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Lokales Funknetz oder Mobilfunkstandard? Optimierte Konnektivität mit Wi-Fi 6E und 5G

Von Axel Simon

Lokale Funknetze und Mobilfunkstandards konkurrieren um den ersten Platz bei der Internet-Konnektivität. Ob Wi-Fi 6E oder 5G geeigneter ist, kommt auf den Anwendungsfall an. Unternehmen können beide Varianten aber auch gleichzeitig einsetzen.

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Auch das massive Streaming von Audio- und Video-Daten trägt zum rasanten Anstieg der drahtlos via WLAN und LTE/5G vermittelten Daten bei.
Auch das massive Streaming von Audio- und Video-Daten trägt zum rasanten Anstieg der drahtlos via WLAN und LTE/5G vermittelten Daten bei.
(Bild: Aruba / HPE)

Durch Corona ist das Datenvolumen im Netz sprunghaft angestiegen. Die Nachfrage nach Konnektivitätslösungen mit dem Internet steigt. Der verstärkte Konsum multimedialer Inhalte im Lockdown sowie die Cloud-Transformation in vielen Unternehmen haben dafür gesorgt, dass Wi-Fi-Netze an ihre Belastungsgrenze stießen. Doch auch vor Ausbruch der Pandemie war diese Entwicklung bereits in Ansätzen zu erkennen. Seit Jahren müssen WLAN- und Mobilfunkverbindungen wie LTE und 5G den Datenverkehr stemmen, der durch eine wachsende Zahl drahtloser Endgeräte erzeugt wird.

Bandbreiten vollumfänglich nutzen

Zur Abwicklung der Datenmengen standen in Europa bis vor Kurzem bei der Wi-Fi-Technologie ausschließlich die Frequenzen zwischen 2.400 MHz und 5.000 MHz zur Verfügung. Doch für eine Ausweitung des Spektrums hat das Electronic Communications Committee (ECC) nun auch Frequenzen zwischen 5.925-6.425 MHz freigegeben. Das Potenzial zwischen 6.425-7.125-MHz ist damit im Vergleich zu den USA allerdings weiter ungenutzt.

Durch die Öffnung von 6 GHz-Frequenzen im Wi-Fi-Bereich entstehen 14 zusätzliche 80-MHz-Kanäle und sieben neue 160-MHz-Kanäle. Die Frequenzen stehen Unternehmen zur freien Nutzung zur Verfügung und müssen nicht beantragt werden. Das bedeutet, es handelt sich um ein unlizenziertes Frequenzspektrum. Bei 5G sieht dies etwas anders aus. Die Frequenzen erstrecken sich hier von 3.000 bis 3.800 MHz, bieten eine Bandbreite von 100 MHz und sind lizenziert, Nutzer müssen sie also erwerben. Bedingt durch die Unterschiede der beiden Technologien, differieren im Detail auch die Einsatzbereiche und die technischen Anforderungen bei der Implementierung.

Einsatzgebiete von Wi-Fi 6E

Aufbauend auf Wi-Fi 6 stellt Wi-Fi 6E (Enhanced) eine technische Weiterentwicklung dar. Unternehmen können sie ganz grundsätzlich dafür nutzen, in puncto Wi-Fi up to date zu sein und ihren 802.11n-Standard zu aktualisieren. Allerdings eignet er sich auch besonders für eine Reihe an Organisationen mit hohen Anforderungen an ihre Datenverarbeitungsprozesse.

Unternehmen, die ihre Aktivitäten in den Bereichen Virtual / Augmented Reality (VR/AR) sowie IoT vorantreiben wollen, können von der 6E-Technologie profitieren. Aller Voraussicht nach wird Wi-Fi 6E zudem in industriellen Umgebungen vermehrt eingesetzt werden. Sind beispielsweise zahlreiche smarte Geräte in einer Fabrikhalle im Einsatz, ist ein entsprechend leistungsstarkes Netz nötig, um einen Datenaustausch in Echtzeit zu ermöglichen. Des Weiteren lassen sich Anwendungen zur Analyse von Maschinen und damit verbunden zur Fernwartung entwickeln.

Aber auch abseits des industriellen Umfelds hat Wi-Fi 6E zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Manche Betriebe sind schon auf einem guten Weg, jedoch muss das Gastgewerbe bei der Digitalisierung eine Aufholjagd starten. Von der Bestellung des Zimmerservice per App bis zur Nutzung des Internets in den Hotelzimmern gibt es zahlreiche Akteure, die ein belastbares Netz erforderlich machen und es voraussetzen. Gleiches gilt für Schuleinrichtungen. Der durch digitale Technologien gestützte Unterricht hat gerade in der Corona-Pandemie einige Schwachstellen an deutschen Bildungseinrichtungen offenbart. Zwingende Voraussetzung für ein Lernen mit Hilfe von Tablets, Laptops und Co. ist eine stabile Internetverbindung.

