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EDNA-Initiative bewertet GPKE-Start als steinig, aber ruhig Holpriger Start beim elektronischen Datenaustausch im Energiemarkt

| Autor / Redakteur: Uwe Pagel / Ulrike Ostler

Zum 1. August 2007 fiel der Startschuss für die standardisierte Abwicklung einer Reihe von Geschäftsvorfällen im Energiemarkt. Damit verbunden ist ein ebenso standardisierter elektronischer Datenaustausch zwischen den Marktpartnern. Doch die Umsetzungsfristen waren knapp. Die Folge: Der Start verläuft holprig.

( Archiv: Vogel Business Media )

Nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur, den so genannten „Geschäftsprozessen zur Kundenbelieferung mit Elektrizität“, kurz GPKE, müssen seit dem 1. August dieses Jahres alle wichtigen Informationen, wie die Daten über den Stromverbrauch oder für den Wechsel des Stromlieferanten, ausschließlich über entsprechende Edifact-Formate wie Mscons (Verbrauchsdaten) oder Utilmd (Lieferantenwechsel) auf elektronischem Wege übermittelt werden.

Die Bundesnetzagentur will damit erreichen, dass alle Prozesse rund um den Energiekunden von allen Marktbeteiligten identisch und ohne jegliche Diskriminierung abgewickelt werden. Eine Herausforderung für die Anwender, aber auch für die Softwareanbieter, mit deren Systemen dieser Datenaustausch nun tagtäglich vorgenommen werden muss.

Für die Fertigung neuer und Umstellung vorhandener Systeme blieben letztendlich nur wenige Monate, da viele Festlegungen zu den Prozessen wie auch die Formatversionen sehr spät dem Markt rechtswirksam und damit genügend verlässlich bekannt gemacht wurden. Und teilweise mussten die bereits in Umsetzung befindlichen neuen Lösungen nur wenige Wochen vor dem GPKE-Starttermin nochmals abgeändert werden.

Das Informationszeitalter beginnt tatsächlich

„Es ist eigentlich erstaunlich, dass der Start des elektronischen Datenaustauschs überhaupt flächendeckend begonnen hat“, fasst Franz Hein zusammen, Geschäftführer der EDNA-Initiative e.V. Die EDNA-Initiative ist eine Vereinigung von zur Zeit 64 Softwareherstellern, Unternehmensberatungen, Energiemarktdienstleistern und Anwenderunternehmen, die sich eine marktweite Automatisierung der Kommunikationsprozesse im Energiemarkt auf der Grundlage standardisierter Geschäftsprozesse und Nachrichten zwischen den Marktpartnern zum Ziel gesetzt hat.

Wie eine Umfrage unter den EDNA-Mitgliedern ergeben hat, hat der Energiemarkt mit der Standardisierung trotz der Vorgaben der Bundesnetzagentur noch seine Probleme. Die EDNA-Mitglieder berichten, dass es vor allem in der ersten Monatshälfte im August immer wieder zu Störungen beim Datenaustausch gekommen sei, weil die Marktteilnehmer die festgelegten MSCONS-Formate für den Austausch nicht konsequent korrekt verwendet hätten.

Teilweise wurden sogar längst überholte Versionen eingesetzt. Das gleiche gilt für den Lieferantenwechsel und die nicht immer einheitliche Verwendung des dafür einzusetzenden UTILMD-Formats, was vor allem ab Mitte August für Kummer gesorgt habe. Hier wurden sogar teilweise noch Dateien im nicht mehr zulässigen CSV-Format versendet.

Dieses entstammt einer Verwendung von Excel und wurde vor wenigen Jahren noch vom Bundeswirtschaftsministerium als so genanntes „Best-Practise“-Format eingeführt. Neben den Formatproblemen gab es aber auch bei der Adressierung der IT-Systeme der Marktbeteiligten und bei der Identifikation von Mailanhängen Schwierigkeiten, weil erst unmittelbar vor dem GPKE-Start auf noch rasch erstellte Empfehlungen zurückgegriffen werden konnte, die für eine einheitliche Umsetzung sorgen sollten.

