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Remote Work Innovationen sind auch per Videokonferenz möglich

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Auch ohne persönliche Arbeitstreffen können Teams kreativ sein, wenn die richtigen Kommunikationsmedien gewählt werden. Das hat eine Untersuchung von Wirtschaftswissenschaftlern der Leibniz Universität Hannover und der Universität zu Köln ergeben.

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Auch bei Videokonferenzen können Teams kreativ zusammenarbeiten.
Auch bei Videokonferenzen können Teams kreativ zusammenarbeiten.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Wer kann, arbeitet aufgrund der Coronakrise seit Wochen im Homeoffice statt im Büro. E-Mails, Telefonate, Videokonferenzen müssen Arbeitstreffen und den persönlichen Austausch ersetzen. Wie wirkt sich dies auf die Kreativität in Teams aus? Kann Heimarbeit Innovationen hervorbringen?

Die meisten Berufstätigen dürften diese Frage wohl mit einem klaren "nein" beantworten - denn wer wäre nicht davon überzeugt, dass Kreativität vor allem in der Teamarbeit entsteht, also dann, wenn Menschen zusammenkommen.

Experimentelles Design ahmt die Phase der Ideengenerierung nach

Auch für den Hamburger Unternehmensberater Matthias Schmitz (der witzigerweise eine Brainstorming-App entwickelt hat) sind Team-Meetings gegenüber anderen Kommunikationsformen im Vorteil,

  • weil unmittelbare Interaktion schneller Ergebnisse liefert,
  • weil die Signale zwischen den Zeilen gegenseitiges Verständnis aufbauen,
  • weil, wenn es kritisch wird, persönliche Besprechungen besser funktionieren,
  • weil persönlicher Austausch Spaß macht und bessere Verbindungen schafft.

Das legt den Schluss nahe, dass die Zusammenarbeit leidet und die Innovation auf der Strecke bleibt, wenn die Teammitglieder räumlich distanziert von zuhause aus tätig sind.

Dieser These ist Prof. Dr. Marina Schröder vom Institut für Wirtschaftspolitik der Leibniz Universität Hannover nachgegangen – mit erstaunlichen Resultaten. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität zu Köln hat sie die ersten Ergebnisse als Diskussionspapier des „IZA – Institute of Labor Economics“ veröffentlicht. „Heimarbeit ist nicht zwingend schlecht für Innovation – wenn die richtigen Kommunikationsmedien gewählt werden“, fasst Schröder die Ergebnisse zusammen.

In einer experimentellen Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten in Hannover und Köln die persönliche Kommunikation verglichen mit der Kommunikation per Videokonferenz und per Chat. Das experimentelle Design ahmt die Phase der Ideengenerierung eines Innovationsprozesses nach, in dem die Aufgaben einzelner Teammitglieder stark voneinander abhängen.

Kreativität wurde verglichen durch eine Aufgabenstellung, in der die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer Begriffe durch Illustrationen veranschaulichen mussten – bewertet wurden Einzigartigkeit, Nützlichkeit und der ästhetische Wert der Ergebnisse.

Videokonferenz kann persönliche Kommunikation ersetzen

„Wir liefern Belege dafür, dass die kreative Leistung bei der Chat-Kommunikation erheblich geringer ist als bei der persönlichen Kommunikation“, sagt Schröder und betont: „Dies ändert sich jedoch offenbar bei der Kommunikation per Videokonferenz, bei der der Unterschied zur persönlichen Kommunikation nicht signifikant ist.“ Die Untersuchung zeige, dass der Anteil exzellenter Ideen in Videokonferenzen und bei persönlichen Treffen erheblich größer ist als bei der Chat-Kommunikation. Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Nützlichkeit der in den Teams erzielten Ergebnisse.

„Nach unserem Kenntnisstand sind wir die ersten, die experimentell die Auswirkung der Kommunikationsmedien auf die kreative Leistung in Teams untersucht haben“, sagt Schröder, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Unternehmen empfiehlt, den Einsatz von Videokonferenzen zu fördern. Dadurch könnten negative Auswirkungen der virtuellen Zusammenarbeit – während der Coronakrise und darüber hinaus – abgemildert werden.

Die Untersuchung ist entstanden im Rahmen der DFG-Forschergruppe „Design and Behavior“ sowie des Exzellenzclusters „ECONtribute: Märkte und öffentliche Ordnung“ der Universität zu Köln und wurde somit von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell unterstützt.

Mobiles Arbeiten als Chance für den ländlichen Raum

Das neue Forschungsvorhaben "MALA - Mobiles Arbeiten auf dem Lande" am Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt widmet sich der Frage, welche Entwicklungschancen sich durch die neuen Formen von Erwerbsarbeit für unsere Gesellschaft bieten.

Die Soziologin Claudia Hille, die das Forschungsprojekt an der Fachhochschule Erfurt leitet, erklärt dazu: "Die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung der Arbeitswelt in einem Ausmaß, welches vorher kaum vorstellbar war. Wir erleben jetzt in Rekordgeschwindigkeit eine "Mobilisierung von Arbeit", die unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt langfristig prägen könnten. Einerseits sehen wir, wie wichtig uns soziale Kontakte und Gemeinschaft auch am Arbeitsplatz sind. Anderseits erleben Arbeitgeber, dass Mitarbeitende auch im Homeoffice ihren Pflichten nachkommen und sich eigenständig organisieren - auch ohne festen Büroarbeitsplatz. Langfristig könnte das einen grundlegenden Wandel in unserer Arbeitskultur bedeuten."

Vor diesem Hintergrund untersucht das neue Forschungsvorhaben "MALA - Mobiles Arbeiten auf dem Lande" einerseits welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, um ortsunabhängiges Arbeiten zu ermöglichen und andererseits, welche positiven wie negativen Folgen die Verbreitung dieser neuen Arbeitsweisen hat. Neben den Beschäftigten stehen dabei insbesondere Kommunen im ländlichen Raum im Fokus der Untersuchung. Für diese sieht das Projektteam große Entwicklungspotenziale durch die Digitalisierung der Arbeitswelt.

Weitere Informationen zum Projekt MALA

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Industry of Things.

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