Deloitte-Report beleuchtet Chancen und Risiken der EU-Regulierung

Roaming-Gebühren: Wenn die Quelle versiegt

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Die EU sorgt mit der Regulierung des Roaming-Markts dafür, dass eine wesentliche Umsatzquelle für Mobilfunkanbieter langsam versiegt.
Die EU sorgt mit der Regulierung des Roaming-Markts dafür, dass eine wesentliche Umsatzquelle für Mobilfunkanbieter langsam versiegt. (Bild: mik ivan - Fotolia.com)

Die beschlossene Begrenzung und anschließende Abschaffung der Roaming-Gebühren zwingt Mobilfunkanbieter in der EU zu einem Strategiewechsel. Deloitte zeigt mit seinem Report „New Rules. New Game.“ Handlungsmöglichkeiten für Netzbetreiber auf.

„Was ist die geeignete Roaming-Strategie für Mobilfunkanbieter in der EU?“, fragt der Deloitte-Report New Rules. New Game. Anlass ist der EU-Beschluss, die Roaming-Gebühren noch einmal drastisch zu begrenzen und bis Ende 2015 völlig abzuschaffen. Für die Anbieter bedeute dies zunächst einen weiteren Einbruch des Roaming-Markts. Insbesondere bei weniger preissensiblen Firmenkunden drohe der Wegfall beträchtlicher Gewinnpotenziale.

Auf der anderen Seite würden sich für die Marktteilnehmer Chancen durch neue Tarifoptionen wie „Roam like Home“ ergeben. Mit der neuen EU-Regulierung würden zudem Alternative-Roaming-Provider (ARP) in den Markt treten, da künftig Roaming-Dienste unabhängig vom eigenen Netzanbieter genutzt werden könnten. Mittelfristig würden sich drei Trends am Horizont zeigen: stärkere paneuropäische Anbieter, grenzübergreifender SIM-Kartenhandel sowie netzunabhängige SIM-Karten.

„Roaming galt lange als eine wesentliche Umsatzquelle für Mobilfunkanbieter. Die anstehenden Neuerungen im Bereich der EU-Regulierung werden diese aber langsam versiegen lassen. Schätzungsweise fünf bis sechs Prozent der bisherigen Gesamterlöse der Netzbetreiber dürften stark gefährdet sein“, erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und TMT Leader EMEA bei Deloitte.

Strategie für einen unsicheren Markt

Deloitte zufolge benötigen die etablierten Mobilfunkunternehmen eine Strategie, wie sie Roaming-Angebote kurzfristig vermarkten wollen. Hierzu sollten sie die Preiselastizität ihrer Märkte analysieren. Anbieter müssten vor allem den richtigen Marketing- und Kommunikationsmix finden, um Kundeninteresse und -loyalität zu sichern.

Deloitte ist sicher, dass die Unternehmen angesichts der Regulierung schnell reagieren werden. Hierbei gebe es drei Möglichkeiten: abwarten und im Rahmen der neuen Regeln bisherige Roaming-Umsätze so lange wie möglich erhalten, als First Mover „Roam like Home“-Angebote als Upselling-Option monetarisieren oder „Roam like Home“ ohne Zusatzkosten für Nutzer als Kundenbindungsinstrument in bestehende Tarife integrieren.

Alternative Anbieter

Die Roaming-Neuregelung erlaube den Markteintritt von Alternative-Roaming-Providern, also Anbietern von besonders attraktiven Roaming-Tarifen. Für sie gelte jedoch, auf Marge zu verzichten und zu versuchen, von der vermehrten Nachfrage zu profitieren. Zudem sei ein Markteintritt stark risikobehaftet. Voraussichtlich würden die Auswirkungen von ARPs auf den Wettbewerb daher begrenzt sein.

Trends mit Nebenwirkungen

Aus der neuen Regulierungssituation ergeben sich Deloitte zufolge drei mögliche Trends: Paneuropäische TK-Unternehmen würden gestärkt und bei neuen Roaming-Tarifmodellen von ihrem internationalen Footprint profitieren. Ein grenzübergreifender Handel mit SIM-Karten würde unterschiedliche Preislevel auf dem gemeinsamen Markt nutzen. Die EU habe die damit verbundene Gefahr eines weiteren Preisverfalls erkannt: Künftig könnte der Abschluss von Mobilfunkverträgen ausschließlich im Heimatland des Konsumenten möglich sein. Schließlich gebe es die Möglichkeit, dass Over-the-Top-VoIP-Anbieter wie Skype und Whatsapp die weitere Entwicklung ebenso beeinflussen wie netzwerkunabhängige SIM-Karten, beispielsweise von Smartphone-Herstellern.

„Der Druck wächst, bestehende Strukturen müssen sich angesichts der EU-Regulierungen drastisch ändern. Ob bestehende Telekommunikationsunternehmen neue Gewinnpotenziale ausloten und erschließen können, hängt auch davon ab, ob sie eine neue Angebotsstrategie erarbeiten und schnell implementieren“, ergänzt Dr. Andreas Gentner.

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