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Vergleich Deutschland, Österreich, Schweiz Mobile Nutzererfahrung: Deutschland bleibt zurück

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Einer Untersuchung des Mobile-Crowdsourcing-Unternehmens Tutela zufolge bietet in Deutschland die Telekom ihren Mobilfunkkunden die beste Nutzererfahrung. Insgesamt sei die Nutzererfahrung in Deutschlands Mobilfunknetzen allerdings schlechter als in Österreich und der Schweiz.

In der Schweiz ist die mittlere Download-Geschwindigkeit höher als in Österreich und Deutschland.
In der Schweiz ist die mittlere Download-Geschwindigkeit höher als in Österreich und Deutschland.
(Bild: Tutela)

Für den aktuellen Report „State of Mobile Experience DACH“ habe Tutela zwölf Mio. Geschwindigkeits- und Latenztests (in eine Richtung gemessen) von Smartphone-Nutzern aus Common Coverage Areas in der DACH-Region ausgewertet. Common Coverage Areas sind laut Tutela Gebiete, in denen die Mehrheit der Mobilfunknetzbetreiber ihre Dienste anbieten. Die Erhebung der Daten habe zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 31. März 2021 DSGVO-konform per Mobile Crowdsourcing stattgefunden. In allen drei Ländern seien jeweils drei Mobilfunknetze untersucht worden.

Telekom ist Spitzenreiter in Deutschland

In Deutschland sei die Telekom in allen Kategorien führend, u.a. biete sie

  • die schnellste mittlere Download-Geschwindigkeit mit 31,5 MBit/s,
  • die schnellste mittlere Upload-Geschwindigkeit mit 13,8 MBit/s,
  • die kürzeste Latenz (in eine Richtung gemessen) mit 13,3 Millisekunden,
  • die beste 5G/4G-Abdeckung sowie die größte relative Flächenabdeckung.

Vodafone und O2 hätten sich dahinter ein enges Rennen geliefert, würden aber vor allem bei den Download-Geschwindigkeiten von der Telekom abgehängt.

Allein gesehen seien diese Zahlen nicht ganz einfach zu interpretieren, merkt Tutela an. Im Ländervergleich werde der Vorsprung der Nachbarländer aber greifbarer. In der Schweiz liege die mittlere Download-Geschwindigkeit bei 32,8 MBit/s, in Österreich bei 30,5 MBit/s und in Deutschland nur bei 25,6 MBit/s. Wohlgemerkt seien dies die Durchschnittswerte aller drei getesteten Mobilfunknetze pro Land. Der Vergleich des jeweiligen Spitzenreiters und Schlusslichts untereinander spreche eine deutlichere Sprache: A1 in Österreich biete eine mittlere Download-Geschwindigkeit von 40,1 MBit/s – fast zehn MBit/s mehr als bei der Telekom und fast 20 MBit/s mehr als bei O2.

Ausbau der Infrastruktur macht sich in Deutschland bezahlt

Tutela zufolge verbrachten die Deutschen vor einem Jahr noch 30 Prozent der Zeit in einem alten 3G-Netz, mittlerweile seien es nur mehr 12,5 Prozent. Deutschland komme damit auf Platz zwei mit einer LTE-Verbindung zu 87,5 Prozent der Zeit und könne damit die Alpenrepublik im Vergleich zum letzten Jahr überholen. Zudem hätten deutsche Betreiber Initiativen wie das Active Network Sharing ergriffen, um 4G-Abdeckungslücken in weniger besuchten Gebieten zu schließen. Spitzenreiter bleibe weiterhin die Schweiz, wo Kunden zu über 90 Prozent der Zeit auch eine LTE-Verbindung hätten.

Hier zeige der Vergleich zwischen dem jeweiligen Spitzenreiter und Schlusslicht, dass das Feld näher zusammengerückt sei: Kunden von Swisscom hätten gut 91 Prozent der Zeit eine LTE-Verbindung. In Deutschland liege Vodafone vorn und biete zu rund 88 Prozent der Zeit LTE: O2 (88,1 %) und die Telekom (85,5 %) lägen dicht dahinter. Diese Zahlen seien aber mit Vorsicht zu genießen: Werde die gesamte mobile Nutzererfahrung betrachtet, führe die Telekom.

