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Halbierte Bitrate, bessere Klangqualität und Audio-Sharing Neuer Standard Bluetooth LE Audio

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Das neue Bluetooth LE Audio soll laut Bluetooth Special Interest Group (SIG) bei halbierter Bitrate die Klangqualität gegenüber dem bisher eingesetzten Codec verbessern und Hörgeräte besser unterstützen. Per Audio Sharing soll die Technik zudem mehrere Endgeräte gleichzeitig mit Musik versorgen können.

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Der neue Standard Bluetooth LE Audio kann per Broadcast-Funktion mehrere Empfänger von einer Quelle aus versorgen und bietet eine verbesserte Unterstützung von Hörgeräten.
Der neue Standard Bluetooth LE Audio kann per Broadcast-Funktion mehrere Empfänger von einer Quelle aus versorgen und bietet eine verbesserte Unterstützung von Hörgeräten.
(Bild: Bluetooth SIG)

Die Bluetooth Special Interest Group (SIG) hat auf der CES in Las Vegas die nächste Generation von Bluetooth Audio angekündigt: Die „LE Audio“ genannte Technik soll die Bluetooth-Audioleistung verbessern, die Unterstützung für Hörgeräte verbessern und Audio Sharing ermöglichen. Laut SIG könne dies die Art ändern, wie Menschen sich mit ihrer akustischen Umwelt vernetzen und Musik und Sprache erleben.

„Mit fast einer Milliarde Audiogeräten, die im vergangenen Jahr ausgeliefert wurden, ist Audio der größte Bluetooth-Markt“, sagt Mark Powell, CEO der Bluetooth SIG. Bluetooth Audio wird künftig zwei Betriebsarten unterstützen: Während LE Audio auf Bluetooth Low Energy (LE) basiert, arbeitet Classic Audio weiterhin mit Bluetooth Classic. LE Audio ermöglicht das Entwickeln ähnlicher Audioprodukte und Anwendungsfälle wie Classic Audio, führt aber gleichzeitig neue Funktionen ein, die „ganz neue Nutzungsszenarien ermöglichen“.

Low Complexity Communication Codec (LC3) für mehr Qualität bei geringerer Leistung

BT LE Audio basiert laut SIG auf dem neuen stromsparenden Audio-Codec Low Complexity Communication Codec (LC3). LC3 soll auch bei niedrigen Datenraten eine hohe Wiedergabequalität sicherstellen und „Entwicklern eine enorme Flexibilität bieten“. Zum Beispiel sei es nun einfacher, einen guten Kompromiss zwischen wichtigen Produkteigenschaften wie Audioqualität und Stromverbrauch zu finden.

„Umfangreiche Tests haben gezeigt, dass LC3 die Audioqualität gegenüber dem in Classic Audio enthaltenen SBC-Codec verbessern wird – bei einer 50% niedrigeren Bitrate“, sagt Manfred Lutzky, Leiter Audio für Kommunikation am Fraunhofer IIS. „Entwickler nutzen diese Energieeinsparungen, um Produkte mit längerer Akkulaufzeit zu entwickeln. Wenn die aktuelle Akkulaufzeit bereits ausreicht, können sie stattdessen die Größe des Geräts durch den Einsatz kleinerer Batterien reduzieren.“

Multi-Stream-Audio verbessert die Leistung von Kopfhörern

Multi-Stream-Audio ermöglicht die Übertragung mehrerer unabhängiger, jedoch vollständig synchronisierter Audioströme zwischen einer Audioquelle, beispielsweise einem Smartphone, und einem oder mehreren Audio-Ausgangsgeräten.

„Entwickler können die Multi-Stream-Audio-Funktion verwenden, um zum Beispiel drahtlose Kopfhörer mit neuen Funktionen auszustatten“, sagt Nick Hunn, CTO von WiFore Consulting und Vorsitzender der Bluetooth SIG Hearing Aid Working Group. „So können sie beispielsweise das Stereo-Erlebnis verbessern und Sprachassistenten-Dienste einfacher integrieren.“ Zudem sei ein nahtloser Wechsel zwischen mehreren Audioquellen möglich.

Optimierungen für Menschen mit verringertem Hörvermögen

Mit seiner geringeren Leistungsaufnahme soll LE Audio auch das Entwickeln von Hörgeräten vereinfachen. „LE Audio wird einer der bedeutendsten Fortschritte für Benutzer von Hörgeräten und Hörimplantaten sein“, ist Stefan Zimmer überzeugt, Generalsekretär der European Hearing Instrument Manufacturers Association (EHIMA). Die EHIMA-Ingenieure hätten ihr Fachwissen in die Entwicklung des neuen Standards eingebracht, um das Klangerlebnis insbesondere für schwerhörige Menschen zu verbessern. „Die meisten neuen Smartphones und Fernseher werden innerhalb weniger Jahre für hörgeschädigte Nutzer in gleicher Qualität nutzbar sein.“

Audio Sharing durch Broadcast

Mit LE Audio kündigt die Bluetooth SIG zudem Broadcast Audio an. Mit dieser Funktion kann ein Sender Töne an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern übertragen. Broadcast Audio eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Innovationen, einschließlich Audio Sharing.

Die Bluetooth-Audiofreigabe kann sowohl persönlich als auch standortbezogen erfolgen. Mit der persönlichen Audiofreigabe können Menschen ihr Bluetooth-Audioerlebnis mit anderen Menschen in ihrer Umgebung teilen, zum Beispiel Musik von einem Smartphone mit Familie und Freunden. Mithilfe des ortsbezogenen Audio Sharing könnten öffentliche Einrichtungen wie Flughäfen, Bars, Fitnessstudios, Kinos oder Konferenzzentren nun Bluetooth Audio nutzen, um das Nutzererlebnis ihrer Besucher zu verbessern.

„Location Based Audio Sharing hat das Potential die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum erleben, zu verändern“, sagt Peter Liu von der Bose Corporation und Mitglied des Board of Directors der Bluetooth SIG. „Zum Beispiel können Passanten selbstständig den Ton von stillen Fernsehern in öffentlichen Einrichtungen empfangen. Einrichtungen wie Theater und Hörsäle bieten eine Audio-Übertrag für Besuchern mit Hörverlust an oder stellen die Tonspur in mehreren Sprachen zur Verfügung.“

Bluetooth LE Audio wird etwa ab Mitte 2020 verfügbar sein

Die Bluetooth-Spezifikationen für LE Audio werden voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2020 veröffentlicht. Erste Anbieter haben bereits ihre Unterstützung angekündigt: So hat etwa IP-Designspezialist Cadence aktuell mitgeteilt, dass Bluetooth LE Audio schon für seine Tensilica HiFi DSPs verfügbar ist. Nach eigenen Angaben zählen diese digitalen Signalprozessoren (DSP) zu den am häufigsten lizenzierten Audio-/Sprach-/KI-Prozessoren.

Cadence hat nach eigenen Angaben den Referenz-Code von Fraunhofer IIS lizenziert, sodass das LC3 mit dem Start von LE Audio verfügbar ist. Dadurch könnten die Kunden direkt von den neuen Verbesserungen wie längere Batterielaufzeit, verbesserte Konnektivität und Multi-User-Sharing profitieren.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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