Suchen

Auf dem Weg zum modernsten Messeplatz Deutschlands NürnbergMesse schafft neue Netzwerk-Infrastruktur

| Autor / Redakteur: Barbara Schrettle / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Aussteller und Besucher erwarten auf einer Messe ein schnelles und sicheres Netzwerk. In ihren Hallen und Kongresszentren hat die NürnbergMesse daher jetzt mit aktiven Komponenten von HPE und in Zusammenarbeit mit Axians und Bisping & Bisping eine der leistungsfähigsten digitalen Messe-Infrastrukturen Deutschlands geschaffen.

Firmen zum Thema

Die NürnbergMesse – unter anderem Ausrichter der it-sa – hat ihre gesamte IT-Infrastruktur in den Messehallen runderneuert.
Die NürnbergMesse – unter anderem Ausrichter der it-sa – hat ihre gesamte IT-Infrastruktur in den Messehallen runderneuert.
(Bild: NürnbergMesse / Heiko Stahl)

Die NürnbergMesse zählt zu den 15 größten Messegesellschaften der Welt. Über 1.000 Mitarbeiter sind an zehn Standorten in Deutschland, Brasilien, China, Indien, Italien, Österreich und den USA für das Unternehmen tätig. Das Portfolio umfasst rund 120 nationale und internationale Fachmessen und Kongresse, an denen sich jährlich bis zu 35.000 Aussteller und bis zu 1,5 Millionen Besucher beteiligen.

Am Hauptsitz in Nürnberg finden unter anderem zahlreiche große IT-Messen statt, darunter die it-sa, die embedded world oder die SPS. 2018 fand der Digitalgipfel der Bundesregierung im Messezentrum Nürnberg statt. Die hier teilnehmenden IT-Experten haben besonders hohe Anforderungen an die IT-Infrastruktur. Darüber hinaus nimmt die Internetnutzung auf Messen und Kongressen stetig zu: Aussteller müssen während der Veranstaltung direkt mit einer hohen Datenübertragungsrate auf ihre Firmennetze zugreifen, und Besucher übertragen Daten mit ihren Laptops, Tablets und Smartphones.

An dieses Nutzungsverhalten musste die Infrastruktur angepasst werden. Stefan Heid, Senior Manager Technisches Gebäudemanagement bei der NürnbergMesse, erinnert sich: „Viele Leitungen waren ja seit vielen Jahren in Betrieb und nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Dadurch war das Netzwerk störanfällig. Die Trassen waren voll und es gab keine Möglichkeit mehr, neue Services zu installieren.“

2016 beschloss die Messegesellschaft daher, ihre technischen Rahmenbedingungen und digitalen Dienste im Bereich Internet, Telekommunikation und WLAN am Standort Nürnberg komplett neu aufzusetzen. Ziel war es, Veranstaltern, Ausstellern und Besuchern nicht nur ein leistungsfähiges, anwendungsneutrales Netzwerk zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Basis für innovative digitale Dienste zu schaffen. Im ersten Schritt tauschte die NürnbergMesse dafür die passive Infrastruktur aus und verlegte neue, hochwertige Glasfaserkabel in allen 16 Messehallen und drei Convention Centern. Anschließend nahm sie die Modernisierung der aktiven Infrastruktur in Angriff.

Zukunftsorientierte Partner gesucht

Wichtige Kriterien bei der Auswahl des richtigen Partners waren, dass die neuen Systeme und Dienstleister ein modulares Servicekonzept ermöglichen, hohe Sicherheitsstandards einhalten und zukunftsorientiert sein sollten. Anhand des Gartner Magic Quadranten suchte die NürnbergMesse nach Hardware-Herstellern, die nicht nur auf ihrem Gebiet top waren, sondern auch Erfahrung im Messegeschäft mitbringen konnten. So kam unter anderem HPE Aruba in die engere Wahl. Als Managed Services Provider empfahl HPE den langjährig bewährten Partner Axians Networks & Solutions. Mit an Bord war zudem der Carrier Bisping & Bisping, mit dem die Messegesellschaft bereits zusammenarbeitete.

Ein starker Auftritt

In einem Proof of Concept sollten sich die Partner zunächst beweisen und im Oktober 2017 innerhalb von zwei Wochen eine Halle für die European Microwave Week mit kompletter Infrastruktur ausstatten. Dabei galt es, einen Kriterienkatalog mit 25 Punkten zu erfüllen. Das Projekt lief hervorragend.

