Content Delivery Trends im Fokus Realtime Streaming, 5G und Verarbeitung am Edge

Autor / Redakteur: Steve Miller Jones / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Realtime-Streaming wird das Nutzererlebnis in Zukunft interaktiver und individueller gestalten; 5G wird den Hype-Zyklus verlassen und den Grundstein für die Datenverarbeitung am Edge legen und, der Content selbst wird zur Sicherheitspriorität. Das sind die aktuellen CDN-Trends, sagt Steve Miller-Jones von Limelight Networks.

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Steve Miller-Jones, Vice President Edge Computing and Solutions Architechture bei Limelight Networks, wirft einen kritischen Blick auf das Thema Content Delivery.
Steve Miller-Jones, Vice President Edge Computing and Solutions Architechture bei Limelight Networks, wirft einen kritischen Blick auf das Thema Content Delivery.
(Bild: Limelight Networks)

Die Nachfrage nach Inhalten aus dem Internet wächst stetig. Das war vor Corona auch schon so, der Trend hat sich jedoch seit März letzten Jahres noch einmal enorm verstärkt. Gerade die jüngere Generation tendiert zu immer neuen Inhalten – am besten in Echtzeit, datenintensiv und interaktiv. Das wiederum bedeutet für OTT-Anbieter und auch CDNs, dass die zu verarbeitende Datenmenge immer größer wird und damit der Druck steigt, die Latenzen niedrig zu halten.

Das gilt vor allem für Interaktionen mit Live-Events wie Sportübertragungen. Bereits Mitte letzten Jahres, als Profi-Sport wieder erlaubt war, probierten einige Sender neue Formate aus. User-generierte Kommentare, Live-Audio-Feeds aus dem Mikrofon des Schiedsrichters oder separat hinzugefügte Publikumsgeräusche sind nur Beispiele für Tools, die das Nutzererlebnis interaktiver gestalten sollen.

Auch das Thema Social Streaming wird Corona-bedingt immer beliebter. Die Menschen sitzen zwar alleine in ihren eigenen vier Wänden, verbinden sich aber mit ihren Freunden virtuell über einen „gemeinsamen“ Stream. Nicht unbedingt alle, aber viele der neuen Funktionen werden sich langfristig etablieren – je nachdem wie die Nutzer ihr Erlebnis gestalten wollen.

Damit die Funktionen jedoch funktionieren, braucht es eine Echtzeitverarbeitung der Daten durch die Service-Provider. Das bedeutet, dass wesentlich größere Datenmengen in einem viel kleineren Zeitfenster von A nach B zu bringen sind. Das gilt besonders mit Blick auf 4K-Qualität, die immer gefragter ist. Denn die effiziente, qualitativ hochwertige Bereitstellung von Inhalten bleibt entscheidend für das gesamte Fernseherlebnis. Anbieter müssen also nach Best Practices und neuen effizienten Methoden suchen, um dies zu gewährleisten. Techniken wie Content Aware Encoding, die qualitativ hochwertige Videos mit geringerem Overhead erzeugen und die Kosten überschaubar halten, können hier bspw. helfen.

5G verlässt den Hype-Zyklus und legt den Grundstein für die Datenverarbeitung am Edge

Der immer flächendeckendere Ausbau von 5G-Mikrostationen und -antennen wird zur Verbesserung der Bandbreite beitragen. Zwar sind die derzeit genutzten Endgeräte hauptsächlich noch von 4G abhängig. Das wird sich jedoch mit der ersten 5G-Generation schnell ändern. Dann werden die Verbraucher die komplette Bandbreite nutzen können.

Allerdings sind die wachsenden Datenmengen auch hier eine Herausforderung. Umso wichtiger ist die Verarbeitung der Daten näher am Endkunden. Damit sind eine hohe Leistung und ein individuelles Erlebnis garantiert, während gleichzeitig die Kosten durch die zentralisierte Verarbeitung sinken. 5G schafft diese Kapazitäten am Netzwerkrand.

Damit dies jedoch funktionieren kann, kommt es auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Telekommunikationsanbietern und CDNs an. Die Anbieter müssen sich klar strukturieren und überlegen, wo sich im Netz die Kapazität zur Verteilung von Inhalten und zur Verarbeitung von Daten am effektivsten platzieren lässt. Das wird vor allem dort wichtig sein, wo User verschiedene Arten von Inhalten verlangen und neue, datenintensive Dienste nutzen. CDNs können mit ihrer Expertise an dieser Stelle unterstützen, um die bestmöglichen Netzwerkstandorte zu bestimmen.

Der Content selbst wird zur Sicherheitspriorität

Die Corona-Krise hat aber auch eine ideale Umgebung für Cyber-Kriminelle geschaffen. In diesem Jahr gab es nicht nur eine Flut von Ransomware-Attacken auf Remote-Mitarbeiter, sondern auch zahlreiche Angriffe auf Business-Continuity-Systeme und die Service-Infrastruktur. DDoS-Angriffe zählen nach wie vor zu den beliebtesten Methoden der Hacker.

Bis heute hat der Schutz der Daten natürlich höchste Priorität. Jedoch wird es in den kommenden Jahren verstärkt darauf ankommen, ihn auf Content-Dienste, geistiges Eigentum und Streaming-Infrastrukturen auszuweiten. Die Sicherheitsmaßnahmen müssen verstärkt bei Infrastrukturen greifen, die für die Erstellung von Inhalten verantwortlich sind.

Investiert wird vor allem in den Schutz vor DDoS-Attacken, Perimetersicherheit und neue Maßnahmen zur Zugangskotrolle und Nutzerauthentifizierung. Zero-Trust zwischen den Systemen wird in vielen Unternehmen zur Standardeinstellung werden, damit Inhalte nicht von außen oder innen kompromittiert werden. Außerdem werden Unternehmen mehr tun, um die Piraterie von Inhalten einzudämmen und die illegale Weitergabe von Zugangsdaten durch Benutzer zu identifizieren. Der Einsatz von Techniken wie forensische Wasserzeichen soll illegale Kopien und deren Verbreitung verhindern. Und die Identifizierung von Credential Sharing, also dem illegalen Teilen von Accounts, erleichtert Unternehmen die Entscheidung, Nutzer zu blockieren oder zu sperren.

Steve Miller-Jones.
Steve Miller-Jones.
(Bild: Limelight Networks)

Über den Autor

Steve Miller-Jones ist Vice President Edge Computing and Solutions Architechture bei Limelight Networks.

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