Fortschritt bei der IPv6-Migration

IPv6: Gewinner und Verlierer

| Autor / Redakteur: Bernhard Schoon / Peter Schmitz

Die aktuellen Betriebssysteme und Netzkomponenten wie Router oder WLAN-Karten unterstützen bereits das neue Protokoll. Seit Microsoft Vista aktivert Windows standardmäßig bereits IPv6, damit der Umstieg auf die neue Adresstechnik reibungslos klappen, sobald der Zugangsanbieter sie eingerichtet hat. Aber: Einzelne Consumer-Router realisieren IPv6 noch nicht zusammen mit IPv4 über eine PPP-Session.

Zu den Verlierern gehören daher Anwender mit älteren Routern, die lediglich IPv4 unterstützen. Die Folge sind schlechter Datendurchsatz und lange Wartezeiten. Obwohl vor allem die Privatanwender die Migration auf IPv6 nicht bemerken sollten, können sie unter diesen Umständen zu den Verlierern gehören.

Wie lange dauert der Umstieg?

Für die Systemhäuser bedeuten IT-Projekte mit großflächigen IPv6-Rollouts eine willkommene Umsatzquelle, auf die sich rechtzeitig vorbereiten sollten. Aber wann ist dieser Zeitpunkt gekommen? Der Aufbau von zeitgemäßem Knowhow, der Umgang und Rollouts mit entsprechender Hardware setzen eine Vorlaufzeit voraus, bis Projekte erfolgreich gestemmt werden können.

Nur zu früh sollte dieser Aufwand auch nicht betrieben werden. Die Aktivität der Netzbetreiber zu beobachten und erst die Freischaltung von IPv6-Teilnehmeranschlüssen abzuwarten, könnte eine gängige Strategie sein, um nicht vorzeitig falsch zu investieren,

Datenschützer kritisieren IPv6

Dass jeder Internet-Nutzer eigene eigene IP-Adresse erhält, macht ihn so eindeutig identifizierbar, wie ein Autokennzeichen auf den Halter verweist. Eine Horror-Vorstellung für den Datenschutz, dass jeder eine breite Datenspur im Web hinterlässt, aus der sich Rückschlüsse über das Konsumverhalten oder private Lebensumstände ableiten ließen, vor allem wenn ein Anwender mehrere Endgeräte verwendet, die ihm alle zugeordnet werden können.

Eine gewisse Anonymität verleihen die so genannten Privacy Extensions. -Dabei handelt es sich um zufällig erzeugte Zahlenblöcke, die an eine IPv6-Adresse angehängt werden. Es hängt jedoch von den Internet-Providern und zukünftigen Betriebssystemen, ob Privacy Extensions aktiviert werden können. Nutzer des Smartphone-Betriebsssystems Android und Microsoft Windows müssen diese Sicherheits-Funktion manuell aktivieren.

Eine lange Migration

Zunächst aber geht es jetzt um den Abschied vom überholten Standard IPv4, was mehrere Jahre dauern kann, bis keine alten Endgeräte mehr genutzt werden. Denn das größte Hindernis für die IPv6-Einführung ist die Tatsache, dass IPv4 nicht einfach sofort abgeschaltet werden kann.

Erst Mitte August wird das RIPE NCC, zuständig für die Vergabe von IP-Adressbereichen in Europa, die letzten IPv4-Adressen vergeben. Geduld ist also gefragt, bis auch die letzten IPv4-Geräte außer Betrieb genommen werden, was erfahrungsgemäß erst in einem Zeitraum von zehn Jahren zu erwarten ist.

Ganz so lange wird es nicht dauern, bis die Gewinner und Verlierer im IPv6-Umfeld feststehen. Zu den Gewinnern zählt, wer das Potenzial von IPv6 aufgreift und es sich rechtzeitig zu Nutze macht. Dazu gehören die Internet-Wirtschaft mit neuen Geschäftsmodellen, die Netzbetreiber sowie die Systemhäuser, falls sie den richtigen Zeitpunkt zum Rollout großflächiger IPv6-Landschaften treffen.

Auch die Verlierer stehen bereits fest: Private Anwender und Unternehmens-Admins, die zu lange an Bestehendem festhalten und urplötzlich mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden. Aber das wäre nichts wirklich Neues in der IT-Branche.

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