Großes Theater für SDN & OpenFlow World Congress 2013

Konferenz zeigt Glanz und Tücke von SDN

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Der Kongress dokumentierte aktuelle Trends und Visionen für Software-Defined Networking.
Der Kongress dokumentierte aktuelle Trends und Visionen für Software-Defined Networking. (Bild: Srocke)

Mit dem Interesse an Software-defined Networking (SDN) ist auch der SDN & OpenFlow World Congress gewachsen. Präsentiert wurden diesmal künftige OpenFlow-Techniken, alternative Controller-Ansätze und Ideen für Ökosysteme.

Beinahe respektlos hatten die Teilnehmer des diesjährigen SDN & OpenFlow World Congress vom 15. bis zum 18. Oktober weite Teile des Kurhauses Bad Homburg besetzt, darunter auch den Saal des Kurtheaters. Statt Komödien gab es auf der dortigen Bühne aber Referenten, Podiumsdiskussionen und laut lärmendes Rechenzentrumsequipment zu sehen. Verglichen mit dem Vorjahr dauerte die diesjährige Veranstaltung einen Tag länger; die Zahl registrierter Teilnehmer verdoppelte sich laut offizieller Darstellung auf über 700.

SDN-Fürsprecher sehen Fortschritte

Und auch sachlich hat sich die SDN-Gemeinde offenbar weiterentwickelt. Mark Lum, Chair SDN World Congress Co-Founder & Market Lead des Veranstalters Layer123, brachte es während seiner Eröffnungsansprache auf den Punkt: Sei es im Vorjahr noch um eine grundlegende Annäherung an das Konzept SDN gegangen, stünden nun die Fragen nach dem "Warum" und "Wann" im Raum. Dan Pitt, Executive Direktor des Mitveranstalters Open Networking Foundation (ONF), ging indes noch einen Schritt weiter. Das von Lum in der Zukunft verortete "Wie" einer Umsetzung sei schon jetzt ein Thema.

In seiner Keynote zeichnete Pitt das Bild einer Technik, die es – auch oder gerade in der Werbung – bereits in den Mainstream geschafft habe. Der ONF selbst schrieb er unter anderem folgende Erfolge zu: Die kürzlich veröffentlichte OpenFlow-Versionen 1.4 und 1.3.x sowie ein Konformitätsprogramm. Zudem habe man verschiedene neue Arbeitsgruppen gegründet: Für Migration, Optical Transport, Wireless & Mobile und – nach langem Widerstand auch für NBI, ein Northbound Interface.

Tücken komplexer Software

Zweifel an einer problemlosen Migration in die schöne neue SDN-Welt provozierte dagegen Moderator Ray Mota von ACG Research auf einer Podiumsdiskussion mit Vertretern verschiedener Hersteller und Dienstleister. Antworten und Handlungsratschläge lieferte unter anderem Justin Dustzadeh, CTO und VP Technology Strategy, Networks bei Huawei Technologies. Erstens sollten Netzbetrieber ihre Geschäftsziele mit Herstellern besprechen und auf technische Ebene herunterbrechen. Zudem sollten Anwender ihre Ausrüster in die Pflicht nehmen: Das Equipment müsse nachweislich mindestens mit den Systemen eines Drittanbieters zusammenarbeiten. Bryan Stiekers – Chief Technologist, SDN & Cloud Networking, HP Networking Advanced Technology Group – ergänzte, dass sich Software-basierte Systeme immerhin vergleichsweise leicht reparieren ließen.

Einen etwas kontroverseren und interdisziplinären Blick auf Software-gesteuerte Infrastrukturen leistete sich David Meyer – seines Zeichens nicht nur CTO and Chief Scientist bei Brocade, sondern auch Director des Advanced Technology Center der University of Oregon. Die These: Je robuster Software gestaltet wird, desto mehr steigt die Komplexität und die Gefahr von Schwachstellen an anderer Stelle. Dieses Konzept des "robust yet fragile" wohne nicht nur allen biologischen, sondern auch allen fortgeschrittenen technischen Systemen inne und bleibt in der Regel größtenteils unsichtbar.

Technische Demos

Neben der Hauptbühne im Kurtheater fand das dicht gepackte Vortragsprogramm des Kongresses übrigens in weiteren Nebensälen statt. Die Schwerpunkte lauteten hier "SDN Cloud & Datacentre Forum", "SDN Innovation Forum" oder "NFV Forum" zum Thema Network Functions Virtualization. Praktisch ging es zudem auf der Ausstellungsfläche des SDN & OpenFlow World Congress 2013 zu.

Huawei präsentierte hier beispielsweise eine Live-Demo des selbst vorgeschlagenen Verfahrens Protocol Oblivious Forwarding (POF). Geht es nach dem Hersteller, dann könnte POF irgendwann einmal in Version 2.0 des OpenFlow-Standards einfließen. Das European Advanced Networking Test Center (EANTC) zeigte derweil, wie gut SDN-Lösungen einzelner Hersteller miteinander funktionieren. Eher Evolutionsschritte als eine Revolution gab es bei NEC zu bestaunen – der Netzwerkausrüster hatte bereits im Vorjahr gezeigt, wie flexibel Software-Defined Networks erstellt werden können. Diesmal führte man eine für Rechenzentren interessante Integration mit OpenStack vor.

Alternative Controller in Planung

Nicht nur auf dem NEC-Stand auffällig platziert war ein Werbeschild des neuen Branchenlieblings OpenDaylight. Ziel des herstellerübergreifend unterstützten Projektes ist ein Open-Source-Controller, dessen Version 1.0 noch für Ende 2013 erwartet wird. Phil Robb – Director Networking Solutions, The Linux Foundation – gab sich im Gespräch mit IP-Insider optimistisch: Wie schon beim Betriebssystem Linux könne die geballte Kraft vieler eine Lösung schaffen, die proprietäre Produkte leicht abhängt. Unklar blieb jedoch, was die einzelnen Hersteller mit der Lösung vorhaben. Fraglich ist also, ob und wie Anbieter den offenen Code mit eigenen APIs abändern oder wie offen aufsetzende Marktplätze für die Apps gestaltet werden, die auf dem Controller laufen.

Unabhängig davon hatte das koreanische Electronics and Telecommunications Research Institute (ETRI) eine rekursive SDN Controller-Plattform auf Java-Basis vorgestellt. Der IRIS genannte Controller-Ansatz soll sich insbesondere für Migrationsszenarien eignen.

Weitere Informationen zum SDN & OpenFlow World Congress 2013 gibt es online. Die Veranstaltung soll im Oktober 2014 erneut stattfinden; der Ableger für den APAC-Raum ist bereits für Juni 2014 in Hong Kong geplant.

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