen wird 2018 Netzwerkautomatisierungsfunktionen ergänzen. Dies macht den Weg frei für Corporate Wide Area Networks, in denen IT-Dienste auf Basis des Geschäftszwecks bereitgestellt werden. Das mühselige Konfigurieren von Systemen mithilfe von Command Line Interfaces entfällt. Stattdessen gewinnen neue Techniken an Boden, etwa Verfahren, mit denen sich Anwendungen klassifizieren und Netzwerke eigenständig an neue Anforderungen anpassen lassen. Hinzu kommen Datenanalyseverfahren, die Terabyte von Daten in verwertbare Informationen umsetzen und Netzbetreibern zur Verfügung stellen.

Cloudbasiertes Management wird Standard

Viele Netzwerksysteme lassen sich mit Managementlösungen aus der Cloud verwalten – von Wireless LANs bis hin zu Switches. Nun erfasst diese Entwicklung auch Systeme am Rand eines Weitverkehrsnetzes. Die Verwaltung und Orchestrierung von WAN-Komponenten mithilfe von Cloudlösungen bietet etliche Vorteile. Dazu zählen die einfachere Implementierung und eine höhere Verfügbarkeit. Noch wichtiger ist, dass der Nutzer Zugriff auf Speicher- und Serverressourcen hat, die sich flexibel an seine Anforderungen anpassen lassen. Damit haben Unternehmen Zugang zu Analyse- und Machine-Learning-Anwendungen, ohne diese im eigenen Rechenzentrum installieren zu müssen.

Eine Virtual Network Function (VNF) reicht aus

Im kommenden Jahr werden immer mehr Netzbetreiber universelle CPE-Systeme (Customer Premise Equipment) bereitstellen. Dies sind Appliances auf Basis von Standard-x86-Servern, die gleichzeitig virtuelle Netzwerkfunktionen (VNF) unterschiedlicher Anbieter unterstützen. Das ist gut, denn je weniger VNF-Lösungen benötigt werden, desto geringer ist die Komplexität eines Netzwerks. Letztlich reicht jedoch eine Virtual Network Function auf Basis eines SD-WANs aus, um in einer Niederlassung alle benötigten Netzwerkdienste bereitzustellen. Ein Pluspunkt von universellen CPE-Lösungen: Der Nutzer kann den von ihm bevorzugten Technologie-Stack wählen, ohne die Hardware auszutauschen.

Von „do it yourself“ bis Managed Service

Die ersten Nutzer von SD-WANs setzten auf Lösungen, die sie selbst implementierten und managten, Stichwort „do it yourself“. Mittlerweile gehen Unternehmen dazu über, ein softwarebasiertes Weitverkehrsnetz in Form eines Managed Services zu buchen. Das ist möglich, weil sich mit einem SD-WAN Niederlassungen deutlich einfacher in ein unternehmensweites Netz einbinden lassen als mit Routern und Switches. In 2018 werden zudem weitere Modelle an Attraktivität gewinnen. So können Nutzer von SD-WANs bei der Implementierung auf die Hilfe von externen Anbietern zurückgreifen, das Netz aber selbst betreiben. Andere setzen auf einen Co-Managed-Ansatz. Bei ihm ist der Service-Provider für die Netzwerkausrüstung und die Installation der Lösung zuständig. Die Bereitstellung von Applikationen, inklusive der entsprechenden Regeln (Policies), übernimmt der Nutzer. Kurzum: 2018 haben Unternehmen viel mehr Optionen, um ein SD-WAN zu „ordern“, etwa bei einem Value-Added Reseller, Systemintegrator oder einem Service-Provider.

SD-WAN-Anbieter gehen an die Börse

David Hughes.
David Hughes. (Bild: Silver Peak)

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Entwicklung des SD-WAN-Markts. Es ist zu erwarten, dass 2018 mindestens einer der großen unabhängigen Anbieter von SD-WAN-Lösungen an die Börse geht. Für die kleineren Anbieter ist es dagegen an der Zeit, mit einem größeren, etablierten Unternehmen zusammenzugehen. Bereits 2017 kam es zu Übernahmen im SD-WAN-Bereich. Eine spannende Frage ist, welche der Technologien von SD-WAN-Anbietern, die nun unter neuer Flagge segeln, in die Produkte ihrer neuen Herren Eingang finden.

Über den Autor

David Hughes ist CEO von Silver Peak.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45021890 / MAN- und WAN-Protokolle)