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Der ultimative Windows-Migrationsleitfaden In drei Schritten von Windows XP zur 8

Autor / Redakteur: Jochen Rapp / Ulrike Ostler

Die Zeit, auf Windows 8 zu migrieren, drängt: Im April 2014 läuft der XP-Support durch Microsoft aus. Viele Soft- und Hardware-Hersteller unterstützen das rund elf Jahre alte Betriebssystem zu einem Großteil bereits seit geraumer Zeit nicht mehr. Alles halb so schlimm! Denn: Der Ablöseprozess kann reibungslos in drei Schritten gelingen.

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Bald gehen die Fensterläden für Windows XP zu.
Bald gehen die Fensterläden für Windows XP zu.
(Bild: Kalle Kolodziej/Fotolia.com / Microsoft)

Zur technischen und organisatorischen Vorbereitung der Migration zum neuen Betriebssystem Windows 8 müssen Unternehmen grundlegend sechs Fragen beantworten:

1. Ist unsere Software Windows 8-kompatibel?

Vor der Migration müssen sämtliche relevanten Software-Applikationen auf ihre Kompatibilität mit Windows 8 hin überprüft werden. Speziell Software, die die neue Sicherheitsumgebung von Windows 7 beziehungsweise 8 nicht unterstützt, kann bei der Migration Probleme machen und muss im Extremfall durch neue Versionen ersetzt werden.

Erfahrungswerte zeigen, dass 15 bis 20 Prozent der XP-Applikationen kritische Unverträglichkeiten haben. Viele von diesen Problemen können aber mit geeigneten Maßnahmen gelöst werden.

Ein Beispiel für die Ursache von Kompatibilitätsproblemen ist die Windows 8-Sicherheitsumgebung, die im Vergleich zu XP eine völlig andere ist. Anwendungen für XP wurden zum Beispiel häufig unter der Annahme von Administrationsrechten entwickelt, die es bei Windows 8 in dieser einfachen Form nicht mehr gibt und die stattdessen durch eine Benutzerkontensteuerung ersetzt wurden. Weitere Software-Applikationen, die typischerweise erneuert werden müssen, sind alle Sicherheitslösungen, die direkt für XP entwickelt wurden, wie Firewalls, Festplattenverschlüsselung und Virenschutz- oder VPN-Lösungen.

Darüber hinaus muss für alle neueren Microsoft-Produkte – einschließlich Windows 8 – im Unternehmensnetz ein Lizenzverwaltungsdienst eingerichtet werden. Der sogenannte Key Management Service überprüft und aktiviert regelmäßig die vorhandenen Microsoft-Lizenzen.

2. Ist unsere Hardware Windows 8-kompatibel?

Einfacher ist die Vorbereitung der Hardware auf den Betriebssystem-Wechsel: Wenn das Unternehmen PCs und Peripheriegeräte wie Drucker und Scanner in üblichen Abschreibungszeiträumen erneuert hat, gibt es in der Regel keine Kompatibilitätsprobleme mit Windows 8.

Das neue Betriebssystem stellt zudem von Haus aus niedrigere Hardware-Anforderungen und ist sehr ressourcenschonend. Wenn Hardware-Probleme auftauchen, dann zum Beispiel bei älteren Netzwerkdruckern oder seltenen Peripheriegeräten, für die keine passende Treiber-Software vorhanden ist.

3. Wollen wir auf ein 32- oder 64 bit-System migrieren?

Zum Start der Migration helfen schon einmal sechs Fragen.
Zum Start der Migration helfen schon einmal sechs Fragen.
(Bild: LZnogood/Fotolia.com)
Eine Überlegung, die Unternehmen vor der Migration zu Windows 8 abschließen müssen, ist die Entscheidung für eine 32- oder 64-bit-Version. Zwar ist ein Parallelbetrieb beider Betriebssysteme möglich, aber grundsätzlich empfiehlt sich mit dem Schwenk auf Windows 8 auch ein Upgrade auf 64 bit. Entscheiden sich Unternehmen für einen Parallelbetrieb, müssen sie zusätzliche Aufwendungen durch die doppelte Image-Verwaltung in Kauf nehmen.