Telekom auch in puncto Netzabdeckung deutscher Spitzenreiter

Für den Report 2021 habe Tutela auch die Netzabdeckung untersucht und die relative Abdeckung der Anbieter in einem Land gemessen. Hierfür sei das geografische Gebiet, in dem die Nutzer eines Betreibers Empfang haben, mit dem gesamten Gebiet des Landes, in dem die Konsumenten eine mobile Verbindung haben, verglichen worden. Die von den einzelnen Betreibern abgedeckte geografische Fläche werde im Verhältnis zur gesamten abgedeckten Fläche des Landes als Punktzahl von 1.000 dargestellt.

In Deutschland habe die Telekom die größte relative Flächenabdeckung sowohl für 5G/4G mit 706 Punkten als auch für die Gesamtabdeckung mit 744 Punkten aufweisen können. Vodafone folge mit einer 5G/4G-Abdeckung von 638 Punkten auf dem zweiten Platz, 68 Punkte hinter der Telekom. O2 habe einen 5G/4G-Abdeckungsgrad von 568 Punkten erreicht – 138 Punkte hinter der Telekom. Auch bei der Gesamtabdeckung liege Vodafone auf Platz zwei mit 672 Punkten. Das Schlusslicht sei auch hier O2 mit 622 Punkten. In der Schweiz und Österreich führten jeweils die Swisscom und A1 die Liste souverän an.

Schnelleres Netz für alle

Sowohl die Telekom, Vodafone als auch O2 wollen bis zum Ende des Jahres ihre 3G-Netze abschalten. Die dadurch frei werdenden Frequenzen sollen für das 4G- bzw. neue 5G-Netz genutzt werden. Während der Ausbau des LTE-Netzes schleppend voran gegangen war und es auch zehn Jahre nach Einführung noch Funklöcher gebe, soll der Ausbau des 5G-Netzes schneller erfolgen. Aktuell würden beim Ausbau andere Länder im internationalen Vergleich vorn liegen – z.B. China oder 5G-Pionier Südkorea. Aber auch in Europa sei Deutschland nicht an der Spitze. Vor allem die skandinavischen Länder und die Schweiz seien hier führend. Das liege u.a. auch daran, dass diese Länder bereits früh auf die neue Technologie gesetzt haben.

Ein wichtiger Aspekt beim Ausbau des Mobilfunknetzes sei die verwendete Frequenz. Je tiefer die Frequenzen, desto größer die Reichweite, desto weniger Funkmasten seien nötig. Allerdings leide die Geschwindigkeit darunter, erst auf höheren Frequenzbändern könnten mehr Daten übertragen werden. Die Telekom nutze hierfür in Deutschland zwei Frequenzbänder: Mit den langwelligen 2,1-GHz-Frequenzen sollen große Flächen abgedeckt werden. In dicht besiedelten Regionen, wo es viele Funkmasten gibt, kämen 3,6-GHz-Frequenzen zum Einsatz. Ähnlich würde es Vodafone handhaben, allerdings mit einer dritten Frequenz (1,8 GHz) zusätzlich. Mit den 3,5-GHz-Frequenzen sei theoretisch eine Geschwindigkeit von 1.000 MBit/s möglich.

Die Verbesserung der Infrastruktur in Deutschland spiegle sich auch im Report „State of Mobile Experience DACH“ wider. Im Vergleich zu den Nachbarländern liege Deutschland aber dennoch zurück, weil auch Österreich und die Schweiz weiterhin in ihr Netz investierten. Mit der Umrüstung auf 5G und der Verbesserung des 4G-Netztes könnte der Abstand aber verkleinert werden. Das würde allen Kunden zugutekommen und die Nutzererfahrung verbessern.

Schweiz und Österreich bieten beste mobile Nutzererfahrung

Laut Tutela boten die Schweizer Mobilfunkanbieter ihren Kunden im Vergleich zu Österreich und Deutschland durchweg das beste Mobilfunkerlebnis. Deren Kunden hätten fast immer 1080p-Videos streamen, HD-Videoanrufe tätigen oder mobil spielen können. Österreich und Deutschland folgten auf den Plätzen zwei und drei. Bei der Bewertung der Netzverbindung bei Anwendungsfällen wie SD-Videostreaming, Social Media Sharing und Web-Browsing, seien Schweiz und Österreich mit 94,8 Prozent gleichauf auf Platz eins, Deutschland habe hier lediglich 89,2 Prozent erreicht.