Um den Bedürfnissen der Industrie, dem Gastgewerbe, dem Bildungssektor und zahlreichen weiteren Branchen gerecht zu werden, entwickeln Anbieter bereits jetzt Lösungen zur Nutzung von Wi-Fi 6E. So hat Aruba kürzlich den Indoor-Campus-Access-Point AP-365 vorgestellt, der das 6-GHz-Band unterstützt. Wichtig ist in diesem Kontext zu erwähnen, dass Wi-Fi 6 derzeit nur in Innenräumen eingesetzt werden kann, sodass für Unternehmen, die im Außenbereich eine Anbindung benötigen, Wi-Fi 6 keine Option ist. Vielmehr ist für diese Bedürfnisse die 5G-Technologie angezeigt.

Wie ist es um 5G bestellt?

Die Diskussion, ob Wi-Fi im Zeitalter von 5G noch notwendig ist, hält sich hartnäckig, steht aber auf tönernen Füßen. Es geht nicht darum, die beiden Technologien gegeneinander auszuspielen. Jede Organisation sollte die Variante nutzen, die am besten zu den individuellen Belangen passt.

Aber es ist auch möglich, 5G und Wi-Fi 6E zwar als unterschiedliche, aber komplementäre Technologien zu begreifen. Im Zusammenspiel können sie dem Nutzer letztlich höhere Geschwindigkeiten und Kapazitäten sowie geringere Latenzzeiten ermöglichen. Im Vergleich zu Wi-Fi lässt sich mit 5G etwa eine umfangreiche Netzabdeckung realisieren. Die Technologie ist jenseits von Fabrikhallen im Außenbereich einsetzbar und ermöglicht Datenübertragungen in Höchstgeschwindigkeit. Die größere Reichweite wird durch die geringere Frequenz ermöglicht.

5G ist somit beispielsweise bei der Umsetzung des autonomen Fahrens ein geeignetes Mittel. Ein anspruchsvolles Anwendungsgebiet sind Fern-OPs. Dabei wird eine Operation per Stream an einen Ort außerhalb des Krankenhauses übertragen, wodurch standortübergreifend die Operation begleitet werden kann. Damit es beim Senden der Daten zu möglichst wenig Verzögerung kommt, sind minimale Latenzzeiten nötig. Dabei kommt es auf jeden noch so kleinen Sekundenbruchteil an. Mit 5G haben die Mediziner die Möglichkeit, die Latenzzeit auf 0,01 Sekunde zu verringern.

Fazit: Wi-Fi als Muss im Innenraum für viele Anwendungsgebiete – 5G für ausgewählte Fälle

Wi-Fi ist eine kostengünstige Alternative für die Nutzung einer Vielzahl an Anwendungen in Organisationen. Grundsätzlich sind die Technologiekosten dabei pro Flächeneinheit und über den gesamten Lebenszyklus hinweg relativ günstig. Welche herausragende Stellung Wi-Fi im (Arbeits)-Alltag zahlreicher Menschen innehat, wird allein dadurch deutlich, dass die Technologie zirka 60 Prozent des Traffics durch mobile Endgeräte verarbeitet – Tendenz steigend.

Ohne die Möglichkeit, Datenverkehr auf Wi-Fi zu verlagern, würden 4G- und 5G-Netze erheblich teurer werden. Die Anschaffungskosten für reine Wi-Fi-fähige Geräte sind nicht so ressourcenintensiv wie zusätzlich LTE/5G-fähige Devices. Ein wesentlicher Kostenfaktor bei 5G ist eine neue notwendige Infrastruktur. Wer Wert auf die Abdeckung weiträumiger Gebiete sowie kürzeste Übertragungszeiten legt und neben dem Innenbereich wie Fabrikhallen auch Außenbereiche mit einbeziehen möchte, für den ist 5G sicherlich eine gute Alternative – vorausgesetzt, die Mehrkosten stellen keine Beschaffungshürde dar. Doch für die große Mehrheit wird Wi-Fi auch weiterhin die bevorzugte Konnektivitätslösung sein.

Axel Simon.
Axel Simon.
(Bild: HPE / Aruba)

Über den Autor

Axel Simon ist Chief Technologist Networking für Deutschland bei Aruba, einem Unternehmen von Hewlett Packard Enterprise.

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