Network Functions Virtualization auf dem Vormarsch

NFV – die Königsklasse der Virtualisierung

| Autor / Redakteur: Perry Eekhout / Andreas Donner

NFV ist komplizierter als die Server-Virtualisierung und kann nicht isoliert als eigenständige Lösung umgesetzt werden.
NFV ist komplizierter als die Server-Virtualisierung und kann nicht isoliert als eigenständige Lösung umgesetzt werden. (watkung - Fotolia.com)

Server-Virtualisierung ist einfacher als die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen (NFV) und um­fasst deutlich weniger Komponenten. Vorteil der Server-Virtualisierung ist die bessere Aus­las­tung von Servern; sie zielt somit rein auf Rechenzentren ab. NFV ist unter anderem des­halb viel komplexer, weil die Netzwerk-Virtualisierung über das Netzwerk hinaus reicht.

Als die Server-Virtualisierung aufkam, gab es nur wenige innovative Anbieter von Virtualisierungssoftware und die damit verbundene Innovation und Bewusstseinsbildung blieb einigen wenigen überlassen. Virtualisierung war ein ganz neuer Ansatz und so dauerte es eine ganze Weile, bis die Kunden die Technologie geprüft hatten. Viele warteten auch erst einmal ab, ob andere Unternehmen damit Erfolg haben würden, bevor sie sich auch dafür entschieden.

Wie alles Neue brauchte es seine Zeit. Als dann aber die ersten Erfolge eintraten, gab es einen wahren Virtualisierungsboom. Dann brachte VMware die VMotion Virtual-Machine-Mobilität (VM) auf den Markt und die Server-Virtualisierung wurde komplizierter. Anwendungen, Workloads und VMs wurden von der physischen Hardware abgekoppelt und die Grundlagen für die Netzwerk-Virtualisierung geschaffen.

Zu diesem Zeitpunkt wurde Storage durch das Pooling von SAN- und NAS-Geräten virtualisiert, und da der virtualisierte Datenspeicher eine bessere Verwaltung und einfachere gemeinsame Nutzung ermöglichte, wurden auch die Server virtualisiert, um mehr Flexibilität zu erreichen und die Kosten zu senken. Der Netzwerkbereich blieb von den Innovationen im Bereich der Virtualisierung weitgehend unberührt – bis jetzt.

Tiefgreifende Veränderungen

Nun steht eine tiefgreifende Veränderung im Netzwerkbereich bevor. Wie schon zuvor bei der Virtualisierung von Servern und von Storage der Fall, müssen sich nun auch die Netzwerke weiterentwickeln, um mit den heutigen schnell wechselnden Geschäftsanforderungen mithalten zu können und bspw. eine Cloud-basierte Bereitstellung zu ermöglichen.

NFV kann auf den enormen Erfolg der Server-Virtualisierung verweisen, und ein Einstieg in NFV erscheint daher attraktiv mit überschaubaren Risiken und enormen Vorteilen. Deshalb könnte der Übergang hier viel schneller vonstattengehen, als dies bei der Server-Virtualisierung der Fall war. Aus einer Reihe von Gründen ist NFV jedoch viel komplizierter und auf ein Ökosystem aus Partnern angewiesen, um erfolgreich sein zu können.

Die Stolpersteine von NFV

Proprietäre NFV-Lösungen könnten unter Umständen keine optimalen Ergebnisse liefern. Zum Beispiel Telekommunikationsunternehmen und Service Provider können den größten Nutzen aus ihrer NFV-Investition nur dann erzielen, wenn sie sich für einen Ökosystemansatz entscheiden und damit die jeweils besten verfügbaren Technologien einsetzen können. Open-Source-Communities wie OpenStack, CloudStack und andere sind Vorreiter bei dieser Innovation. Was die Hardware anbelangt, sollten Unternehmen sich an bewährte Hardware-Anbieter aus dem x86-Bereich halten, die Erfahrung mit Virtualisierung haben und auf optimale Performance ausgelegte Lösungen bereitstellen können.

NFV-Implementierungen überfordern insbesondere dort viele Unternehmen, wo eine zwischen den Netzwerk- und den IT-Teams angesiedelte Expertise fehlt. Um erfolgreich zu sein, müssen klare Verantwortlichkeiten der einzelnen Teams festgelegt werden. Durch das Aufbrechen bestehender Silo-Strukturen können vorhandene Ressourcen zudem effizienter eingesetzt werden.

Risikofaktor Auslastung

Netzwerke sind meist mit zu vielen Benutzern überlastet. Der Wechsel zu einer neuen Technologie kann dann jedoch riskant sein. Um dieses Risiko zu mindern, sollten Unternehmen nach Partnern suchen, die bewährte Lösungen bieten oder ein Innovationszentrum betreiben, in dem NFV-Lösungen und -Produkte vor der Bereitstellung getestet und geprüft werden können.

Anders als bei der Server-Virtualisierung nutzen Netzwerke neben dem direkt zugeordneten Prozessor auch externe Hardware, wobei eine Vielzahl verschiedener Software-Protokolle zum Einsatz kommt. Die Interoperabilität zwischen Soft- und Hardware wird damit noch wichtiger.

Fazit

Es liegt somit auf der Hand, dass NFV aus zahlreichen Gründen erheblich komplizierter als die Server-Virtualisierung ist und nicht als eigenständige Lösung umgesetzt werden kann. NFV erfordert ein Ökosystem aus Partnertechnologien, um erfolgreich implementiert zu werden. Dennoch lässt sich die Einführung beschleunigen, indem man Technologien und Partner auswählt, die eine bessere Interoperabilität mit Hardware-Plattformen sowie mehr Performance und Funktionen für die Virtualisierung bieten.

Perry Eekhout
Perry Eekhout (Bild: Emulex)

Ebenso wichtig für den Erfolg ist aber auch, das Thema NFV umgehend aufzugreifen. Denn nur mit einer frühzeitigen Evaluierung und Erprobung von NFV verschaffen sich Unternehmen einen Vorteil gegenüber ihren Wettbewerbern.

Über den Autor

Perry Eekhout ist Regional Manager Central Europe bei Emulex.

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