„Mobilfunkteilnehmer in der gesamten DACH-Region erleben eine unglaublich gute Verbindungsqualität“, sagt Tom Luke, Vice President bei Tutela. „In jedem Land gab es auch einen Betreiber, der alle Bereiche komplett dominierte: A1 in Österreich, Telekom in Deutschland und Swisscom in der Schweiz. Diese Betreiber stellten damit ihre Fähigkeit unter Beweis, ihren Nutzern kontinuierlich das beste mobile Erlebnis zu bieten. Da die Betreiber weiterhin mit der Einführung von 5G und der Abschaffung von 3G voranschreiten, wie es in Deutschland in diesem Jahr der Fall ist, können die Nutzer in dieser Region darauf vertrauen, dass diese konsistenten und qualitativ hochwertigen mobilen Erfahrungen auch in Zukunft fortbestehen werden und durch den Ausbau der Infrastruktur sogar noch verbessert werden.“

Wie wird die mobile Nutzererfahrung bestimmt?

Die Download-Geschwindigkeit werde meist als wichtigstes Kriterium für die Netzwerkqualität gesehen. Der Download-Durchsatz sei laut den Experten von Tutela wichtig, aber nur eine von mehreren entscheidenden Anforderungen für eine „gute“ Verbindung. Deshalb seien mittlere Downloadraten beispielsweise nicht optimal geeignet, um die Qualität der Verbindung und damit die tatsächliche Nutzererfahrung zu erfassen. Daher habe Tutela seine Tests und Messungen so aufgebaut, dass sie die tatsächliche Performance erfassen – und nicht die maximale. Eine gute Verbindung sei eine Verbindung, die den Nutzern erlaubt, das zu tun, was sie tun wollen: Surfen im Web, Mobile Gaming, Verwenden von Apps, Telefonieren mit Kontakten, Streamen von Videos und Videoanrufe etc.

Um objektiv beurteilen zu können, wie gut Mobilfunknetzwerke ihren Nutzern erlauben, diese Dinge zu tun, habe Tutela einen Standard entwickelt, genannt Consistent Quality. Einfach ausgedrückt handele es sich um zwei Gruppen von Schwellenwerten, die Core und Excellent genannt werden. Eine Core-Verbindung sei gut genug für eine Gruppe von Anwendungsszenarien wie SD-Videostreaming, Web Browsing, E-Mails und VOIP-Anrufe, doch bei anspruchsvolleren Anwendungen sei es wahrscheinlich, dass es zu Verzögerungen oder Buffering kommt. Könne eine Verbindung den Excellent-Standard erreichen, sei sie für die Gruppe der anspruchsvollsten mobilen Anwendungsfälle, wie HD-Gruppen-Videoanrufe oder 1080p-Videostreaming, gut genug.

Methodik des Reports

Tutela führt eigenen Angaben zufolge DSGVO-konform Netzwerktests durch. Daten würden mithilfe von Software gesammelt, die in über 3000 Consumer-Apps eingebettet sei. Tutela habe so Zugriff auf ein globales Panel von über 300 Mio. Smartphone-Nutzern und könne rund um die Uhr die Qualität der mobilen Nutzererfahrung in der realen Welt messen. Die Netzqualität werde auf der Grundlage der realen Leistung der Mobilfunkkunden gemessen, einschließlich der Fälle, in denen ein Netz oder ein Tarif gedrosselt oder überlastet sein könne. Auch die Qualität der mobilen Nutzererfahrung von Kunden von Mobilfunkprovidern (Mobile Virtual Network Operators, MVNO) werde erfasst. Die Ergebnisse in diesem Report würden auf einer Testkonfiguration basieren, die so gestaltet sei, dass sie die typische (und nicht die maximale) Leistung darstellt, die die Benutzer erleben. Für die Durchführung des Download-Tests komme eine 2-MB-Datei, für Upload-Tests eine 1 MB-Datei zum Einsatz. Die Tests würden mit denselben Content-Delivery-Netzwerken durchgeführt, über die viele der weltweit beliebtesten Consumer-Apps laufen, und somit die End-to-End-Leistung des Netzwerks widerspiegeln.

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