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Auch kleine Systeme sollen nicht ausfallen Hochverfügbarkeit in Klein- und Kleinst-Rechenzentren

Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Hochverfügbarkeit war früher vor allem für High-End-Anwendungen wichtig und verschlang oft viel Geld. Doch heute sind auch Mittelständler extrem DV-abhängig und wollen deshalb stets verfügbare Rechner – der Markt reagiert mit bezahlbaren Lösungen.

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„Viele Kleinunternehmen denken, sie hätten Hochverfügbarkeit, haben aber in Wirklichkeit gar keine“, David Laurello, CEO Stratus . (Stratus)
„Viele Kleinunternehmen denken, sie hätten Hochverfügbarkeit, haben aber in Wirklichkeit gar keine“, David Laurello, CEO Stratus . (Stratus)

Webshops haben nie geschlossen. Die Produktion von Gütern läuft mittlerweile in vielen Unternehmen, egal, wie groß sie sind, rund um die Uhr. Wenn Geschäftspartner einer Firma auf der ganzen Welt verteilt sind und zum Beispiel auf Web- oder EDI-Systeme ihres Partners zugreifen wollen, kann der sich keine Ausfälle leisten.

Die Konsequenz: Hochverfügbarkeitslösungen sind somit auch im Mittelstand und sogar in Klein-Unternehmen eine Option, wo man früher aus Kostengründen kaum davon zu träumen wagte.

Gemessen wird der Grad der Verfügbarkeit normalerweise in Prozenten – je mehr Neunen nach dem Komma, desto weniger Ausfall. Früher stand nicht einmal vor dem Komma eine Neun und bei etwa 98 Prozent kann man von hoher Verfügbarkeit beim besten Willen nicht mehr sprechen.

Doch was für die eigene IT gilt, beanspruchen Dienstleister mindestens. Virtualisierte VMware-Server kann man beispielsweise beim Münchner Hosting-Anbieter Spacenet mit einer Verfügbarkeitsgarantie von 99,5 Prozent pro Monat nutzen. Das bedeutet in diesem Zeitraum einen Ausfall von maximal 3,5 Stunden (60 Minuten mal 24 Stunden mal 30 Tage, geteilt durch 200).

Am Stück oder geschnitten?

Die Angabe „pro Monat“ ist hier nicht ganz unwesentlich, denn pro Jahr würde 99,5 Prozent bedeuten, dass das System 3,5 *12 = 42 Stunden und damit schon rund anderthalb Tage ausfallen dürfte. Ob diese anderthalb Tage sich fein säuberlich auf das ganze Jahr verteilen oder am Stück anfallen, darüber sagt eine Jahres-Verfügbarkeitsangabe nichts. Und anderthalb Tage Ausfall können gegenüber einigen Stunden schon erheblich mehr Schaden anrichten.

Derartige Werte sind aber noch keine „echte“ Hochverfügbarkeit. Streng genommen, liegen die höchsten hier in der Unternehmenspraxis realisierten Leistungen bei den berühmten „Five Nines“ – 99,999 Prozent, sprich: aufs Jahr gerechnet etwas über fünf Minuten Ausfall.

Doch derart aufwändige Lösungen sind nur für Banken und ähnliche stark Echtzeit-fokussierte Anwender sinnvoll. Diese Anwender kommen aufgrund des gewaltigen Schadens, der ein Ausfall produzieren würde, um große Aufwendungen nicht herum. Bei den meisten Mittelständlern jedoch würde ein solcher das Budget schlicht überschreiten.

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Viele Wege zum Ziel

Ein relativ günstiger Weg zu mehr Verfügbarkeit besteht in der Auslagerung der eigenen Server auf virtuelle Server bei einem Provider. 1 & 1 bietet seinen Kunden eine Preisgrenze von 9,99 Euro für diesen Dienst an – nach oben sind, wie üblich, je nach den Zusatzservices und den Features des virtuellen Geräts, wenig Grenzen gesetzt. Beim Breakdown eines Host wird bei solchen Angeboten die Kundenmaschine in der Regel auf eine andere Hardware migriert wird und läuft dort weiter.

Erhöhte Verfügbarkeit und einfachere Datensicherung sind denn auch die wichtigsten Gründe, warum Anwender zu eigenen Virtualisierungslösungen greifen. 46 Prozent der Befragten erklärten dies bei einer im Auftrag von Stratus durchgeführten Umfrage, Anbieter von Hochverfügbarkeits-Euipment.

Allerdings ist der Umgang mit VMware kein Kinderspiel. Die Lösung verlangt einiges an Kenntnissen. Fehlen die, funktioniert in der Praxis vieles am Ende nicht so, wie es sich Anwender wünschen würden. Außerdem können sich die Kosten für etwas komfortablere Lösung dank kostenpflichtiger Zusatzmodule schnell in unerwartete Höhen ausdehnen. Auch das ist für stets eng gestrickten IT-Budgets der kleineren Firmen äußerst unerwünscht.

