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Fünfzehn Hersteller unterzeichnen Positionspapier Router-Zwang bringt ITK-Hersteller gegen Internet-Provider auf

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Wenn es um gemeinsame Interessen geht, arbeiten Konkurrenten Hand in Hand. Dass Internet-Provider ihre Angebote mit vorgegebenen Routern koppeln, birgt Nachteile für die Hersteller. Fünfzehn ITK-Unternehmen fordern in einem Positionspapier einen Richtungswechsel, erläutert D-Links DACH-Chef Mike Lange.

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Mike Lange, Country Manager DACH, D-Link Deutschland
Mike Lange, Country Manager DACH, D-Link Deutschland
(Bild: D-Link)

IP-Insider: Fünfzehn ITK-Hersteller haben ein gemeinsames Positionspapier zum kontrovers diskutierten Router-Zwang formuliert. Wo liegt das Problem, das hier die Konkurrenten auf Herstellerseite wegen gemeinsamer Interessen eint?

Lange: Die Endanwender werden zunehmend gezwungen, die vorgegebenen Router ihres Internet-Providers zu verwenden und haben keine Möglichkeit, diese Geräte gegen alternative Produkte, die im Handel erworben werden, auszutauschen. Die Angebote der Internet-Provider sind typischerweise auf sehr wenige Router-Varianten beschränkt. Zumeist fehlen hier die neuesten Technologien, wie derzeit beispielsweise Gigabit WLAN 802.11ac. Die Hersteller haben also kaum Möglichkeiten, ihre neuesten Produkte über den Handel zu vertreiben, was das Marktpotenzial für diese sehr stark einschränkt. Auch die Innovations- und Investitionsbereitschaft leidet darunter.

IP-Insider: An wen richtet sich das Positionspapier?

Lange: Das Positionspapier richtet sich an die Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde. Zudem wird die Politik, namentlich das Bundesministerium für Wirtschaft und Politik (BMWi), adressiert. Die einzelnen Hersteller wenden sich aber auch in ihren Bundesländern an die wirtschaftspolitischen Vertreter der Parteien. Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass mit einem Router-Zwang die Verbraucherfreiheit eingeengt wird und zudem die ITK-Hersteller sowie der freie ITK-Handel unter einer Beschränkung stark leiden würden.

IP-Insider: Wer profitiert von Verträgen der DSL-Anbieter mit Zwangsroutern?

Lange: Im Wesentlichen sind das zunächst die Internet Service Provider. Durch die Vorgaben von Zwangs-Routern und auch deren Konfigurationsdaten verhindern die Provider, dass Endverbrauchern alternative Dienste nutzen können. Auch aktuelle Cloud-Services können dadurch eingeschränkt werden, so dass ein Provider ausschließlich seine eigenen Angebote verkaufen kann.

IP-Insider: Welche konkreten Forderungen stellen Sie an den Gesetzgeber?

Lange: Die jahrelang betriebene Praxis der freien Wahl des Internet-Routers seitens der Endverbraucher muss weiterhin bestehen bleiben. Die Netzzugangsschnittstelle endet für die Provider am physischen Netzabschluss, der TAE-Dose und nicht, wie von den Providern gewünscht, an den LAN-Schnittstellen des Routers. Zudem sind die Provider in der Pflicht, den Endverbrauchern die benötigten Konfigurationsdaten ihres Internetanschlusses vollumfänglich zur Verfügung zu stellen. Konkret ist dazu notwendig, dass die Bundesnetzagentur die an sie gerichteten Verbraucherbeschwerden bezüglich der Router-Einschränkungen wieder im Sinne der Endverbraucher bewertet und damit zur jahrelang betriebenen Verfahrensweise der Liberalisierung im TK-Markt zurückkehrt.

IP-Insider: Wie wird es nun weiter gehen?

Lange: Derzeit finden verschiedene Gespräche und Anhörungen statt. Zudem ist ein von der Bundesnetzagentur organisierter Workshop mit Netzbetreibern, Dienstanbietern, Herstellern und Verbrauchern geplant.

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