Videokonferenzen sollen in jedem Unternehmen normal und finanzierbar werden

Logitech kauft Video-Conferencing-Spezialisten Lifesize Communications

13.11.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Künftig wird es die Marken Logitech und Lifesize unter einem Firmendach geben
Künftig wird es die Marken Logitech und Lifesize unter einem Firmendach geben

Für 405 Millionen Dollar in Cash will der Schweizer Anbieter von Computermäusen – und Tastaturen Logitech International den auf Videokonferenzen spezialisierten Anbieter Lifesize Communications übernehmen. Das in Austin, Texas, ansässige Unternehmen in Privatbesitz zählt nach eigenen Angaben mehr als 9.000 Video-Conferencing-Kunden in 80 Ländern und soll eine eigenständige Geschäftssparte bleiben.

Während Cisco, selbst Anbieter von Audio- und Videokonferenz-Lösungen, derzeit versucht, den Konkurrenten Tandberg zu übernehmen, will Logitech sein Portfolio erweitern. Bisher bietet der Hersteller aus der Schweiz lediglich Desktop-Systeme an.

Logitech-CEO und Präsident Gerald Quindlen sagt: „ Wir erwarten, dass die Akquisition uns in die Lage versetzen wird, unsere Marktführerschaft in punkto Video-Kommunikation über den Desktop hinaus zu etablieren.“ Gemeinsam könne man lebensähnliche Video-Kommunikation in HD-Qualität und zu einem unschlagbaren Preis so gestalten, dass sie einfach wie ein Telefon zu bedienen ist und als hauptsächliche Medium genutzt werden könne.

Die Lifesize/Logitech-Technik sieht er in Sitzungssälen, am Arbeitsplatz, am Heimarbeitsplatz und unterwegs vom Laptop aus. Der Zielmarkt soll aus kleinen, mittelgroßen und großen Unternehmen sowie öffentliche Organisationen bestehen. Neben Video-Systemen hat Logitech auch Unified Communications, Collaboration und VoIP im Blick.

Chancen für Lifesize und Logitech

Lifesize wurde im Jahr 2003 gegründet uns beschäftigt weltweit rund 300 Mitarbeiter. Run die Hälfte der Einnahmen erwirtschaftet Lifesize in Amerika, 30 Prozent in Europa, dem Nahen Osten und Nord-Afrika und 20 Prozent in asiatisch-pazifischen Raum. 76 Patente besitzt das Unternehmen. Die Produktion befindet sich in Malaysia.

Die Entwicklungszentren von Logitech befinden sich im schweizerischen Romanel-sur-Morges, in Cork, Ireland, Hsinchu, Taiwan, im chinesischen Suzhou, im kalifornischen Fremont und in Irvine, in Vancouver, Washington, Mississauga, Ontario und in Draper, Utah. Das Unternehmen gibt es seit 1981 und beschäftigt derzeit rund 8000 Mitarbeiter.

Der Schweizer Hersteller von Computerperipherie schätzt, dass Lifesize in diesem Jahr einen Umsatz von 90 Millionen Dollar erzielen wird. Im kommenden Jahr soll der Umsatz um 40 bis 60 Prozent steigen. Der Markt für Video-Communication im Enterprise-Segment wird laut Wainhouse Research in den kommenden fünf Jahren auf rund 4.6 Milliarden Dollar wachsen.

Die beiden Chefs sind sich einig: Logitech und Lifesize haben ein gemeinsames Potenzial.
Die beiden Chefs sind sich einig: Logitech und Lifesize haben ein gemeinsames Potenzial.

Quindlen kündigt an, dass Lifesize in Austin als eigenständige Sparte unter der Leitung des bisherigen CEOs Craig Malloy weiterarbeiten wird. Auswirkungen auf das Logitech-Ergebnis im Geschäftsjahr 2011 (bis 31. März 2011) erwartet er kaum. Die Übernahme werde sich gar nicht oder leicht positiv auswirken.

Der Logitech-Umsatz im Fiskaljahr 2009 beläuft sich auf 2.2 Milliarden Dollar. Nach Angaben des neuen Logitech-Finanzchefs Erik Bardman hat das Unternehmen Ende September 2009 liquide Mittel von 525 Millionen Dollar ausgewiesen. Insofern sei die Finanzierung aus den Cash-Beständen möglich. Zusätzlich bestehe die Option, Kredite von bis zu 150 Millionen Dollar zu nutzen.

In Deutschland zeigen sich die Lifesize-Mitarbeiter erfreut über den Deal. Andreas Wienold, Director of Sales EMEA, bekundet. „Unsere Mitarbeiter freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Logitech. Wir haben auch weiter die Möglichkeit, die Marke weiterzuentwickeln und auszubauen – mit dem Vorteil, dass wir jetzt Unterstützung von einem starken Partner bekommen.“ Drüber hinaus sähen auch Reseller und die Endkunden die Synergien zwischen L den beiden Unternehmen als Chance und seien vom Mehrwert überzeugt.

Die Konkurrenz sagt

Derweil kommt vom Lifesize-Konkurrenten Polycom ein durchaus positives Feedback auf die veränderte Marktsituation: Kay Ohse, Area Sales Vice President bei Polycom sagt: „Die Ankündigung von Logitech, Lifesize zu übernehmen ist ein weiterer Beweis, dass die visuelle Kommunikation ein immer wichtigerer Bestandteil unseres Geschäftslebens wird. Lifesize ist einer der letzten unabhängigen Anbieter von professionellen Videokonferenz-Lösungen, der sich nun strategisch anbindet.“ Für Polycom und seine Partner indes ergäben sich aus den Entwicklungen neue Möglichkeiten, da nun Polycom als einzig unabhängiger Anbieter mit einem breiten Angebot – von Enterprise- bis zu SMB-Lösungen – auf dem Markt bestehen bleibe.

Wie geht es Cisco mit Tandberg?

Derweil hakt die Übernahme von Tandberg durch Cisco. Doch die Tandber-Aktionäre leisten Widerstand, so dass bis zum Anfang dieser Woche erst Genehmigungen für den Kauf von 9,37 Prozent der Anteile vorlagen. Geboten sind derzeit drei Milliarden Dollar. Die Cisco Offerte gilt noch bis zum 18. November.

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