Krisenmanagement bei Alt-Systemen

Hilfe! Ich habe ein Alptraum-System geerbt!

| Autor / Redakteur: Don Jacob / Peter Schmitz

Schlimmer, als plötzlich für ein chaotisches System verantwortlich zu sein, ist für einen Admin nur, es zu „verschlimmbessern“, weil man sich nicht darüber informiert hat.
Schlimmer, als plötzlich für ein chaotisches System verantwortlich zu sein, ist für einen Admin nur, es zu „verschlimmbessern“, weil man sich nicht darüber informiert hat. (Bild: olly - Fotolia.com)

IT-Profis kennen dieses Problem: Man fängt bei einem neuen Arbeitgeber an und erbt dementsprechend auch ein bereits vorhandenes System. Man verzweifeln allerdings an der bisherigen Konfiguration der Server, Anwendungen und Dienste, denn das System, das der Vorgänger hinterlassen hat, ist ein Alptraum.

Sollten Sie sich jemals in genau dieser Situation befinden oder diesen Artikel einfach nur einem derartig geschlagenen Kollegen als hilfreichen Tipp zeigen wollen, gibt es nachfolgend ein paar Anregungen, wie sich dieses Horrorszenario bewältigen lässt.

Machen Sie sich klar, dass Sie einen Vorgänger haben. Das ist bereits der erste Hinweis. Wieso also haben Sie überhaupt einen Vorgänger? Was ist aus ihm geworden? Wurde ihm nahegelegt, sich anderen Aufgaben zu widmen? Diese Fragen hätten Sie am besten schon im Vorstellungsgespräch gestellt, denn dann hätten Sie Ihre Bewerbung vielleicht zurückgezogen. Sie haben die Stelle aber nun einmal angetreten, also müssen Sie sich nun damit auseinander setzen. Denn die Antworten auf diese Frage erklären zwar ganz gut, weshalb das System so ist, wie es ist, tragen aber nichts zur Verbesserung der Situation bei.

Die zweite zentrale Frage verlangt eine objektive Analyse Ihrer eigenen Sachkenntnisse zur fraglichen Technologie: "Sind Sie ein Experte?" Wenn Sie sich mit den eingesetzten Lösungen gut genug auskennen, um ihre Albtraumhaftigkeit zuverlässig feststellen zu können, dann bringt Ihnen dieser Artikel nicht viel. Er richtet sich nämlich an all jene, die keine Erfahrung mit den problematischen Systemen haben, für die sie jetzt verantwortlich sind.

Werden Sie Experte!

Informieren Sie sich eingehend über das System, bevor Sie es verändern. Welchen Zweck hat es? Wie wird es verwendet? Welche Architektur liegt ihm zugrunde? Wie funktioniert es? Wie wird es unter normalen Umständen implementiert? Stellt diese Umgebung einzigartige Anforderungen, die eine von der Norm abweichende Implementierungsmethode erfordern? Bedenken Sie auch, dass das, was Sie als Chaos empfinden, vielleicht Ihrer mangelnden Vertrautheit mit dem System geschuldet ist.

Lesen Sie als Nächstes die Produktdokumentation. Wenn Sie die Möglichkeit zum Austausch mit Experten für dieses System haben, zum Beispiel in Online-Communitys, nutzen Sie sie. Achten Sie dabei darauf, nicht explizit nach Hilfe bei der Problembeseitigung zu fragen, sondern Ihr Interesse an den Einzelheiten des Systems zu signalisieren. Wenn Sie dann das System verstanden haben, erkennen Sie auch, was daran falsch ist und warum ein bestimmter Problembehebungsschritt der richtige ist. Denken Sie daran: Schlimmer, als plötzlich für ein chaotisches System verantwortlich zu sein, ist nur, es zu „verschlimmbessern“, weil Sie es nicht verstehen und sich nicht informiert haben.

Machen Sie einen Plan

Sobald Sie Ihr System ausreichend kennen, können Sie einen fundierten, zweckdienlichen Plan für den Umgang damit aufstellen. Hier einige Tipps für den Anfang:

KATASTROPHE! Das System ist nicht einsatzbereit!

Prüfen Sie zunächst, ob das System derzeit im Einsatz ist und zu welchem Grad es funktioniert. Ist es nicht einsatzbereit, konfigurieren Sie das System von Grund auf neu, und zwar so, wie es von Anfang an hätte sein sollen. Es bringt gar nichts, etwas Totes zum Leben erwecken zu wollen.

Tief durchatmen: Das System funktioniert teilweise.

Wenn das System bereits im Einsatz und teilweise funktionstüchtig ist, überprüfen Sie, wie es auf Störungen reagiert. Bei einigen Systemen haben Ausfälle kaum Auswirkungen, andere dagegen sind entscheidend für den Unternehmenserfolg und dürfen nie oder nur für begrenzte Zeit ausfallen.

Es könnte schlimmer sein: Ausfälle sind verkraftbar.

Wenn Systemausfälle verkraftbar sind und diese länger andauern dürfen als der Zeitaufwand für die Neukonfiguration des Systems, ist eine Neukonfiguration empfohlen. Schließlich ist es besser, das System zu kennen, als es zu reparieren und zu hoffen, dass man alle Fehler behoben hat.

Es ist schlimmer! Ausfälle dürfen nicht geschehen!

Darf ein System aber nicht ausfallen, prüfen Sie, ob Sie ein Ersatzsystem einrichten können. Denn so kann der Wechsel vollzogen werden, während das eigentliche System noch ausgeführt wird. Das hat den Vorteil, dass Sie ein von Grund auf gut funktionierendes System erstellen können, ohne die derzeit verfügbaren Dienste zu beeinträchtigen.

HARAKIRI! Ausfälle und Parallelsysteme sind keine Option!

Im schlimmsten Fall ist es nicht praktikabel, parallel zum alten ein neues System zu erstellen. Dann muss das alte System im laufenden Betrieb repariert werden. Erstellen Sie in diesem Fall einen schriftlichen Plan mit den Schritten, die Sie durchführen müssen. Dabei darf jeder Schritt nur jeweils ein Element ändern. Der Plan muss Tests vorsehen, mit denen überprüft wird, ob jeder Schritt das jeweilige Ziel erreicht hat, ohne den aktuellen Service-Level zu beeinträchtigen. Machen Sie erst mit dem nächsten Schritt weiter, wenn sicher feststeht, dass der vorherige erfolgreich und ohne negative Auswirkungen abgeschlossen ist.

Don Thomas Jacob
Don Thomas Jacob (Bild: SolarWinds)

Am besten ist tatsächlich, das System von Grund auf neu zu erstellen. Dann haben Sie ein System, das Sie in- und auswendig kennen. Ist dieser Schritt jedoch zu radikal, führen Sie eine streng kontrollierte Fehlerbehebung mit umfassenden Tests und Überprüfungen nach jeder Aktion durch. So können Sie das bestehende System zumindest dressieren, so dass es Ihnen aufs Wort gehorcht.

Über den Autor

Don Thomas Jacob ist „Head Geek“ bei Solarwinds. Er verfügt über Erfahrung bei Netzwerkleistungsüberwachung, Sicherheits- und, Paketanalyse, Flow-basierten Technologien wie NetFlow, sFlow und IPFIX sowie bei Technologien wie QoS, NBAR, IPSLA, Cisco Medianet und MediaTrace.

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