4. Wer ist intern für welche Software-Anwendungen verantwortlich?

Eine der wichtigsten organisatorischen Aufgaben besteht darin, vor der Migration Verantwortliche zu benennen, die definieren, ob eine Software weiterhin relevant ist und wenn ja, wie sie konfiguriert wird. Dies ist umso wichtiger, wenn ein externer Dienstleister das Projekt leitet oder begleitet.

5. Wer muss sich welches Know-how aneignen?

Alle Projektmitarbeiter, insbesondere Systemadministratoren, sind zu schulen. Dies gilt vor allem dann, wenn sie die Umrüstung selbstständig durchführen. Denn Konfiguration, Installation, Verteilung und Administration der Betriebssystem-Software hat sich im Vergleich zu älteren Windows-Versionen, insbesondere XP, grundlegend verändert.

Native Windows 8-Anwendungen, die im Unternehmen intern und nicht per Windows Store verteilt werden sollen, müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Dieses so genannte „Side-Loading“ wird für die meisten Unternehmen wichtig, sodass auch hierfür Know-how aufgebaut und die passende Infrastruktur hergestellt werden muss.

6. Wie sehen unsere Arbeitsplätze zukünftig aus?

Windows 8 bietet Unternehmen die Chance, Arbeitsumgebungen zu modernisieren und sie besser an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen. Hierfür sollte Windows 8 nicht einfach als XP-Nachfolgesystem betrachtet werden.

Vielmehr lohnt es sich zu analysieren, wie Mitarbeiter am besten unterstützt werden können, etwa mit einem Tablet zum mobilen Einsatz, einem klassischen PC oder Thin-Client im Büro oder einem Gerät, das sowohl für mobile als auch für stationäre Aufgaben geeignet ist. Die Möglichkeiten, die das neue Betriebssystem bietet, sind ebenso vielfältig wie attraktiv, weil sie die Produktivität der Mitarbeiter signifikant steigern können.

Zeit- und Kostenplanung

Eine gute Vorbereitung für die Migration von Windows XP schützt vor zu hohen Ausgaben.
Eine gute Vorbereitung für die Migration von Windows XP schützt vor zu hohen Ausgaben.
(Bild: Jacob Krechowicz/Fotolia.com)
Grundsätzlich empfiehlt Computacenter seinen Kunden, auf Windows 8 zu migrieren. Vor allem für Windows XP-Anwender ist höchste Eile geboten, da zahlreiche Soft- und Hardware-Hersteller ihren Support für das Betriebssystem eingestellt haben.

Dadurch entstehen für Unternehmen Sicherheits- und Kompatibilitätsprobleme, wenn sie nicht auf neuere Betriebssysteme umrüsten. Spätestens im Frühjahr 2014 stellt mit Microsoft der letzte und wichtigste beteiligte Hersteller des Windows-Ökosystems die XP-Unterstützung ein.

Um ein neues Betriebssystem effizient ins Unternehmen einführen zu können, ist ein professionelles Projekt-Management unentbehrlich. Diese Aufgabe wird von vielen Firmen unterschätzt.

Im Schnitt 2 bis 3 Tage

Entscheidend für die Dauer des Migrationsprozesses ist zum einen die Größe und Standortverteilung des Unternehmens sowie die Anzahl der Software-Anwendungen, die auf das neue Betriebssystem „umgezogen“ werden müssen. Durchschnittlich sind zwei bis drei Tage pro Applikation einzukalkulieren, angefangen vom Kompatibilitätstest über die Konfiguration bis hin zur Paketierung und Verteilung.

Einige Aufgaben, wie etwa das Client-Design, sind allerdings bei kleinen Firmen wie großen Konzernen nahezu identisch. Insgesamt dauert eine Umstellung von der ersten Planung bis zum vollständigen Rollout für Organisationen mit vielen Tausend Arbeitsplätzen selten kürzer als ein Jahr.

Durchschnittlich können Unternehmen die Migration von Windows XP zu Windows 8 mit Kosten zwischen 200 und 500 Euro pro Client veranschlagen. In dieser Schätzung sind allerdings indirekte Kosten wie etwa der Arbeitsausfall für die Zeit, in der die Geräte aktualisiert werden, oder die eventuelle Neubeschaffung von Hard- und Software nicht mit eingerechnet.

