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Breitband für alle – Fraunhofer ESK zeigt wie´s geht Hybrid-Lösung aus DSL-Anschlüssen und WiMAX

| Redakteur: Florian Karlstetter

Derzeit fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Konzepte für praxisnahe Lösungen zur Schließung von Breitband-Versorgungslücken. Im niederbayerischen Weiding im Landkreis Cham haben Ingenieure des Fraunhofer ESK hierfür eine praktikable Hybrid-Lösung bestehend aus DSL-Anschlüssen und WiMAX konzipiert.

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Vor allen in ländlichen Regionen gestaltet sich eine breitbandige Internet-Anbindung oft noch schwierig oder ist unverhältnismäßig teuer.
Vor allen in ländlichen Regionen gestaltet sich eine breitbandige Internet-Anbindung oft noch schwierig oder ist unverhältnismäßig teuer.
( Archiv: Vogel Business Media )

Vor allem in ländlichen Gebieten stellt eine breitbandige Internetversorgung Kommunen und ITK-Dienstleister oft noch vor große Probleme. Ingenieure des Fraunhofer ESK (Einrichtung Systeme der Kommunikationstechnik) haben für die niederbayerische Gemeinde Weiding im Landkreis Cham nun ein mögliches Lösungsmodell entwickelt.

Bei dem Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wurde, haben Fraunhofer-Experten prototypisch erarbeitet, wie eine Gemeinde vorgehen muss, um den Aufbau und Betrieb eines breitbandigen Netzes auszuschreiben. Neben Realisierbarkeit stand dabei vor allem auch die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.

Ein entscheidender Punkt bei der Konzipierung einer flächendeckenden Breitbandabdeckung ist die tatsächliche Bedarfsermittlung an performanten Internet-Anschlüssen. Daneben spielen natürlich auch Faktoren wie die räumliche Verteilung der Haushalte, die bestehende Telekommunikationsinfrastruktur und die geographischen Gegebenheiten eine große Rolle.

Dabei stellte die Gemeinde Weiding, deren Einwohner auf 14 Ortsteile verteilt sind und an drei Ortsvermittlungsstellen angebunden sind eine besondere Herausforderung dar. So sind nahezu alle Teile der Gemeinde zu weit von den jeweiligen Ortsvermittlungsstellen entfernt, um derzeit mit DSL jenseits 384 beziehungsweise 768 Kbit/s versorgt werden zu können.

„Für eine flächendeckende Breitbandversorgung benötigt man aufgrund der Lage der Ortschaften der Gemeinde Weiding mindestens sieben so genannte Aggregationslinks, die den Datenverkehr mehrerer Haushalte gebündelt übermitteln“, erläutert Dr.-Ing. Erik Oswald, Wissenschaftler bei der Fraunhofer ESK.

In diese erste Analyse sind die bestehende Infrastruktur, ein Funkturm auf einem nahegelegenen Berg und eine Glasfaserleitung entlang einer Bahnstrecke eingeflossen. Auf Basis dieser Daten wurden dann die Möglichkeiten analysiert und technisch machbare Lösungen vorgeschlagen. Dabei wurden die Vorschläge auch hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit aus der Sicht eines potentiellen Netzbetreibers und des Kunden geprüft und bewertet.

Praktikable Kombination aus DSL und WiMAX

Als praktikabelste Variante ermittelten die Fraunhofer-Ingenieure eine Hybridlösung aus DSL und der Funktechnologie WiMAX. Dabei werden DSL-Vermittlungsstellen, so genannte DSLAMs (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) und Splitter, aufgestellt, die dann das bestehende Telefonnetz nutzen, um die DSL-Signale an die Haushalte weiterzuleiten. Die DSLAMs werden über eine WiMAX-Funkverbindung (Aggregationslink) mit dem vorhandenen Funkturm und damit mit dem Internet verbunden.

Als weniger wirtschaftlich stellte sich eine Kombination aus DSL und Glasfaser heraus. Hier würden die DSLAMs per Glasfaserkabel angebunden. Trotz der Berücksichtigung der jeweils kürzesten Wege für die Anbindung der Orte und der Einbeziehung des bestehenden Glasfaserkabels, würden dabei vor allem die notwendigen Erdarbeiten zu hohe Kosten verursachen.

Die Fraunhofer ESK wird die Studie bei der Breitbandinitiative Bayern, Regionalveranstaltung Schwaben, am 24. Juli in Krumbach vorstellen. Dort können sich interessierte Gemeinden informieren, wie sie vorgehen müssen, um eine breitbandige Internetversorgung auszuschreiben.

Die Kurzfassung der Studie ist auf dem Internet-Portal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden. Dort finden sich auch Kurzberichte über weitere Pilotprojekte.

Breitbandatlas im Internet

Zusätzlich können sich Interessierte mit Hilfe des Breitbandatlas des BMWi einen Überblick über den derzeitigen Ausbau in der heimatlichen Region verschaffen. Neben Glasfaser- und DSL-Verfügbarkeit erhält man dort auch auch regionale Informationen über Kabel, Satellit, Powerline, UMTS und WLAN.

(ID:2014064)