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Ältester überlebender Computer aus den 1940er Jahren Handbuch für Zuse Z4 entdeckt

| Autor / Redakteur: Sebastian Gerstl / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Zuse Z4 ist einer der ältesten noch funktionierenden Computer der Welt, doch aufgrund fehlender Dokumentation war ihre Funktionsweise weitgehend unbekannt. Nun ist an der ETH Zürich ein Handbuch für den 40er-Jahre-Rechner aufgetaucht.

Aufnahme der Zuse Z4 im Deutschen Museum in München. Die Z4 wurde von 1942 bis 1945 in Berlin gebaut und gilt als der heute älteste überlebende Rechner aus der Frühzeit des digitalen Computings.
Aufnahme der Zuse Z4 im Deutschen Museum in München. Die Z4 wurde von 1942 bis 1945 in Berlin gebaut und gilt als der heute älteste überlebende Rechner aus der Frühzeit des digitalen Computings.
(Bild: Zuse-Z4-Totale deutsches-museum / Zuse-Z4-Totale deutsches-museum / Clemens Pfeiffer / CC BY 2.5 / CC BY 2.5)

Die 1945 fertiggestellte, vom deutschen Computerpionier Konrad Zuse entwickelte Zuse Z4 ist einer der ältesten überlebenden Computer der Welt. 1950 galt der Rechner als der einzige funktionierende Computer in Kontinentaleuropa. Doch aufgrund fehlender Dokumentation war die Funktionsweise und Bedienung des aus 2200 Relais bestehenden Digitalrechners bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Nun wurde im Archiv der ETH Zürich ein historischer Fund gemacht. Evelyn Boesch, Tochter des ab 1956 an der ETH Zürich beschäftigten Ingenieurs René Boesch, hat in den Unterlagen ihres Vaters eine Anleitung für die Z4 entdeckt. Die Association for Computing Machinery (ACM) hat den Fund in einem Blogbeitrag dokumentiert.

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Notizen zu Flugberechnungen und Flatterschwingungen

Die Zuse Z4 war von 1950 bis 1955 an der ETH Zürich im Einsatz. René Boesch war ab 1956 als Mitarbeiter am Institut für Flugzeugstatistik und Flugzeugkonstruktion an der ETH beschäftigt. Während seiner Zeit am Institut hob er einige Dokumente zu seinem Arbeitsplatz auf. Neben der Anleitung für den Z4-Computer befanden sich in seinem Nachlass eine Reihe von teils handschriftlichen Notizen, die weiteren Aufschluss über die Arbeitsweise der Z4 und ihren Einsatz in ihrer Zeit an der Züricher Technikhochschule geben.

Boeschs Aufzeichnungen nach wurde der Computer zwischen 1950 und 1955 für rund 100 Berechnungen verwendet. 55 davon standen im Dienst des Instituts für Mathematik, der Rechner kam aber auch bei der Entwicklung des Schweizer Kampfflugzeugs P-16 zum Einsatz. Unter anderem wurden arithmetische Probleme mit der Z4 gelöst: So weisen handschriftliche Dokumente, datiert auf den 27. Oktober 1953, darauf hin, dass Flatterschwingungen des P-16 Fliegers an dem Computer errechnet wurden. Allein für diese Aufgabe wurden 800 Stunden Rechenzeit aufgewendet.

Autor des ursprünglichen Handbuchs ist vermutlich Konrad Zuse selbst. Bei der gefundenen 16-seitigen Anleitung handelt es sich um eine leicht überarbeitete Version des Dokuments, die 1952 vom an der ETH Zürich beschäftigten Mathematiker Heinz Rutishauser angefertigt wurde. Die Anleitung umfasst unter anderem Aufbau und Organisation der Maschine, die Rechenfolgen, das Arbeiten mit Adressen und eine Reihe von „Verbotenen Befehlsfolgen“, die auf der Maschine nicht korrekt ausgeführt werden, sowie einige mögliche dazu passende Workarounds.

Die ETH Zürich hat die gefundene Anleitung nun in seiner ETH-Bibliothek auf www-e-mauscripta.ch bereitgestellt. Von dort kann ein eingescanntes PDF des Handbuchs kostenlos heruntergeladen werden.

Ältester überlebender Computer aus den 1940er Jahren

Von 1950 bis 1955 war die Z4 leihweise an der ETH Zürich, ehe die Maschine wieder an die Zuse KG zurückgegeben wurde. Auf Basis der Erfahrungen mit der Z4 entwickelte die ETH Zürich ihren eigenen Ermeth-Supercomputer, der mit Vakuumröhren betrieben wurde. Die Z4 wurde 1957 nach Frankreich verkauft, ehe sie ab 1960 am Deutschen Museum in München ihre aktuelle Heimat fand.

Die Z4 gilt als einer von nur zwei Computern aus den 1940er Jahren, die heute noch existieren. Die zweitälteste Maschine ist der mit Vakuumröhren betriebene Csirac aus dem Jahr 1949, der sich heute im Melbourne Museum im australischen Carlton befindet.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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