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Hohe Dunkelziffer beim Arbeitszeitverlust IT-Ausfälle am Arbeitsplatz und ihre Folgen

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

IT-Probleme und Mängel in der digitalen Arbeitsumgebung können Unternehmen Millionen US-Dollar durch verlorene Arbeitszeit kosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag von Nexthink und warnt: Viele IT-Führungskräfte haben die Brisanz der Situation noch gar nicht erkannt.

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Programmabstürze und andere kleine Unzulänglichkeiten in der IT sind für Mitarbeiter fast zur Gewohnheit geworden.
Programmabstürze und andere kleine Unzulänglichkeiten in der IT sind für Mitarbeiter fast zur Gewohnheit geworden.
(Bild: © – PR Image Factory – stock.adobe.com)

Mitarbeiter verlieren bei IT-bezogenen Problemen im Schnitt jedes Mal etwa 28 Minuten (Deutschland: 25 Min.) – dies besagt The Experience 2020 Report: Digital Employee Experience Today [registrierungspflichtig], durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Vanson Bource. Laut Berechnungen von Nexthink könnten einem Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern dadurch jährliche Kosten von rund 25 Mio. US-Dollar entstehen.

Die Studie mache zudem deutlich, dass IT-Entscheider – im internationalen Durchschnitt wie auch in Deutschland – davon ausgehen, dass Mitarbeiter mit etwa zwei IT-Problemen pro Woche konfrontiert seien und damit im Jahr rund 50 Stunden verlieren würden. Da jedoch nur gut die Hälfte der IT-Probleme gemeldet werde, seien die realen Zahlen wohl knapp doppelt so hoch – es gehe an die 100 Stunden oder umgerechnet über zwei Wochen pro Jahr. Dies führe zu einem Teufelskreis: Mitarbeiter versuchen, ihre IT-Probleme selbst zu lösen, statt sich an die IT-Abteilung zu wenden, die zu wenig Einblick in die tatsächliche Art und Weise der Nutzung bereitgestellter Technologien hat.

Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zwischen IT-Abteilungen und Mitarbeitern, die zu 84 Prozent (in Deutschland 83 Prozent) der Ansicht seien, dass ihr Unternehmen durchaus mehr zur Verbesserung der digitalen Arbeitsumgebung unternehmen könnte. Die wichtigsten Anliegen seien dabei für die Befragten aus Deutschland eine verbesserte Effizienz im Tagesgeschäft (54 %), höhere Motivation und Engagement der Mitarbeiter (48 %) und positive Effekte auf die Profitabilität (41 %).

Dagegen, so die Studie, gehen die IT-Führungskräfte davon aus, dass die Mitarbeiter zu 90 Prozent (Deutschland zu 89 %) mit der Technik am Arbeitsplatz zufrieden sind.

Die Ironie liege darin, dass innovative IT-Führungskräfte das Problem noch verschärfen – durch die Einführung neuer Technologien und digitale Transformationsprojekte, ohne eine genaue Vorstellung vom Erfolg dieser Maßnahmen zu haben: Kann die IT-Abteilung nicht messen, wie neue Technologien den Alltag der Mitarbeiter beeinflussen, können diese die digitale Arbeitsumgebung weiter beeinträchtigen.

Weitere Kernergebnisse der Nexthink-Studie:

  • Bleiben IT-Probleme unerkannt, wird es nur schlimmer: 79 Prozent der Befragten (81 % aus Deutschland) gaben an, dass nicht gemeldete IT-Vorfälle immer zu noch größeren Problemen führen.
  • Die digitale Benutzerfreundlichkeit ist für das gesamte Unternehmen wesentlich: 82 Prozent (Deutschland 79 %) erachten digitale Benutzerfreundlichkeit als sehr wichtig bis hin zu erfolgsentscheidend.
  • Es fehlt an Erfolgskontrollen von IT-Rollouts: Im Schnitt haben nur 56 Prozent (Deutschland 49 %) der IT-Abteilungen Einblicke in den Erfolg von Rollouts neuer Technologien; 58 Prozent (Deutschland 54 %) können deren Akzeptanz und Nutzung einschätzen und 45 Prozent (Deutschland 42 %) wissen um die Probleme, die Mitarbeiter mit deren Einsatz haben.
  • IT-Probleme am Arbeitsplatz sind üblich: 61 Prozent der Befragten (59 % aus Deutschland) gaben an, dass IT-Ausfälle zum Alltag in ihrem Unternehmen gehören.

„In vielen Unternehmen sind IT-Probleme an der Tagesordnung“, sagt Jürgen Rohr, Area Vice President Deutschland bei Nexthink. „Allein die vielen kleinen Unzulänglichkeiten in der IT sind für Mitarbeiter fast zur Gewohnheit geworden – seien es die endlosen Minuten beim Booten des Rechners, instabile Internetverbindungen, Programmabstürze oder plötzlich startende Updates. Solche Dinge werden oft als unvermeidlich angesehen, kosten Zeit und Nerven, doch niemand erfasst sie, keine Meldung geht an die IT-Abteilung. Die Produktivität bei Einzelnen wie auch über ganze Prozesse hinweg sinkt sowie auch die Bereitschaft für Innovationen – die womöglich weitere Probleme bringen. Dies beeinträchtigt ab einem gewissen Maß die Unternehmenskultur und letztlich den Unternehmenserfolg insgesamt. Hinzu kommt, dass derzeit viele von Zuhause aus arbeiten – die Probleme sind aktuell daher wohl noch größer, als es die vorliegende Studie zeigt.“

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