Mobility im betrieblichen Einsatz

Integration und Organisation mobiler Arbeitsszenarien

| Autor / Redakteur: Matthias Klocke / Andreas Donner

Die IT in den Unternehmen muss auf den kulturellen Wandel hin zur Mobility-Gesellschaft belastbare Antwort finden.
Die IT in den Unternehmen muss auf den kulturellen Wandel hin zur Mobility-Gesellschaft belastbare Antwort finden. (Bild: CC-BY-3Gstore.de / Lynx-Consulting)

Für Unternehmen stellt sich heute nicht mehr die Frage, ob sie sich mit Mobility befassen müssen. Diskutiert wird vielmehr, wie die Einführung vonstattengehen soll. Und das heißt in erster Linie Integration und Organisation.

Bis zum Jahr 2015 werden nach Berechnungen des BITKOM-Verbandes zwei Drittel aller Bundesbürger ein Smartphone nutzen. Ein Viertel wird zudem einen Tablet Computer besitzen. Auch wenn es noch ein wenig zu früh ist, die Post-PC-Ära einzuläuten, so verlieren klassische Desktop- und Notebook-Geräte doch sukzessive an Bedeutung. Für Unternehmen stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob sie ihr Geschäft auf mobile Ansprüche vorbereiten wollen, sondern wie sie als Unternehmen auf diese Anforderungen reagieren.

Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter erwarten nun auch in ihrem beruflichen Umfeld in Sachen Mobility eine User Experience, die den privaten "Erlebniswelten" entspricht. Hinzu kommt, dass von Fall zu Fall Mitarbeiter den Wunsch äußern, privat angeschaffte Smartphones und Tablets (Stichwort BYOD, Bring Your Own Device) auch beruflich nutzen zu dürfen.

Auf diesen kulturellen Wandel, den die neuen mobilen Endgerättypen bewirken, muss die IT in den Unternehmen eine belastbare Antwort finden. Mit einer simplen Mobilisierung und "Verlängerung" bestehender Ablauf- und Prozessketten ist es dabei nicht getan. Wie jede neue Technologie im Unternehmenskontext muss auch Mobility zu einem spürbaren Mehrwert in der Nutzung führen.

Anders ausgedrückt: Die Verfügbarkeit aufgehübschter Unternehmens-Apps, die die funktionalen Möglichkeiten der mobilen Geräte möglichst vollständig ausreizen, führt nicht automatisch zur Akzeptanz. Im Gegenteil. Mobile Prozesse müssen in der Bedienung einfach gestaltet und inhaltlich entschlackt werden.

Wenn ein Polier auf der Baustelle nicht beide Hände frei hat, wird er es kaum begrüßen, Daten jederzeit direkt in ein Tablet tippen zu müssen. Stattdessen wird er schnell zum gewohnten Szenario mit dem Laptop für die nachträgliche Eingabe zurückkehren. Ein Disponent wird dagegen den Einsatz eines Smartphones nicht mehr missen wollen, wenn ein Artikel im Regal über die Barcode-Kennung identifiziert und ohne Verzug ein automatisierter Bestellprozess ausgelöst wird.

Ergänzendes zum Thema
 
Compliance-Aspekte

Vor der Entwicklung und Einführung einer mobilen Infrastruktur müssen sich Unternehmen daher zunächst intensiv mit dem Mehrwert und Nutzungskontext befassen, den sie sich von Mobility für die Prozesse der eigenen Organisation versprechen. Von Beginn an sollten daher auch die späteren Nutzerkreise in diese "Denk-"Runden eingebunden werden, um potenzielle Einstiegsszenarien auf Tauglichkeit für das Tagesgeschäft abzuklopfen. Denn die Orientierung an den betrieblichen Prozessketten definiert letztlich die "Leitplanken" des mobilen Einsatzes. Die Wahl der notwendigen technischen Infrastruktur-Voraussetzungen wird daher von den grundlegenden Überlegungen zu Organisation und Prozesseinbindung geprägt.

Plattformfrage 1: Die APP-Umgebung

Im betrieblichen Umfeld ist die breite Unterstützung verfügbarer Endgeräte geboten. Damit verknüpft ist die Frage, wie man es mit der Plattform-Frage hält. Verlangt das angestrebte Anwendungsszenario tatsächlich eine native App für das jeweilige Endgerät oder sprechen Plattform-Unabhängigkeit und Lightweight-Design eher für die Umsetzung als hybride bzw. mobile Web-Applikation?

Diese Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten, sondern muss von Fall zu Fall entschieden werden. Bei pragmatischer Betrachtung ist der Punkt im betrieblichen Umfeld jedoch von deutlich geringerer Brisanz, als das vielleicht für die private Nutzung gilt. Ein mobiles Endgerät stellt überspitzt formuliert ein Arbeitswerkzeug und kein Lifestyle-Gimmick dar. Aussehen und die Haptik, wie es der Hersteller bei nativer Unterstützung vorgibt, zählen im betrieblichen Einsatz weniger als die Unterstützung der Unternehmensprozesse. Auch wird bis auf wenige Ausnahmen in den angestrebten Anwendungsszenarien der Zugriff auf Geräte-spezifische Funktionen (z.B. Beschleunigungsmesser, Kompass) benötigt. In jedem Fall sollte die Mobility-Strategie eines Unternehmens aber Verlässlichkeit und Flexibilität gewährleisten. Die raschen Innovationszyklen im Endgerätesegment lassen schnell die Forderung nach Investitionssicherheit und damit Plattform-Unabhängigkeit keimen. Das gilt umso mehr, wenn BYOD fester Bestandteil der Strategie wird.

HTML5 als Basis für mobile Web-Anwendung oder hybride Apps erlaubt es getreu dem Motto "Write once, run everywhere" Lösungen mit geringem Overhead in der Programmierung für unterschiedliche Plattformen (Android, iOS, Win8, künftig vielleicht Firefox) zu mobilisieren. Hinzu kommt, dass Entwicklungs-Frameworks für HTML5 in der Frontend-Strategie von SAP für unterschiedlich(st)e Endgeräte und Anwendungen prägendes Element sind. Zudem stellt das Softwarehaus gemeinsam mit Adobe (PhoneGap) und Sencha (Sencha Touch) eine vollständige offene Entwickungs-Umgebung für mobile Anwendungen bereit. Mit anderen Worten: Im Vergleich zu nativen Apps lässt sich die Tür zur Integration der Unternehmensanwendungen im Backend leicht öffnen. Mehr noch: Während für Programmierer, die sich mit der Realisierung nativer Apps befassen, betriebliche Anwendungen wie SAP eine terra incognita darstellen, halten SAP-Berater mit ihren Skills den Schlüssel zum Öffnen in der Hand.

weiter mit: „Plattformfrage 2: Die Middleware“ und „Konzentration auf mobile Potenziale“

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