Hoher manueller Aufwand

Ein Großteil der Marktteilnehmer hat sich nach den Aussagen der Mitglieder der EDNA-Initiative zwar rechtzeitig auf die neue Situation eingestellt. Die auftretenden Probleme mussten aber in der Regel bilateral zwischen den beteiligten Unternehmen analysiert und behoben werden. „Die Aufwendungen für diese manuell durchzuführenden Fehlerklärungen und -behebungen gehen sicherlich in die Hunderttausende von Euro. Ausgaben, die durch ein Lebenszyklusmanagement und ein Zertifizierungsverfahren, wie es die EDNA-Initiative ja schon lange einfordert, größtenteils hätten vermieden werden können,“ so Hein.

Mit einem Lebenszyklus-Management werden sämtliche Schritte von einer Ausgangssituation zu einem Zielzustand – hier die marktweite Nutzung einer neuen „Sprache“ – wie auch die während der Nutzungszeit auftretenden Vorkommnisse, zum Beispiel erst im Betrieb erkannte Ungereimtheiten, und schließlich wieder alle Schritte zur Einführung einer nächsten Version professionell gestaltet und durchgeführt.

Dazu gehören auch eingehende Tests entlang des Weges von der Entwicklung bis hin zum Einfügen der IT-Systeme eines Marktpartners in die Marktumgebung, welche in anderen Branchen in der Regel mit Zertifizierungen als Nachweis für die Tauglichkeit abgeschlossen werden.

Dauerbrenner Sicherheit

Neben dem noch bestehenden Durcheinander bei den Formaten ist ein großes Manko aus Sicht der EDNA-Initiative das Thema Sicherheit, das nach Aussagen einzelner Mitglieder nach wie vor eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Die Marktteilnehmer scheinen froh zu sein, dass überhaupt Nachrichten elektronisch ausgetauscht werden können.

An die Sicherheit wird hier noch nicht gedacht, das heißt, die Anwender finden zurzeit kaum Marktpartner, die eine Verschlüsselung oder Verwendung einer Signatur unterstützen. Es gibt dazu allerdings auch keine Vorgaben vergleichbar mit GPKE, die notgedrungen die einheitliche Umsetzung erforderlich machen würden. Unterschiedliche Verfahren aber würden die unerlässliche Interoperabilität zwischen den IT-Systemen der Marktpartner beeinträchtigen oder gar ganz unterbinden.

Ein weiterer Mangel ist nach Einschätzung von EDNA-Mitgliedern die Umsetzung der internen Prozesse. Viele Unternehmen hätten ihre IT-Systeme soweit aufgebaut, dass Nachrichten gesendet und empfangen werden können. Für die entsprechende Anpassung der internen Abläufe und die maschinelle Ankopplung an die marktseitigen Kommunikationswege hätte die Zeit bis zum 1. August aber vielfach nicht ausgereicht.

Tests kamen zu spät

Da zudem die den echten Marktbetrieb simulierenden Tests wenn überhaupt erst spät in Angriff genommen werden konnten, fielen vorhandene Lücken dann auch erst zum GPKE-Start auf. Bei etlichen Marktbeteiligten muss deshalb die Kluft zwischen der Marktkommunikation und den internen Kommunikationswegen bis auf weiteres in Sende- und Empfangsrichtung manuell überbrückt werden.

„Es bleibt zu hoffen, dass die Marktpartner, aber auch die Verbände und die Bundesnetzagentur, jetzt schnell erkennen, dass es ohne professionelle Rahmenbedingungen wie etwa ein Lebenszyklusmanagement für die Regeln bei der Abwicklung der Energiegeschäfte und ohne Zertifizierungsverfahren, die auch einen Kommunikationstest beinhalten, im Energiemarkt nicht hocheffizient funktioniert“, so Heins Fazit. „Es gilt, vorhandene Einsparpotenziale durch konsequente Qualitätssicherung zu nutzen.“

Leider sei zu befürchten, dass auch der nächste Schritt, der Start des Austauschs von Rechnungsdaten am 1. Oktober 2007 ähnlich holprig verlaufen werde, ergänzt der EDNA-Geschäftsführer. Denn bislang gebe es außer den Mitgliedern der EDNA-Initiative und den in der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DASG) organisierten SAP-Anwendern kaum Kräfte, die sich für eine konsequente Qualitätssicherung bei der elektronischen Kommunikation im Energiemarkt einsetzten.

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(ID:2007271)