„Mainstream“ SD-WAN, regionale Netzwerkdienste im Kommen

IT-Trend 2016: weg mit alten Zöpfen

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Silver-Peak-CEO David Hughes glaubt, dass die Themen „Software-Defined WAN“ und „regionale Netzwerkdienste“ das IT-Jahr 2016 prägen werden.
Silver-Peak-CEO David Hughes glaubt, dass die Themen „Software-Defined WAN“ und „regionale Netzwerkdienste“ das IT-Jahr 2016 prägen werden. (Bild: Silver Peak)

2016 werden Software-Defined WANs eine zentrale Rolle spielen, da Unternehmen einfach und kostengünstig Weitverkehrsdienste nutzen und in Außenstellen IT-Services bereitstellen möchten, etwa über eine Cloud oder unternehmenseigene Datacenter. Dies prognostiziert Silver-Peak-CEO David Hughes.

Nach Ansicht von David Hughes wird 2016 das Jahr des Software-Defined WAN (SD-WAN) werden. Außerdem sieht der Gründer und CEO des WAN-Spezialisten Silver Peak Breitband-Mobilfunkverbindungen auf Basis von 4G/LTE, softwarebasierte Netzwerkprodukte, die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen, regionale Netzwerkdienste und Hyperconverged-Systeme im Kommen.

Software-Defined WANs machen Internet-Links Beine

Hughes zufolge werden SD-WANs im kommenden Jahr auf breiter Basis implementiert. Auf diese Weise könnten Unternehmen vorhandene Weitverkehrsnetze auf Grundlage von Multi-Protocol Label Switching (MPLS) um Breitband-Internetverbindungen ergänzen. Das Resultat sei ein Hybrid-MPLS-Internet-WAN. Es sei sogar denkbar, Niederlassungen und Filialen mithilfe eines redundanten Breitband-Internet-WAN an die Unternehmenszentrale anzubinden. Teure und wenig flexible MPLS-Netze würden damit überflüssig. Funktionen wie dynamische Pfadkontrolle (Dynamic Path Control) und die benutzerfreundliche „Zero-Touch“-Implementierung machten es einfach, solche SD-WANs mit doppelter Internetanbindung einzurichten und zu verwalten. Dadurch würde die Verfügbarkeit von IT-Services an die 99,99 Prozent betragen, und das bei niedrigeren Kosten als bei einer MPLS-Infrastruktur.

Mit 4G/LTE-Mobilfunk Außenstellen anbinden

Breitband-Mobilfunkverbindungen auf Basis von 4G/LTE (Long Term Evolution), so Hughes, werden verstärkt in Niederlassungen genutzt. Dies sei etwa dann der Fall, wenn Mitarbeitern umgehend eine Datenverbindung zum Firmenrechenzentrum benötigten. 4G lasse sich zudem als Reserveverbindung einrichten, für den Fall, dass die WAN-Verbindung einmal ausfallen sollte. Auf diese Weise könnten Unternehmen jederzeit den Zugriff auf unternehmenskritische Applikationen sicherstellen.

Netzwerksysteme werden zu Software

Bereits 2015 sei der Trend zu beobachten gewesen, dass immer mehr Hersteller von Netzwerksystemen softwarebasierte Versionen ihrer Produkte auf den Markt bringen, etwa als Virtual Machines. Diese Entwicklung werde sich 2016 fortsetzen. Mittlerweile lieferten einige Anbieter bis zu 75 Prozent ihrer Lösungen in Form von Software aus, mit steigender Tendenz.

Service-Provider nutzen NFV

In Unternehmensnetzen ist es Software-Defined Networking (SDN), in den Infrastrukturen von Service-Providern heißt es Network Function Virtualization (NFV) – beide Technologien verfolgen ähnliche Ziele: die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen mithilfe von Software. Nach Ansicht von Hughes werden Telekommunikationsunternehmen und Service-Provider in kommenden Jahren verstärkt auf NFV zurückgreifen, um Services schneller und variabler bereitstellen zu können. Dasselbe Ziel verfolgten Unternehmen mit SDN.

