Deutschland muss handeln, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben

Kein wirtschaftlicher Fortschritt ohne Breitbandausbau

| Autor / Redakteur: Eugen Gebhard / Andreas Donner

Breitbandinternet stand im Jahr 2013 nur in rund zwei Dritteln der deutschen Haushalte zur Verfügung.
Breitbandinternet stand im Jahr 2013 nur in rund zwei Dritteln der deutschen Haushalte zur Verfügung. (Bild: James Thew – Fotolia.com)

Deutschland hinkt beim Breitbandausbau hinterher und droht im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren. Die Bundesregierung muss ihren Ankündigungen nun Taten folgen lassen, denn der Breitbandausbau ist entscheidend für den wirtschaftlichen Fortschritt in Deutschland.

Im Sommer ist der Ausbau der Breitbandnetze wieder in die öffentliche Diskussion in Deutschland zurückgekehrt. Laut Breitbandatlas 2013 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) haben heute fast 65 Prozent der deutschen Haushalte Zugriff auf einen Breitbandanschluss. Dies ist sicherlich ein Fortschritt, heißt aber auch, dass fast ein Drittel der Haushalte noch keinen Zugang zu dieser wichtigen Ressource hat.

Mehr Breitband, höheres BIP

Laut der neuen ?Digitalen Agenda? der Bundesregierung sollen bis 2018 flächendeckend Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 MBit/s erreicht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der weitere Ausbau gefördert werden. Dies ist keine leichte Aufgabe: Die Deutsche Telekom schätzt, dass der Ausbau rund 25 Mrd. Euro kosten wird. Jedoch sollte dabei nicht vergessen werden, dass Breitbandinternet weit mehr ist als schnelles Surfen im Internet ? der wirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand. So hat eine Untersuchung der UNESCO/ITU Broadband Commission gezeigt, dass jede Steigerung der Breitbandabdeckung eines Landes um zehn Prozent ein zusätzliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent nach sich zieht.

Als Beleg für die wirtschaftliche Bedeutung lassen sich zahlreiche Beispiele anführen, allen voran die zunehmende Bedeutung des elektronischen Handels in den letzten Jahren. Nach Angaben des Bitkom kaufen heute 94 Prozent der Internetnutzer über 14 Jahre online ein. Das sind mehr als 50 Mio. Deutsche. Bis Ende 2014 werden mit E-Commerce fast 39 Mrd. Euro Umsatz erzielt und mit Zalando ging kürzlich eines der erfolgreichsten deutschen Start-ups an die Börse – mit dem Verkauf von Schuhen und Kleidung im Internet.

Wachsender Markt für Video-Streaming

Auch die zunehmend intensive Nutzung von Cloud-Services im Business- und Consumer-Sektor treibt die Nachfrage nach Breitbandinternet an. Beispielhaft sind hier neue Entertainmentangebote wie Netflix, das kürzlich in den bereits hart umkämpften Markt für Video-Streaming in Deutschland eingestiegen ist und den Wandel und Innovation im Medienmarkt der Zukunft weiter vorantreibt. So veröffentlichten Bitkom und Deloitte im September eine Prognose, dass sich das Geschäft mit Video-Streaming bis zum Jahr 2020 vervierfachen wird. Ein durchschnittlicher Netflix-Abonnement verbraucht momentan monatlich 45 GB an Daten – das ist nur mit einer Hochgeschwindigkeitsverbindung möglich.

Chancen für Bildungswesen

Eugen Gebhard ist Regional Carrier Sales Director EMEA beim Netzwerkspezialisten Ciena.
Eugen Gebhard ist Regional Carrier Sales Director EMEA beim Netzwerkspezialisten Ciena. (Bild: Ciena)

Nicht zuletzt ist Breitbandinternet auch von entscheidender Bedeutung für das Bildungswesen. Großbritannien kann hier als Vorbild für andere europäische Länder dienen: Bereits in der Grundschule werden die Kinder in den Fächern Informatik und Programmierung unterrichtet. Dabei geht es nicht etwa darum, eine ganze Nation potenzieller Software-Entwickler heranzuziehen. Vielmehr sollen die Kinder frühzeitig lernen, wie das Internet funktioniert und wie sie mit den damit verbundenen Datenfluten umgehen können. In der heutigen Informationsgesellschaft sind diese Kenntnisse entscheidend für den späteren Erfolg. Allerdings müssen die Schüler nicht bis zur Berufstätigkeit warten, um diese Fähigkeiten nutzen zu können. Neue Konzepte des E-Learnings, die beispielsweise Videokonferenzen oder Online-Videos einbeziehen, ermöglichen völlig neue Formen des Unterrichts – aber nur für diejenigen, die eine Schule in einem Gebiet mit Breitbandabdeckung besuchen. Schüler in Ballungsräumen haben damit einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Altersgenossen in ländlichen Gebieten – ein unhaltbarer Zustand in einer Gesellschaft, die auf Wissen, Innovation und Information aufbaut.

Daher ist es gut, dass die Debatte über den Breitbandausbau wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Die Diskussion darüber ist notwendig und muss intensiv weitergeführt werden. Schließlich hängen Erfolg und Wohlstand dieses Landes auch von der Verfügbarkeit von Breitbandinternetverbindungen ab.

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