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Wie sich Unternehmen drahtlos vernetzen sollten Privates Campus-5G oder Wi-Fi 6?

Von Falko Binder

Glaubt man den Versprechen mancher Mobilfunk-Provider, können Unternehmen ihr WLAN bald komplett abschalten. Alle Anwendungsszenarien sollen besser mit 5G funktionieren. Doch in der Praxis wird es auch in Zukunft auf den Einzelfall ankommen, welche Technologie sich besser eignet.

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Mit der Erweiterung des Funk-Spektrums hat Wi-Fi 6E nun in Sachen Leistungsfähigkeit zu 5G aufgeschlossen – stellt sich also die Frage, welche Technik für welches Einsatzgebiet taugt.
Mit der Erweiterung des Funk-Spektrums hat Wi-Fi 6E nun in Sachen Leistungsfähigkeit zu 5G aufgeschlossen – stellt sich also die Frage, welche Technik für welches Einsatzgebiet taugt.
(Bild: © fotogestoeber - stock.adobe.com)

Der 5G-Ausbau geht mit großen Schritten voran. So stellen erste Mobilfunkanbieter in Deutschland ihr Kernnetz auf „5G-Standalone“ um, also ohne die Vorgängertechnik LTE. Das Versprechen: noch geringere Latenzzeiten bei weniger Stromverbrauch.

Dies ist vor allem für Unternehmen interessant, die auf extrem kurze Reaktionszeiten von wenigen Millisekunden angewiesen sind, etwa in der Produktion. Zudem bietet ein privates 5G-Netzwerk den Vorteil, dass die genutzten Frequenzen ausschließlich dem jeweiligen Unternehmen vorbehalten bleiben. Externe Störfaktoren sind damit praktisch ausgeschlossen.

Doch hier kann Wi-Fi 6E mithalten. In Deutschland steht seit kurzem das Spektrum zwischen 5945 und 6425 MHz zusätzlich für Wi-Fi zur Verfügung. Durch dieses gewaltige Spektrum behindern sich Geräte kaum noch.

Klare Use Cases

Vor allem in Büros bleibt Wi-Fi bis auf weiteres die Nummer 1. Dies liegt an den deutlich geringeren Kosten aufgrund der lizenzfreien Nutzung, der bestehenden Erfahrung im IT-Management und dem größeren verfügbaren Gerätespektrum. So ist in Unternehmen die Infrastruktur schon auf Wi-Fi ausgerichtet – und es besteht kaum ein Anlass, diese Infrastruktur mit großem Aufwand auf 5G umzustellen. Denn diese Umstellung würde bedeuten, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Es ist zwar grundsätzlich möglich, fast alle Use Cases auf 5G umzustellen, aber Wi-Fi ist für viele Bereiche effizienter und schon fest etabliert. Eine komplette Umstellung erfordert einen enormen Aufwand und hohe Kosten.

5G bleibt dagegen schon aufgrund der höheren Reichweite der Platzhirsch im Außenbereich. So müssen deutlich weniger Sendeantennen pro Fläche aufgestellt werden. Doch je kleiner der abzudeckende Bereich ist, desto eher kommt auch Wi-Fi 6 bzw. Wi-Fi 6E in Frage.

Private 5G dürfte vor allem dann in Frage kommen, wenn eine extrem hohe Verfügbarkeit und Verlässlichkeit bei ganz kurzen Latenzzeiten betriebskritisch ist. Zusätzlich kann 5G in großen und hohen Hallen, etwa für den Flugzeugbau oder Veranstaltungen, vorteilhaft sein.

Wichtige Entscheidungskriterien

In vielen Fällen dürfte die Entscheidung aber nicht von vornherein feststehen. So kommen für Produktionshallen oder in größeren Lagern grundsätzlich beide Standards in Frage. Hier kommt es dann auf den Einzelfall an und auf eine genaue Betrachtung der Anforderungen in den Bereichen Bandbreite, Latenzzeit, Ausfallsicherheit, Kosten und Komplexität des Managements.

Ein wichtiger Punkt bei mobilen Anwendungen wie autonomen Lastenfahrzeugen in Lager, Produktion oder Krankenhäusern ist auch eine schnelle und reibungslose Übergabe von Funkzelle zu Funkzelle. Aber auch die Geschwindigkeit der Datenübertragung von der Funkzelle zum Access Point oder zur Radio Unit und von dort zum Netzwerk spielt eine entscheidende Rolle. Denn die beste Funktechnik bringt wenig, wenn die Übertragungsgeschwindigkeit ins Backbone zu langsam ist.

Das Beste aus beiden Welten

Bei genauer Analyse kann sich durchaus Private 5G als ideal für bestimmte Use Cases und Wi-Fi 6E als optimal für andere Anwendungsfälle herausstellen. Entsprechend werden laut einer Cisco-Studie im Jahr 2023 mehr IoT-Geräte mit Wi-Fi verbunden sein als es Menschen gibt. Grundsätzlich lassen sich beide Standards gemeinsam nutzen. Dabei ist beim Einsatz entsprechender Lösungen auch eine reibungslose Übergabe von 5G auf Wi-Fi und umgekehrt gewährleistet.

Doch der Aufwand für das Management steigt dann meist merklich. Während Wi-Fi in der Regel etabliert ist, bringt der Betrieb eines privaten 5G-Netzwerks häufig schon eine höhere Komplexität mit sich. Noch schwieriger ist dann meist eine Kombination, da neben dem Management der beiden Infrastrukturen noch deren Integration hinzukommt.

Daher sollten hier zumindest einheitliche Management- und Security-Lösungen zum Einsatz kommen, die beide Standards unterstützen. Zudem können erfahrene Partner, die integrierte Lösungen und vom Standard unabhängige Beratung anhand der individuellen Bedürfnisse bieten, wertvolle Hilfestellung leisten.

Fazit

Mit den neuen Entwicklungen von Wi-Fi 6E und Standalone 5G nähern sich beide Standards in ihren Eigenschaften weiter an. Damit gibt es mehr Überschneidungen bei den Use Cases. Zwar wird Wi-Fi auch künftig überwiegend in Büros und zu Hause genutzt und 5G bei der Mobilfunkversorgung großer Flächen. Doch gerade bei Industrie 4.0 und mobilen IoT-Anwendungen in großen Gebäuden muss man in Zukunft die jeweiligen Stärken und Schwächen genauer analysieren.

Falko Binder.
Falko Binder.
(Bild: Cisco)

So kann es zum Beispiel vorteilhaft sein, dass die gesamte Produktion mit Wi-Fi 6 läuft, aber eine Maschine über 5G angebunden ist, weil sie eine besonders hohe Zuverlässigkeit und extrem geringe Latenzzeiten benötigt. Letztlich lassen sich beide Standards integriert nutzen, doch dann ist eine einheitliche Management-Plattform nötig, damit Kosten und Zeitaufwand nicht aus dem Ruder laufen.

Über den Autor

Falko Binder ist Head of Enterprise Networking Architecture Sales bei Cisco Deutschland.

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