Netzwerkdienste kommen zum Nutzer

Hughes zufolge haben IT-Abteilungen bislang zwei Optionen, um Firewalls oder Unified-Communications-Services zu Nutzern in Niederlassungen oder Tochterunternehmen zu bringen: Sie implementieren entsprechende Lösungen direkt vor Ort – das führe zu höheren Managementkosten – oder sie stellen solche Dienste zentral über Rechenzentren zur Verfügung – das mache zwar das Management einfacher, wirke sich jedoch oft negativ auf die Produktivität der Mitarbeiter in den Außenstellen aus. Der Grund: Überlastete WAN-Verbindungen zum Rechenzentrum führten zu Wartezeiten und machten Applikationen „träge“. Die Lösung seien regionale, über „Network Hubs“ in der Nähe der Niederlassungen bereitgestellte Netzwerkservices. Diese Hubs könne das Unternehmen in Eigenregie betreiben oder dies an einen Dienstleister auslagern.

Ein Beispiel dafür sei Zscaler. Dieses Unternehmen bietet Hughes zufolge „Security-as-a-Service“-Leistungen über 100 regionale Hubs an. Vergleichbare Dienste im Bereich „Unified Communications as Service“ (UCaaS) würden z.B. Orange Business Services, 8x8 und HP zur Verfügung stellen. Auch Cloud-Service-Provider wie Microsoft mit Azure, Amazon Web Services und Rechenzentrumsbetreiber wie Equinix hätten Hubs in Regionen wie Deutschland aufgebaut. Solche Network Hubs ermöglichten es Unternehmen, SD-WANs aufzubauen. Diese Weitverkehrsnetze würden nicht nur die Unternehmensstandorte umfassen, sondern auch den Zugang zu Cloud-Diensten wie Software-as-a-Service und Infrastructure-as-a-Service ermöglichen.

Dezentraler Zentralismus: SD-WAN und Hyperconvergence

Erhebliche Änderungen seien 2016 bei der Anbindung von Außenstellen an zentrale IT-Dienste zu erwarten. Kostspielige Integrated Services Router werden Hughes zufolge ausgemustert. In kleineren und mittelgroßen Niederlassungen würden kostengünstige, schnell und einfach zu implementierende SD-WAN-Edge-Systeme an ihre Stelle treten und die Außenstelle mit dem Unternehmensrechenzentrum oder einem Network Hub verbinden. In größeren Niederlassungen werden seiner Meinung nach dagegen Hyperconverged-Systeme zum Zug kommen, etwa von Anbietern wie Nutanix. Solche Lösungen, die Rechenleistung und Storage-Ressourcen mit virtualisierten Netzwerkfunktionen in einem System vereinen könnten, würden eine komplexe IT-Infrastruktur in Außenstellen überflüssig machen.

Service-Provider setzen auf gemanagte SD-WAN-Lösungen

Immer mehr Service-Provider werden erkennen, so Hughes, das MPLS-Netze nicht mehr ausreichen, und ihre Angebotspalette um gemanagte SD-WANs erweitern. Pioniere wie Interoute, die bereits heute auf dieses Modell setzen, werden 2016 Gesellschaft bekommen, auch von renommierten Anbietern. Dazu werde nicht zuletzt der Wunsch ihrer Kunden beitragen, eine preisgünstige und flexible Alternative zu MPLS-Netzen zu bekommen.

Power-Tools für die Netzwerkanalyse

IT-Fachleute sehen sich mit einer wachsenden Menge von Daten konfrontiert, die den „Gesundheitszustand“ eines Netzwerk und von IT-Services dokumentieren. Hughes prognostiziert, dass 2016 leistungsfähigere Verfahren für die Analyse und Auswertung dieser Informationen auf den Plan treten werden. Mit ihrer Hilfe könnten Administratoren ermitteln, welche Netzwerkressourcen und Anwendungen genutzt werden und welche Trends sich dabei abzeichnen. Außerdem würden solche Tools bei der Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“, also den Ursachen von Probleme mit dem Netzwerk oder Applikationen, helfen. Angesichts der zig Gigabyte von Daten, die dabei untersucht werden müssten, seien solche Werkzeuge unverzichtbar.

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