Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 41

Optische Lichtwellenleiter revolutionieren die Netzwerktechnik

21.09.2009 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

So arbeitet das Internet; Bild Nortel Networks
So arbeitet das Internet; Bild Nortel Networks

SONET: komplexer „Telefonie“-Standard

Der synchrone Übertragungsstandard ist allerdings auch sehr komplex und bezieht einen Teil dieser Kompexität aus der Tatsache, dass er im Rahmen der durch die Telefonie geprägten Telekommunikationssysteme entworfen wurde. Es gibt im Standard eine Vielzahl von Möglichkeiten, Datenströme geringer Bandbreite, wie sie eben bei digitaler Telefonie entstehen, systematisch zu multiplexen, zu pflegen und zu übertragen. Das ist angesichts des Entwicklungshorizonts auch verständlich, führt allerdings zu einer starken Fixierung auf eben diesen Bereich.

Blickt man einige Jahre zurück, dann war der Hauptverkehr in Fernnetzen durch die Telefonie geprägt und der Datenverkehr hatte eine relativ untergeordnete Rolle. Das sieht man auch daran, dass der Datenverkehr oftmals in Telefonformate eingepackt wurde, wie das z.B. im privaten Bereich durch ISDN immer noch geschieht.

Man hat irgendwann zwar erkannt, dass der Datenverkehr einen immer größeren Anteil haben würde, aber die Dinge dennoch falsch eingeschätzt. So kam es zur Entwicklung von ATM, bei dem Datenströme und anderer Verkehr gleich gutartig übertragen werden sollten, und zwar auf der Grundlage von asynchronen Zellenströmen, die auf der SONET-Infrastruktur abbilden lassen – wenngleich sich auch nur mit herben Verlusten in der Performance. Die Datenraten in ATM und SONET wurden so gut wie es geht aufeinander abgestimmt.

Blinde Entwickler?

Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber man wird den Eindruck nicht los, dass die Entwickler von ATM völlig übersehen haben, dass sich in der Welt ein anderer Standard erhoben hat, der alles andere an sich zieht: IP.

Zunächst wegen ISO-OSI von der Welt vergessen feierte die IP Protokollwelt ihre erste Renaissance im Rahmen der PC-Vernetzung, wo sich User von den proprietären Vorstellungen der Serversoftware-Hersteller wie Novell lösen wollten. Etwas später begann die Internet-Welle zu rollen. Wahrscheinlich würde aber auch heute immer noch niemand über die Entwicklung des Internets sprechen, wie wir sie heute sehen, wenn nicht die Kommerzialisierung einen wesentlichen Vortrieb gegeben hätte.

Mit ähnlicher Dramatik verlief die Situation bei den Corporate Networks. Nach Jahrzehnten der Herstellerbindung hat sich der LAN-Standard Ethernet zusammen mit IP als einheitlichem Protokoll fulminant durchgesetzt und alle anderen Alternativen in Rente geschickt. Die auf Nebenstellenanlagen basierte Sprachkommunikation in Unternehmen und Organisationen wird derzeit ebenfalls massiv auf die IP-LANs umgelegt.

Sieht man sich aber in den Bereichen LAN und WAN die Verteilung der Vekehrsarten an, so merkt man, dass der Sprachverkehr prozentual immer weniger wird, einfach deshalb, weil jeder ein Telefon hat, die Anzahl der Telefonate nicht mehr wirklich steigerbar ist und daher insgesamt im Rahmen der Gesamtdatenrate praktisch konstant bleibt bzw. nur ganz zart wächst. Demgegenüber wächst der Datenverkehr wie Schaum und verdoppelt sich im oben angegebenen Zeitraum. Lösungen, die den Sprachverkehr betreffen, sind also zunehmend Sonderlösungen.

Dies trifft die klassischen Carrier besonders stark. Denn sie haben eine Infrastruktur, die optimal für etwas ist, was man eigentlich kaum noch benötigt, eben den konventionellen Sprachverkehr. Diese Infrastruktur ist in keinster Weise darauf gerüstet, mit den Anforderungen des Datenverkehrs zu wachsten. Für den Einsatz in WAN-Umgebung bekommt der ehrenwerte 10 Gigabit Ethernet Standard nun zum ersten Mal eine SONET-kompatible Schnitstelle, direkt auf dem Niveau von SONET OC 192-c, also auch bei ca. 10 Gigabit/s.

Mit diesen Erweiterungen ist es möglich, Metro- und Fernnetze aufzubauen, die von ihrer Art und Natur her reine IP-Datennetze sind. Sprachverkehr wird man dann mit externer Adaption auf diese Netze bringen und somit werden sich die Rollen in Netzwerken endlich vertauschen.

Dies ist eine Kulturrevolution für die Netze, denn wenn man sich ansieht, wie die optischen Komponenten arbeiten, ist alles andere kalter Kaffee.

weiter mit: Die Arbeitsweise optischer Komponenten

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