Die Software-Defined-Networking-Strategie von HP

HP steht bei SDN für Offenheit und Automatisierung

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Andreas Donner

Kontrollebene: HP Virtual Application Network SDN Controller

Das Herzstück des HP-SDN-Konzepts ist der HP Virtual Application Network SDN Controller. Er bildet die Steuerzentrale der gesamten Netzwerkinfrastruktur. Damit das System skaliert und Ausfallsicherheit garantiert ist, kann man die Controller mehrfach redundant implementieren – auch über Rechenzentrumsgrenzen hinweg. Eine Lizenz reicht für bis zu 50 Controllerknoten.

Der Softwarestack des Controllers, der als Appliance und als Software für x86-Maschinen verfügbar ist, nutzt offene Standards: Die Basis bilden Linux 3.2 mit einem 64-Bit-Kern und 64-Bit-Java. Die Schnittstellen zur Applikationsebene nutzen mit der RESTful-API (REST steht für Representational State Transfer) und Java ebenfalls offene Technologien. Dabei entwickeln Partner, die HPs Software Development Kit für den HP VAN SDN Controller verwenden, Applikationen mit der eng gekoppelten Java-Schnittstelle, während Drittprodukte über die RESTful-API eingebunden werden.

Mit dem Controller können Netzwerkmanager zum ersten Mal und im Markt bisher einmalig über eine zentralisierte Kontrollebene alle Netzwerkebenen auf einen Blick erfassen und von einem zentralen Punkt aus via SDN und OpenFlow automatisiert steuern – vom Desktop über den (virtuellen) Switch bis zu den Applikationen, die einzelne Netzwerkfunktionen realisieren. Die Kommandozeile gehört damit endgültig der Vergangenheit an. Dabei arbeitet der Controller mit jedem OpenFlow-fähigen Switch, Wireless-Switch oder virtuellen Switch zusammen und sorgt damit für die Offenheit, die seit Jahren HPs Leitlinie ist.

Applikationsebene: HP Virtual Cloud Networks Application und HP Sentinel

HP Virtual Cloud Networks Application ist eine der ersten Lösungen auf der Applikationsebene von HPs SDN-Modell. Die Anwendung macht SDN in der Cloud mandantenfähig, hilft, die Cloud-Automatisierung zu skalieren und sorgt für die Integration hybrider privat-öffentlicher Cloud-Umgebungen. Dafür werden die OpenStack-Anwendungen Quantum-Plug-In und Aurora verwendet. So können die Funktionen eines HP VAN SDN Controllers gleichzeitig von mehreren Kunden, die logisch strikt voneinander getrennt bleiben, genutzt werden – eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Cloud-Business.

HP Sentinel Security Application, derzeit im Beta-Einsatz bei einer Reihe von Kunden weltweit, stellt zentralisierte Content-Sicherheitsfunktionen beispielsweise für Bring-Your-Own-Device-Implementierungen zur Verfügung und ergänzt damit wirksam die heute selbstverständlichen Virenscanner. Dabei nutzt Sentinel die Echtzeit-Content-Analysen der DVLabs von Tipping Point, einem Unternehmen, das HP 2007 aufgekauft hat.

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Eine weitere Applikation in der Erprobung ist das WAN-Bursting, das derzeit von Microsoft und Verizon gemeinsam implementiert wird. Dabei leitet man Bedarfsspitzen innerhalb einer Private Cloud echtzeitnah in eine Public Cloud um. Ebenfalls von Microsoft wurde eine Lync-basierende und SDN-fähige Unified-Communications-Lösung entwickelt. Außerdem ist geplant, die Loadbalancing-Fähigkeiten von F5 als Applikation über den HP VAN SDN Controller zugänglich zu machen. Accenture arbeitet an der SDN-fähigen Implementierung einer Lösung zum Schutz vor Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS). Sie soll bis Ende 2014 fertig sein.

Übergreifendes Management: IMC (Intelligent Management Center)

IMC bietet Netzwerkmanagern zum ersten Mal die Chance, Netzverbindungen und Netzwerkfunktionen vom Desktop oder Server über Switches und andere Netzwerkkomponenten bis zur Applikation durchgängig von einer zentralen Stelle aus automatisiert und über Regeln gesteuert per Drag-and-Drop zu provisionieren, zu kontrollieren und wieder abzuschalten.

Auch die Leistung der HP VAN SDN Controller überwacht IMC. Dabei bewertet das System den Ressourcenbedarf und das Ineinandergreifen einzelner Anwendungen und koordiniert sie mit den Fähigkeiten der zur Verfügung stehenden physischen Netzwerkressourcen. Außerdem lassen sich über IMC nicht OpenFlow-fähige Komponenten von Drittanbietern in die Infrastruktur einbinden und steuern. Das gewährleistet lückenlosen Investitionsschutz für Anwender, die einen allmählichen Einstieg in SDN planen. Auf der Managementebene befinden sich zusätzliche, übergeordnete Applikationen, die spezielle Managementaufgaben wie Ressourcenautomatisierung, Server- oder Speicheranbindung übernehmen.

Zeitplan für den Quantensprung

Weil es sich bei SDN um einen echten Quantensprung, einen Paradigmenwechsel in der Netzwerktechnologie handelt, der alte Technologien so sehr verändern wird wie der PC die Datenverarbeitung verändert hat, ist viel Aufklärung nötig.

Das bedeutet Umdenken und Umlernen auf vielen Ebenen, und natürlich stehen deshalb dieser neuen Technologie noch gewaltige Beharrungskräfte entgegen. Viele Einwände gegen SDN sind beispielsweise darauf zurückzuführen, dass noch im alten Paradigma gedacht wird. So beim Routing: Während eine wichtige Funktion heutiger Routing-Protokolle die Vermeidung von Loops, also Endlosschleifen, ist, sind solche Endlosschleifen in SDN-Netzwerken unter OpenFlow schlicht nicht mehr möglich, weil jedes Paket seinen Pfad von Anfang bis Ende kennt. Loops müssen demzufolge auch nicht mehr verhindert werden, die dafür nötigen Protokolle verlieren ihre Existenznotwendigkeit.

Beispiel Loadbalancing: Administratoren können im SDN über den SDN-Controller die Wege der einzelnen Datenströme regelgesteuert so festlegen, dass die Last optimal verteilt wird. Für die entsprechenden Funktionen greifen sie auf eine passende App aus der übergeordneten Applikationsebene zu; man braucht also keine klassischen Loadbalancer mehr.

Komponenten, die man nicht mehr braucht, muss man weder kaufen noch warten oder aktualisieren. Das ist der entscheidende Grund, warum SDN Netzwerke mittel- und langfristig tendenziell verbilligt.

Gleichzeitig werden von Netzwerkmanagern neue Fähigkeiten gefordert: Statt endloser Routinetätigkeiten ist das kreative Ersinnen neuer, sinnvoller Services für die Anwender gefragt.

Die breite Implementierung von SDN wird deshalb nicht von heute auf morgen erfolgen. Derzeit beginnen erste Universitäten mit dem Umstieg auf SDN. Auch Provider sind sehr interessiert an der Technologie, weil sie so möglicherweise schneller neue, gewinnträchtige Dienste anbieten können. HP rechnet damit, dass im Jahr 2015 die großen Industrieunternehmen die Vorteile der SDN-Technologie erkennen und sie implementieren werden. Ab 2016 werden dann wohl auch größere Mittelständler auf SDN umsteigen.

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