Collaboration kommt jetzt von Cisco – nicht von Lotus oder Microsoft Quad ist Cisco-Collaboration und Lebenseinstellung

Redakteur: Ulrike Ostler

Man kann, kann aber auch darauf verzichten: Collaboration-Tools anderer Hersteller wie IBM und Microsoft in „Quad“ einbinden. Denn Quad ist die umfassende Collaboration-Plattform von Cisco Systems. Die Adressaten sind Großunternehmen ab 1.000 Mitarbeitern, die verteilt und doch in Teams arbeiten. Quad integriert Content- und Dokumenten-Management, Unified Communications, Business-Systeme wie SAP und Social Networking.

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Auch das Cisco-Quad soll abheben und sich auf vier Räder stützen: Content- und Dokumenten-Management, Unified Communications, Anbindung an Fremd-Systeme wie SAP und Social Networking, Bild: Christoph Grimlowski/Wikipedia
Auch das Cisco-Quad soll abheben und sich auf vier Räder stützen: Content- und Dokumenten-Management, Unified Communications, Anbindung an Fremd-Systeme wie SAP und Social Networking, Bild: Christoph Grimlowski/Wikipedia
( Archiv: Vogel Business Media )

Eigentlich wurde Quad schon im November 2009 angekündigt. Doch die Cisco-eigene Collaboration-Plattform kennt kaum jemand. Das liegt unter anderem daran, dass der erste Kunde der Konzern selbst ist.

Derzeit findet der Roll-out für die 70.000 Arbeitsplätze statt. Doch bis jeder produktiv damit arbeitet, dürften noch sechs Quartale vergehen, schätzt Carsten Heidbrink, Architektur-Verantwortlicher Collaboration bei Cisco.

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Das Ziel der Einführung ist ehrgeizig: Cisco will erfahren und zeigen, wie effizient global verteilte Teams kollegial zusammenarbeiten können. Sie sollen nicht nur ihr Wissen austauschen, sondern sich auch kennen und, zumindest virtuell, treffen.

Cisco stellt Collaboration auf vier Räder

In Quad stecken fast vier Jahre Entwicklung. Schon das zeige, so Heidbrink, dass es sich nicht um Spielerei handle, sondern um Technik, die das Arbeitsleben nachhaltig verändern könne.

Als Markt sieht Heidbrink große Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern, die in Teams arbeiten, deren Mitglieder irgendwo in der Welt beheimatet oder unterwegs sind. Die erste Fassung der Collaboration-Plattform ist englischsprachig. Doch ab diesem Herbst für Länder angepasst, die außerhalb des englischsprachigen Sprachraum liegen.

Viele der Komponenten gibt es schon, etwa für das Dokumenten-Management und -Sharing von Documentum/EMC und Microsoft mit Sharepoint. Die Plattform sei offen für die Integration dieser Anwendungen. Team-Dokumente werden allerdings mit Meta-Informationen versehen, so dass eine Suchfunktionen sie präsentieren kann, wie eine Suchmaschine wie Bing oder Google – mit Überschrift und kleinem Vortext. Erleichtert wird das durch den Einbau einer semantischen Suche.

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Komponenten von anderen oder alles Cisco?

Auch Messaging-, E-Mail- sowie Unified Communications-Systeme gibt es zahlreiche. Laut Heidbrink hat das Anwenderunternehmen die Wahl, ob vorhandene Systeme und Directories integriert werden, oder ob alle aus Cisco-Hand kommen soll. Das Look an Feel für die soziale Interaktion gleicht dem von derzeit populären Community-Portalen wie Facebook, Linkedin, Twitter und Xing.

Jeder Anwender kann sich ein Profil anlegen, kann verschiedene „Freundeskreise“ anlegen, etwa Projekt 1, 2 und 3, „gemeinsam squashen“ und „Jedi-Ritter“, kann Equipment und Ressourcen buchen, Artikel von IP-Insider weiterempfehlen, auf Veranstaltungen aufmerksam machen und einladen, Foren gründen und Wikis importieren.

Es verstehe sich fast von selbst, dass nicht jeder alles sehen und verändern könne, so Heidbrink. Zum Teil können die Anwender selbst ihre „Privatsphäre“ bestimmen, andere, sehr granulare Einstellungen werden von Administratoren vorgenommen und mit den Directories verknüpft.

Unified Communications ist inklusive

Darüber hinaus lässt sich auch jegliche Möglichkeit der Echtzeit-Kommunikation mit der Plattform und den Profilen verknüpfen: Web- und Video-Konferenzen, die sich ad-hoc aufbauen lassen, Telefonie auf dem Festnetz, per WLAN und mobil, per Software und Telefon. „Quad ist in dieser Hinsicht der Ersatz des Firmentelefonbuchs, mit Facebook-Charakter“, erläutert Heidbrink.

Doch Quad soll nicht nur das Facebook-Look-and-Feel besitzen. Die Plattform verfügt über Open-Container-Schnittstellen, die erlauben, Informationen aus sozialen Netzwerken in die individuell zu gestaltende Oberfläche einzufügen.

Letztlich solle Quad ein Portal für beruflich bedingte soziale Kontakte sein, die ein Teamwork ermöglichen, das auch über Unternehmensgrenzen hinweg funktioniere, sagt Heidbrink. Diesen Status habe die Plattform zwar noch nicht erreicht und dennoch sei klar, dass nicht alle Komponenten dafür von Cisco stammen könnten.

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Ein paar Standards

Das dynamische Ajax-Interface sorge dafür, dass sich Portlets importieren und schnell aktualisieren ließen. Um Dokumenten-Management-Systeme zu unterstützen, beruht die entsprechende Schnittstelle auf der Spezifikation Content Management Interoperability Services (CMIS). Und die semantische Suche unterstütze das Resource Description Framework (RDF).

Quad selbst bietet keine Datenspeicherung, sondern nur eine Abstraktionsschicht, Virtual Data Layer, der es den Anwendern ermöglicht, auf verschiedene Datenformate und -quellen zuzugreifen. So sollen sie beispielsweise Video-Inhalte abrufen aber auch erzeugen können, zum Beispiel visuelle Voice-Mails.

Preis und Verfügbarkeit

Der Quad-Verkauf startet laut Heidbrink mit der Implementierung bei einigen Konzernen in englischsprachigen Ländern. Ein weltweiter Verkauf sei schon deshalb unmöglich, weil Cisco noch keinen flächendeckenden Support bieten könne.

Doch soll es Quad auch als Service geben. Wann und zu welchem Preis, stehe jedoch noch nicht fest.

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