Dedizierte Systeme liegen auf der Zielgraden

Wer mehr will als die Verfügbarkeit, die sich durch die schleunige Verschiebung virtueller Systeme von einem nicht mehr funktionsgerechten Host auf einen anderen realisieren lässt, braucht ohnehin eine dedizierte Lösung. Das kann zum Beispiel ein echter Server-Cluster oder eine Spiegelung per Software herbeiführen.

Den meisten kleineren Anwendern sind allerdings auch solche beispielsweise von Microsoft oder Datacore angebotenen Lösungen zu teuer und zu kompliziert. Sie erfordern Personal, das sich wirklich auskennt, sonst wurde am Ende zwar viel Geld investiert, doch im Ernstfall stehen die Systeme trotzdem, weil Bedienungs- oder Konfigurationsfehler gemacht wurden.

„Meine Kunden fragen zwar, wie sie ihre Infrastruktur absichern können, aber für ihr Budget konnte ich ihnen lange nichts anbieten“, sagt etwa Sven Sonntag, der beim 10-Mann-Systemhaus Quadrosoft in Möser bei Magdeburg für den Vertrieb zuständig ist.

Kleine Unternehmen brauchen Lösungen ohne viel Pflegebedarf

Kleine Unternehmen brauchen Lösungen ohne viel Pflegebedarf

Das haben mittlerweile einige Hersteller erkannt und schließen die Marktlücke. Stratus ist ein Unternehmen, das sich seit mehreren Jahrzehnten ausschließlich mit Hochverfügbarkeit beschäftigt. Doch die hardwarebasierenden Lösungen bewegten sich lange in luftigen Preisregionen.

„Viele Kleinunternehmen denken, sie hätten Hochverfügbarkeit, haben aber in Wirklichkeit gar keine“, David Laurello, CEO Stratus . (Stratus)
„Viele Kleinunternehmen denken, sie hätten Hochverfügbarkeit, haben aber in Wirklichkeit gar keine“, David Laurello, CEO Stratus . (Stratus)

Seit einem Jahr ändert sich das. „In einer Welt, in der man keinen Arzttermin mehr buchen kann, wenn in der Praxis der Rechner steht, ist Hochverfügbarkeit auch bei kleinen Anwendern eine Option“, sagt David C. Laurello, Präsident von Stratus.

Die neue Zielgruppe des Anbieters sind Unternehmen mit bis zu hundert Mitarbeitern und maximal zehn Niederlassungen. Sie wollen neben Bezahlbarkeit, dass sie sich nicht groß um die Lösungen kümmern müssen. Ihre Systeme sollen laufen, auch wenn kein mehrköpfiges Team von Fachleuten sich Tag und Nacht darum kümmert.

Stratus macht Avancen

Stratus hat mit „Avance“, einer reinen Softwarelösung, ein Produkt ins Programm aufgenommen, das zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Es erschließt den Anwendern die ins Produkt integrierte Xen-Virtualisierungstechnologie für Windows und Linux.

Es macht aber auch das Standard-x86-Server-Paar, auf dem die Software installiert ist, zu 99,99 Prozent hochverfügbar. Das entspricht einem jährlichen Ausfall von knapp einer Stunde, der auch für die meisten Webshops oder in der Röntgen-Praxis zu verkraften sein dürfte.

Die Software lässt sich nach Angaben des Herstellers innerhalb von 15 Minuten installieren. Sie basiert darauf, die beiden parallelen Server zu synchronisiert, wobei aber nur einer aktiv ist. Das bedeutet: Der Kunde braucht von den dort laufenden Anwendungen nur eine, nicht zwei Lizenzen.

weiter mit: Enge Kooperation zwischen Channel und Stratus

Enge Kooperation zwischen Channel und Stratus

Das Programm prüft ständig den Zustand der Server und schaltet, sobald einer der Server Vorzeichen eines baldigen Ausfalls von sich gibt, auf den anderen um. Dann wird der Administrator verständigt, um sich des demnächst kaputtgehenden Systems anzunehmen, während die Anwendungen ungestört weiterlaufen. Die Verwaltung des Gesamtsystems erfolgt über eine Web-Konsole.

Vertrieben wird Avance durch Channel-Partner, von denen Stratus in den letzten Monaten rund 100 für seine Lösung begeistern konnte. Dabei arbeitet der Hersteller auch mit alternativen Server-Anbietern wie Wortmann, Tarox oder ICO zusammen.

“Anwender sparen, weil sie für Avance kein Shared Storage brauchen“, Thomas Elsing, Produkt Manager Storage bei Wortmann. (Wortmann)
“Anwender sparen, weil sie für Avance kein Shared Storage brauchen“, Thomas Elsing, Produkt Manager Storage bei Wortmann. (Wortmann)

Besonders weit ist die Kooperation mit Wortmann gediehen. Thomas Elsing, Produkt-Manager Storage bei dem Server-Spezialisten, berichtet von einer nunmehr bereits zweijährigen und recht erfolgreichen Zusammenarbeit.

