Studie: Neue Technologien begünstigen Geschäftsentwicklung bei KMU

IT als Wachstumstreiber für den Mittelstand

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Der deutsche Mittelstand könnte seinen Umsatz steigern und 670.000 neue Jobs schaffen, wenn stärker auf moderne IT gesetzt würde.
Der deutsche Mittelstand könnte seinen Umsatz steigern und 670.000 neue Jobs schaffen, wenn stärker auf moderne IT gesetzt würde. (Bild: Microsoft / Boston Consulting Group)

Kleine und mittelständische Unternehmen, die neueste Technologien einsetzen, steigern ihre Umsätze und die Anzahl neuer Arbeitsplätze schneller als Wettbewerber. Dies belegt eine Studie der Boston Consulting Group.

Einer im Auftrag von Microsoft erstellten unabhängigen Studie der Boston Consulting Group (BCG) zur Technologienutzung in fünf Industrie- und Schwellenländern zufolge schaffen technikaffine Mittelständler fast doppelt so schnell Arbeitsplätze wie Unternehmen, die sich beim Einsatz neuer Technologien zurückhalten. Gerade Technologieführer in aufstrebenden Schwellenländern würden durch die Nutzung neuer IT-Lösungen deutlich schneller wachsen als Firmen in den USA oder Deutschland.

Welche Auswirkungen haben neue Technologien auf die Leistungsfähigkeit kleinerer Unternehmen? Gibt es einen messbaren Zusammenhang zwischen IT-Nutzung und Unternehmenserfolg? Inwieweit beeinflusst die Einstellung mittelständischer Entscheider zu moderner Technik die Entwicklung ganzer Volkswirtschaften? Hierzu hat die Boston Consulting Group 4.000 Entscheider – zumeist Inhaber oder Firmengründer – in Brasilien, China, Indien, den USA und Deutschland befragt. Untersucht wurden drei Kategorien von Unternehmen: Die „Technologieführer“ setzen auf das mobile Internet und cloudbasierende Services. „Mitläufer“ nutzen zwar das Internet, nicht aber mobile Web-Anwendungen oder Cloud-Services. Die „Nachzügler“ betreiben keine eigene Webseite und nutzen keine modernen Kommunikationstools.

Mit moderner IT wachsen KMU deutlich schneller

Das zentrale Ergebnis: KMU, die auf moderne IT setzen, wachsen deutlich schneller und schaffen mehr Arbeitsplätze als Unternehmen, die sich beim Einsatz neuer Technologien zurückhalten. „In Deutschland, aber auch in anderen Ländern erbringen kleine und mittlere Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung. Häufig sind sie die wichtigsten Treiber für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum“, sagt Michael Rüßmann, Partner und Leiter der BCG-Praxisgruppe Technology, Media and Telecommunications in Deutschland und Österreich. „Dadurch bieten sich große Chancen für KMU und politische Entscheidungsträger weltweit. Ein Zuwachs an Technologieführern könnte die Wirtschaft zusätzlich ankurbeln und die Innovationskraft der Länder stärken.“

In Deutschland haben die Technologieführer unter den KMU zwischen 2010 und 2012 zehn Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen und ihren Umsatz um 16 Prozentpunkte mehr gesteigert als die Nachzügler. Würden drei von zehn Mitläufern und nur jeder zehnte deutsche Nachzügler auf neue IT umsteigen, so die Studie, könnten 670.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und 110 Mrd. Euro zusätzlich umgesetzt werden. „Die Studie zeigt deutlich: Wir brauchen mehr Technologieführer in Deutschland“, sagt Christian P. Illek, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland und sieht hier auch die künftige Große Koalition in der Pflicht: „Es ist gut, dass die künftige Bundesregierung Deutschland als digitales Wachstumsland Nr. 1 in Europa sieht. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss die Große Koalition einiges tun: Breitbandausbau, eine bessere Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und ein innovationsfreundliches Gründerklima sind nur einige der wichtigen Agendapunkte. Vor allem muss die Politik aber gemeinsam mit der IT-Wirtschaft das verlorengegangene Vertrauen in Datenschutz und die Sicherheit von IT-Technologien zurückgewinnen.“

Deutschland hinkt bei Cloud-Nutzung hinterher

Nach der Studie mit dem Titel „Der Zeit voraus“ ermöglichen Cloud-Services kleineren Unternehmen, IT-Leistungen zu nutzen und anzubieten, die früher nur für Großkonzerne finanzierbar waren. „KMU können dank Cloud-Services auf Technologien und Anwendungen zugreifen, die zuvor aufgrund hoher Kosten nur großen Konzernen vorbehalten waren – sie haben damit die Chance ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen“, so Jean-Philippe Courtois, Präsident von Microsoft International. „Die Studie belegt, dass KMU auf der ganzen Welt diese auch nutzen“. So waren in Brasilien, China und Indien die Technologieführer unter den KMU schneller bereit, die neuesten Technologien einzusetzen als die befragten Unternehmen in den Industrienationen – und sie legten gleichzeitig ein deutlich stärkeres Wachstum vor. Zu ähnlichen Ergebnissen sei im vergangenen Jahr bereits eine Untersuchung der Business Software Alliance gekommen: Der Branchenverband habe nachgewiesen, dass eine Reihe von Schwellenländern die führenden Industriestaaten bei der Nutzung von Cloud-Services bereits überholt hätten. Christian Illek: „Deutschland hinkt bei der Cloud-Nutzung um 18 bis 24 Monate hinterher.“

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