Doch wie die Zeitangaben hängen auch die Kosten maßgeblich von den Anforderungen und Rahmenbedingungen ab, etwa die Standortverteilung und die Anzahl der Anwendungen.

Der Migrationsprozess: Analyse, Planung und Umsetzung

Der eigentliche Prozess der Migration zum neuen Betriebssystem Windows 8 läuft in den typischen drei Projektphasen Analyse, Planung und Umsetzung ab.

1. Die Analysephase

Zu Beginn der Analysephase werden Projektziele und – im Zusammenhang damit – das Budget definiert. In diese Projektphase fällt typischerweise auch die eingangs beschriebene Kompatibilitätsprüfung.

2. Die Planungsphase

Im darauf folgenden Schritt wird die gesamte neue Client-Umgebung mit allen betroffenen Backend-Systemen konzipiert und ein Migrationskonzept erstellt. Hierbei stehen zwei Aufgaben im Mittelpunkt: Erstens sind Verfahren zu entwickeln, wie die einzelnen Software-Anwendungen, einschließlich des Betriebssystems selbst, automatisiert auf die Arbeitsplätze verteilt werden.

Zweitens muss der Übergang der Client-Umgebungen vom alten zum neuen Betriebssystem geplant und getestet werden. Hierbei sind vor allem die Aufrechterhaltung des Parallelbetriebs sowie die Migration persönlicher Daten und Einstellungen zu beachten. Idealerweise schließt die Planungsphase einen Test in einer vom Produktionsnetz abgetrennten Umgebung ein.

3. Die Umsetzungsphase

Die Umsetzungsphase beginnt mit der Installation und Konfiguration sämtlicher betroffener Produktionssysteme entsprechend den Planungen aus der Konzeptphase. Vor dem eigentlichen Rollout startet noch eine Pilot-Installation, bei der einzelne Anwender in der produktiven Umgebung auf die neue Arbeitsumgebung umgestellt werden.

Die gesammelten Erfahrungen der Pilot-Installation bildet wiederum die Basis für den Rollout. Falls nötig, können noch Anpassungen an der Rollout-Methode vorgenommen werden.

Anschließend folgt die Installation an allen Standorten und Arbeitsplätzen des Unternehmens. Zwei Phänomene dürfen nicht unterschätzt werden: Die Zeit, die für die Übertragung lokaler Benutzerdaten benötigt wird, und der Aufwand für den Parallelbetrieb zweier Betriebssysteme.

Hilfe bei Externen

Zum Abschluss der Umsetzungsphase werden die neuen Systeme und Prozesse in den IT-Betrieb überführt.

Jochen Rapp, Solution Manager bei der Computacenter AG & Co. oHG: "Als Dienstleister für die Migration bieten sich vor allem Microsoft-Partnerunternehmen an, die alle genannten Prozessschritte – je nach Kundenanforderung von einzelnen Projektmodulen bis hin zur schlüsselfertigen Komplettlösung – professionell übernehmen oder begleiten."
Jochen Rapp, Solution Manager bei der Computacenter AG & Co. oHG: "Als Dienstleister für die Migration bieten sich vor allem Microsoft-Partnerunternehmen an, die alle genannten Prozessschritte – je nach Kundenanforderung von einzelnen Projektmodulen bis hin zur schlüsselfertigen Komplettlösung – professionell übernehmen oder begleiten."
(Bild: Computacenter)
Die beschriebenen Projektphasen bergen einige „Fallstricke“, die den Migrationsprozess behindern und unnötig in die Länge ziehen können. Daher empfiehlt es sich, einen erfahrenen IT-Dienstleister mit ins Boot zu holen, der solche Umstellungen bereits mehrmals durchgeführt hat und dadurch eine effiziente und reibungslose Umrüstung auf das neue Windows-Betriebssystem sicherstellen kann. Hierfür bieten sich vor allem Microsoft-Partnerunternehmen an, die alle genannten Prozessschritte – je nach Kundenanforderung von einzelnen Projektmodulen bis hin zur schlüsselfertigen Komplettlösung – professionell übernehmen oder begleiten.

Der Autor:

Jochen Rapp ist Solution Manager, Computacenter AG & Co. oHG.

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