Mehr als eine Vertriebspartnerschaft

„Anwender sparen, weil sie für Avance kein Shared Storage brauchen. Das macht das Ganze erheblich günstiger“, sagt der Manager. 60 Partner von Wortmann vertreiben die Avance-Lösung auf Wortmanns Terra-Servern.

Den Tier-1-Service übernimmt Wortmann selbst, während das Patching Sache der Systemhäuser ist. Geht es um komplexere Fehler, tritt Stratus in Aktion. Insgesamt bewegen sich die Kosten einer solchen Lösung im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich.

Hochverfügbarkeit für 5000 Euro ab Februar 2012: "Avance Foundation" auf dem Terra MiniServer 4130 mit den Gehäuse-Abmessungen 200 x 270 x 340 mm (BxHxT) (Wortmann)
Hochverfügbarkeit für 5000 Euro ab Februar 2012: "Avance Foundation" auf dem Terra MiniServer 4130 mit den Gehäuse-Abmessungen 200 x 270 x 340 mm (BxHxT) (Wortmann)

Voraussichtlich im kommenden Februar bringen Stratus und Wortmann nun eine noch weiter vereinfachte und verbilligtes Angebot heraus: „Avance Foundation“ basiert auf einem Terra-Mini-Server mit einem Ein-Prozessor-Board von Intel im ITX-Format. Hier sollen zwei Server, Software und Service nur noch 5000 Euro kosten.

weiter mit: Wo VMware zu kompliziert ist

Wo VMware zu kompliziert ist

Auch Tarox ist auf das Stratus-Angebot eingestiegen. „Den kleinen Kunden, die vor allem Hochverfügbarkeit und erst in zweiter Linie Virtualisierung wollen, ist VMware zu kompliziert. In diese Lücke springt Stratus“, sagt Regina Flügge, Produktmanager bei dem Hersteller. Die Intel-basierenden Lösungen mit Avance, die Tarox anbietet, kosten unter 10.000 Euro.

Der Handel kann auf erste Erfolge verweisen. Quadrosoft-Vertriebsmann Sonntag:“ Wir haben damit einen Lebensmittelhersteller, zwei stahlverarbeitende Betriebe und einen Hersteller von Elektromotoren beliefert.“ Peter Jong, Geschäftsführer des Systemhauses Jobri in Bielefeld, schätzt das Produkt ebenfalls, obwohl er noch nicht lange damit arbeitet.

Jobri hat bisher einen Webshop, der Autoteile einer speziellen Marke bis nach Brasilien liefert und seinen millionenschweren Jahresumsatz mit nur acht Mitarbeitern erwirtschaftet, damit ausgerüstet. Der bisher zweite Avance-Kunde ist ein Hersteller von Reinigungsmitteln, die in chemischen Reinigungen verwendet werden. Jong hat sich vorgenommen, pro Jahr mindestens sechs Systeme zu verkaufen.

Ein neuer Markt entsteht

Doch es sieht so aus, als würde Stratus mit der Zeit bei HAV für Mittelständler Konkurrenz bekommen. Datacore etwa kam kürzlich zur Messe zur „Storage Networking World“ (SNW) mit einem auf Microsoft Hyper-V-Hosts unter Windows 7 Server zugeschnittenen Produkt auf den Markt.

Hier gibt es einen zentralen Server, an den die physikalischen Win7Server über iSCSI oder FC sternförmig angeschlossen sind. Alle bis auf die Boot-Platte der angeschlossenen Rechner werden auf die Platten eines zentralen Servers gespiegelt.

Die "Star"-HA-Lösungvon Datacore verbindet einen zentralen Server mit bis zu 15 über iSCSI oder FC angeschlossenen und mit Hyper-V virtualisierten Servern, welche die Festplatteninhalte dieser Server spiegeln. (Datacore)
Die "Star"-HA-Lösungvon Datacore verbindet einen zentralen Server mit bis zu 15 über iSCSI oder FC angeschlossenen und mit Hyper-V virtualisierten Servern, welche die Festplatteninhalte dieser Server spiegeln. (Datacore)

Fällt einer der angeschlossenen physischen Rechner aus, arbeitet das Gesamtsystem mit den Daten auf dem zentralen Server weiter, der repariert und dann wieder in Betrieb genommen werden kann. Außerdem überspielt der zentrale Server die Daten auf Wunsch an einen sicheren Zweitstandort.

Auf den Hosts muss ein Client installiert werden. Der Preis für einen Star-Server (Zentrale) mit 2 TByte Speicher und zwei Clients liegt bei 9900 Euro, die Kosten skalieren mit der Client-Zahl und der Speicherausrüstung des Zentralservers.

Die Autorin:

Ariane Rüdiger ist freie Autorin aus München.

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