Besonders überzeugen konnten Axians und Bisping & Bisping – und das insbesondere durch die gemeinsame Entwicklung eines Auftragsmanagement-Tools. Die NürnbergMesse hatte bereits ein Workflowsystem im Einsatz, das die kaufmännischen Prozesse rund um die Kundenbestellungen abbildet, zum Beispiel Standnummer, Hallennummer und technische Leistungen. Die dort hinterlegten Infrastruktur-Wünsche – etwa zu Telefon oder Bandbreite – sollten jetzt automatisiert umgesetzt werden. Stefan Heid erklärt: „Es ging darum, Daten aus dem bestehenden System zu übernehmen, den kaufmännischen Prozess in einen technischen Prozess zu überführen und einen hohen Automatisierungsgrad zu ermöglichen. Das war eine große Herausforderung, die Axians und Bisping & Bisping sehr gut gemeistert haben.“

Am Ende konnten beide Partner das Auswahlverfahren für sich entscheiden und wurden in zwei separaten Losen gemeinschaftlich beauftragt. Als Hardware wählte die NürnbergMesse die Technologie von HPE Aruba. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie mit ihren offenen Schnittstellen Automatisierung ermöglicht und ein gutes Security-Konzept mitbringt, um Netzwerkbereiche voneinander zu trennen und Zugriffsrechte zu konfigurieren.

Trotz straffem Zeitplan früher am Ziel

Die erste Feuertaufe – noch vor der Auftragsunterzeichnung – war der Digitalgipfel der Bundesregierung, der im Dezember 2018 auf dem Gelände der NürnbergMesse stattfand. Beim Treffen der Digitalisierungs-Experten wurde erfolgreich ein Datenvolumen von rund 1,4 Terabyte übertragen. Anfang 2019 ging dann das eigentliche Projekt an den Start. Bisping & Bisping kümmerte sich um den Internet-Zugang mit Routern, Firewalls & Co., Axians um den gesamten Backbone-Bereich.

Innerhalb von nur fünfeinhalb Monaten hat Axians 1.600 Access Points und 450 Switches installiert sowie Security Module integriert. Eine Herausforderung bestand darin, dass das neue Netz parallel zur bestehenden Infrastruktur aufgebaut werden musste, während der bisherige Anbieter weiterhin das reguläre Messegeschäft bediente.

Der ehemalige Service-Partner musste zudem Know-how an seine Nachfolger weitergeben, da die Systeme mit der Unternehmens-IT vernetzt sind. Dabei erforderte das Messegeschäft maximale Flexibilität von allen Beteiligten: „Wir haben einfach alle Kräfte gebündelt“, sagt Frank Schirmer, Account Manager bei Axians Networks & Solutions. „Selbst wenn es einmal kleine Probleme gab, waren alle Partner im Schulterschluss unterwegs und konnten sie lösen. So waren wir am Ende zwei Wochen vor dem gesetzten Termin fertig und konnten die ersten Veranstaltungen durchführen. Ich habe noch nie ein Projekt dieser Größenordnung gesehen, das so reibungslos verlief.“

Deutlicher Mehrwert für Aussteller und Besucher

Die NürnbergMesse verfügt nun über eine moderne, leistungsfähige IT-Infrastruktur, mit der sie ihren Kunden bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) per WLAN und bis zu 10 Gbit/s per LAN standardisiert zur Verfügung stellen kann. Über das neue Auftragsmanagement-Tool „bispingOMS“ von Bisping & Bisping ist sie außerdem in der Lage, digitale Produkte automatisiert bereitzustellen und spart dadurch erheblich Zeit und Kosten.

Kunden bestellen Services wie Telefonnummer und Internetverbindung für ihren Stand nun bequem über ein Tool. Die Aufträge werden ohne Medienbrüche weiterverarbeitet und die Systeme automatisch provisioniert. Zur Abnahme kommen Service-Mitarbeiter an den Messestand und haken die einzelnen Punkte auf einem Tablet ab. Sie nehmen auch direkt am Stand noch Kundenwünsche digital entgegen, zum Beispiel falls die Bandbreite erhöht werden soll.

Mit Heat Maps innovative Anwendungen für Kunden entwickeln

Neben den klassischen Telekommunikationsdiensten wie WLAN und Telefon will die NürnbergMesse ihren Kunden künftig auch Location-Based Services und Heat Maps anbieten. Aussteller haben dann zum Beispiel die Möglichkeit, registrierte Personen auf dem Messegelände datenschutzkonform zu orten und ihnen gezielt Informationen oder Werbung zukommen zu lassen.

Heat Maps ermöglichen es, zu monitoren, wo sich wie viele Menschen aufhalten. So können Veranstalter zum Beispiel ermitteln, an welchen Verpflegungsständen großer Andrang herrscht, und Besucher entsprechend umleiten. Diese Funktion hat durch Corona noch erheblich an Bedeutung gewonnen. Denn mit ihrer Hilfe ist die NürnbergMesse nun in der Lage, Besucherströme so zu regulieren, dass maximale Personenzahlen pro Quadratmeter eingehalten werden können. Entsprechende Services erarbeitet das Unternehmen gerade gemeinsam mit Axians.

Barbara Schrettle.
Barbara Schrettle.
(Bild: Barbara Schrettle)

Stefan Heid blickt zuversichtlich nach vorn: „Wir haben jetzt eine Technologie-Plattform und Dienstleister, mit denen wir für die Zukunft gewappnet sind und uns voll entfalten können. Mit der neuen Infrastruktur schaffen wir einen der leistungsfähigsten und modernsten Messeplätze Deutschlands.“

Über die Autorin

Barbara Schrettle arbeitet als freie Redakteurin in München.

(ID:46869900)