Eine Erfolgsgeschichte kommt umsatzträchtig zu ihrem Ende

ISDN macht Platz für All-IP

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Andreas Donner

ISDN – eine deutsche Erfolgsgeschichte kommt zu ihrem Ende.
ISDN – eine deutsche Erfolgsgeschichte kommt zu ihrem Ende. ( © laufer - Fotolia)

Die deutsche Bundespost hat ISDN im Jahr 1989 eingeführt und zu einer Erfolgsgeschichte gemacht. Der Post-„Nachfolger“ Telekom verabschiedet sich davon und treibt die Umstellung zum ISDN-Nachfolger All-IP voran. Aus der Perspektive von ITK-Dienstleistern und Systemhäusern geht das mit jeder Menge Migrations­geschäft im Netzwerkumfeld einher.

ISDN ist eine Erfolgsgeschichte, die ihrem Ende zugeht. „Integrated Services Digital Network“ ist eigentlich ein internationaler Standard für ein digitales Telekommunikationsnetz, allerdings vor allem eine Erfolgsgeschichte in Deutschland. Mitte der 80er Jahre gab es in Europa Befürchtungen, dass man gegenüber den USA und Japan in puncto Kommunikations­infrastruktur zurückbleiben werde, wenn weiterhin nationale, staatsmonopolistische Ansätze verfolgt würden. Der Weg nationaler Sonderlösungen sollte beendet werden.

Erfolgsgeschichte der Deutschen Bundespost

Im Jahr 1988 gründete die EG-Kommis­sion das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI), damit paneuropäisch gemeinsame Standards für Digitaltelefonie erarbeitet werden konnten. Bereits 1989 wurde der DSS1-Standard (Euro-ISDN) veröffentlicht, um nationale ISDN-Systeme zu vereinheitlichen. 1993 wurde Euro-ISDN durch ein „Memorandum of Understanding“ implementiert. In Deutschland startete der ­Betrieb eines „nationalen ISDN“ (1TR6-Standard) im Jahr 1989 durch die Deutsche Bundespost. Faktisch war die Deutsche Bundespost damit der Vorreiter für ISDN in Europa. Symbol für die ISDN-­Affinität in Deutschland ist eine eigene Briefmarke für diesen TK-Standard (siehe Aufmacherbild).

Vorratsdatenspeicherung wird möglich

Doch trotz aller Begeisterung für die Digitalisierungstechnologie begleiteten damals auch kritische Stimmen die flächendeckende Einführung. ISDN ermögliche die Erfassung und Speicherung sämtlicher Verbindungsdaten, so die Befürchtung. Aus dieser Perspektive betrachtet war ISDN der technische Vorreiter der Vorratsdatenspeicherung.

Erste und zweite Postreform

1989, in dem Jahr, in dem das „nationale ISDN“ startete, wurde im Rahmen der ersten Postreform das so genannte „öffentliche Unternehmen“ namens „Deutsche Bundespost Telekom“ gegründet, welches 1994 im Zuge der zweiten Postreform zur „Deutsche Telekom AG“ privatisiert wurde. Diese „Telekom“ als Nachfolger der deutschen Bundespost ist es auch, die „All-IP“ als Nachfolger von „ISDN“ einführt. 2018 ist Zieltermin für den Umstieg von ISDN auf die IP-basierte Kommunikation All-IP. Durch Vertragsanpassungen wird der Wechsel schneller als von der Bundesnetzagentur prognostiziert erfolgen.

Probleme bei der Umstellung

Die Umstellung hin zum ISDN-Nachfolger All-IP erfolgt zwar schnell, aber alles ­andere als reibungslos. So berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), dass die Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur die Vorgehensweise der Telekom-Callcenter samt deren Subunternehmen kritisiert habe. Sie würden „zum Teil unnötigen Druck auf Endkunden ausüben“. Den Kunden werde eingeredet, dass sie an einem schnellen Wechsel nicht vorbeikämen, obwohl die Umstellung bei ihnen noch gar nicht anstehe. Hintergrund seien bis zu 300 Beschwerden pro Monat, so die FAZ. Auch die Verbraucherzentralen berichten über ­eine Beschwerdeflut. An diesen Beschwerden gemessen erfolgt die Umstellung also zu schnell.

Ergänzendes zum Thema
 
All-IP – der ISDN-Nachfolger kommt bis Ende 2018

IP setzt sich durch

Zwar waren die häufigsten Anschlüsse bei den Festnetzen 2014 nach wie vor Analog­anschlüsse, so die Bundesnetzagentur im aktuellen Jahresbericht 2014, aber ihre ­Anzahl ging um rund 16 Prozent auf schätzungsweise etwa 12 Millionen zurück. Im selben Jahreszeitraum reduzierte sich der Bestand an ISDN-Basisanschlüssen auf gut 7,6 Millionen, was ebenfalls einem Rückgang von rund 16 Prozent entspricht. So genannte ISDN-Primärmultiplexanschlüsse (ISDN-PMx) stagnierten.

Sprachzugänge über DSL-Anschlüsse sowie die Telefonie über HFC-Netze (Hybrid-Fibre-Coax-Netz) konnten dagegen zulegen. VoIP über DSL legte demnach auf geschätzte 11,1 Millionen Anschlüsse zu, was einem Anstieg von etwa 32 Prozent entspricht. Die Anschlüsse des klassischen Festnetzes werden laut Bundesnetzagentur also nach und nach durch IP-basierte Technologien ersetzt, die inzwischen einen ­Anteil von insgesamt rund 46 Prozent erreichen.

Telekom-„Hoflieferant“ für KMUs

Die All-IP-Umstellung geht aus Sicht von IT-Dienstleistern und des Fachhandels mit großem Umsatzpotenzial einher. Der Nürnberger Netzwerkkomponenten-Hersteller Bintec Elmeg wird hierbei quasi als Hoflieferant der Telekom in einem Segment eine wichtige Rolle spielen. So ist die „Digitalisierungsbox“ in Kombination mit entsprechendem Vertragswerk das Telekom-Standardprodukt für Geschäftspartner mit bis zu 15 Nutzern im Bereich All-IP. Varianten der Digitalisierungsbox, die speziell für den Fachhandel zugeschnitten sind, bietet Bintec Elmeg unter den Namen „be.IP“ und „be.IP plus“.

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