Netzwerkinfrastruktur, Kartendienste und Patente

Nokias Zukunftspläne

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Peter Schmitz

Nokia setzt auf unterschiedliche Karten: Bereits Anfang 2016 könnte der Hersteller sogar wieder Smartphones unter eigener Flagge anbieten.
Nokia setzt auf unterschiedliche Karten: Bereits Anfang 2016 könnte der Hersteller sogar wieder Smartphones unter eigener Flagge anbieten. (Bild: Nokia)

Durchstarten statt Resignieren: Nach der Trennung vom Handygeschäft will Nokia mit den verbliebenen Geschäftsfeldern wieder zum Marktführer aufsteigen. Selbst Telefone könnten die Finnen mittelfristig wieder liefern.

Mit dem geplanten Verkauf von Geräte- und Servicesparte an Microsoft verlöre Nokia auf einen Schlag nicht nur 32.000 Mitarbeiter, sondern auch wesentliche Einnahmequellen. Im Vorjahr haben die zur Disposition stehenden Geschäftsbereiche knapp 50 Prozent zu Nokias Verkaufsumsätzen beigetragen. Im Gegenzug erhält Nokia von Microsoft allerdings 5,44 Milliarden Euro sowie Kredite über 1,5 Milliarden Euro, um – wie es Nokia selbst nennt – das "nächste Kapitel" der Firmengeschichte neu zu erfinden. Beitragen sollen dazu 56.000 verbleibende Mitarbeiter sowie die drei Geschäftsfelder: Nokia Solutions and Networks (NSN), HERE und Advanced Technologies.

"Business as usual" bei NSN

Betont entspannt gibt man sich angesichts der Übernahmepläne bei NSN, Nokias Geschäftsbereich für Netzwerkinfrastruktur. Wortwörtlich spricht man vom "Business as usual", freut sich jedoch mit der Konzernmutter über neue finanzielle Stärke.

Verständlich, bezeichneten Analysten doch zuletzt die finanzielle Situation als größte Schwäche von NSN. Die Infonetics-Studie Telecommunications Equipment Vendor Leadership Scorecard sah NSN daher auch nicht unter den Top-3-Anbietern auf dem Markt. Hinter Huawei, Ericsson und Cisco erreichte das Unternehmen nur Platz 4 – trotz überdurchschnittlicher Wertungen bei Produktzuverlässigkeit, technologischer Innovation und Service/Support.

Dennoch bescheinigen die Analysten dem Unternehmen eine positive Tendenz. Als einziger westlicher Anbieter mache das Unternehmen zudem nennenswerte Geschäfte in Japan und Südkorea, zwei bedeutenden Märkten für LTE-Installationen.

Nokia kontrolliert das ursprünglich mit Siemes gegründete Joint Venture seit August komplett und bezeichnet sich selbst als weltweite Nummer zwei im LTE-Geschäft. Laut Interim Report vom 18. Juli waren im zweiten Quartal 50.476 Personen bei NSN beschäftigt.

Karten neu gemischt bei HERE

Nokia will HERE weiterhin zum führenden Cloud-Anbieter für Location-based Services machen. Die bisher unternehmensintern geflossenen Geldströme soll künftig Microsoft kompensieren: Zumindest für die kommenden vier Jahre werden die Redmonder die Rolle eines strategischen Lizenznehmers einnehmen und damit unter den bedeutendsten drei HERE-Kunden rangieren.

Neben den Internetanbietern Yahoo, Amazon und Firefox zählen Navigationsexperte Garmin und verschiedene Automobilhersteller zu den weiteren Kunden von HERE – dem Anbieter zufolge setzen vier von fünf fest eingebauten Navigationslösungen auf Nokias Kartendienstleistungen auf.

Forschung und Patente bei Advanced Technologies

Unter dem Namen Avanced Technologies will Nokia die bisherigen CTO- und IPR-Aktivitäten (IPR = Intellectual Property Right) zusammenfassen. Aus welchen Bereichen sich das Personal hierfür konkret rekrutiert ist bislang unklar.

Fest steht: Nokia will Forschung und Entwicklung vorantreiben, um Innovationen sowie Geschäftsmöglichkeiten zu ergründen. Die Themenfelder reichen dabei von Connectivity, Sensor- und Materialtechnik bis zu Web- und Cloud-Anwendungen.

Stand heute brüstet sich das Unternehmen mit einer der am breitesten aufgestellten Patentsammlungen. Zu dieser zählten 10.000 Patentfamilien mit 30.000 Patenten und Anwendungen sowie 1.200 Patentfamilien mit standardrelevanten Techniken, die von über 40 Lizenznehmern genutzt werden.

Oder doch wieder Handys

Ein Hintertürchen hat sich Nokia übrigens offengelassen: Microsoft darf den Schriftzug Nokia zwar in den kommenden zehn Jahren für eigene Handys nutzen – und das bis zum 31. Dezember 2015 exklusiv. Danach dürfte aber auch Nokia vertragsgemäß wieder "mobile devices" unter der eigenen Marke anbieten.

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