Studie: Aktuelle IT-Infrastruktur genügt künftigen Anforderungen nicht

Großes Technologiedefizit bei deutschen Unternehmen

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Aus Sicht der Unternehmen bestehen die größten Technologiedefizite in den Bereichen Voice und Kommunikation, Rechenzentrumsinfrastruktur und Netzwerkinfrastruktur.
Aus Sicht der Unternehmen bestehen die größten Technologiedefizite in den Bereichen Voice und Kommunikation, Rechenzentrumsinfrastruktur und Netzwerkinfrastruktur. (Bild: Colt)

81 Prozent der in Deutschland für eine von Colt Technology Services beauftragte Studie befragten Unternehmen geben an, dass die ihnen zur Verfügung stehende IT-Infrastruktur nicht geeignet sei, um künftige geschäftliche Anforderungen zu erfüllen.

Den Ergebnissen der Studie Tech Deficit zufolge, weisen Unternehmen in Deutschland im Vergleich zur europäischen Konkurrenz das größte Technologiedefizit auf. 81 Prozent der in Deutschland befragten Unternehmen nehmen an, dass die ihnen zur Verfügung stehende IT-Infrastruktur für künftige geschäftliche Anforderungen nicht geeignet ist. Der europäische Durchschnittswert liegt bei 72 Prozent. In Spanien sehen nur 62 Prozent der Teilnehmer ein Technologiedefizit.

Colt zufolge nahmen 110 IT-Entscheider aus deutschen Unternehmen aller Branchen im April 2014 an der Onlinebefragung zu „Tech Deficit“ teil*. Insgesamt seien in acht europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Italien, Spanien und Schweiz) 852 europäische IT-Verantwortliche befragt worden. Die meisten befragten Unternehmen hätten angegeben, dass sich ihre Infrastruktur in den kommenden zwei Jahren verändern müsse, um künftigen geschäftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Aus Sicht der Unternehmen seien hiervon sowohl die Bereiche Sprachübertragung (Voice) und Kommunikation betroffen (Deutschland: 91 Prozent; Vergleichswert Europa: 88 Prozent), als auch die Rechenzentrumsinfrastruktur (Deutschland: 89 Prozent; Europa: 90 Prozent) sowie die Netzwerkinfrastruktur (Deutschland und Europa: 85 Prozent).

Als die drei wichtigsten Messgrößen für die Leistung und den geschäftlichen Erfolg gaben deutsche Unternehmen eine hohe Kundenzufriedenheit an (61 Prozent; Europa: 59 Prozent) sowie Profitabilität (50 Prozent; Europa: 56 Prozent) und Umsatz (55 Prozent; Europa: 44 Prozent). Diese zentralen Kennzahlen würden sich verschlechtern, wenn das Technologiedefizit nicht adressiert werde.

Weitere Ergebnisse der „Tech Deficit“-Studie für Deutschland:

  • Nur 23 Prozent der Unternehmen glauben, dass ihre aktuelle IT-Infrastruktur fit ist für die Zukunft und damit skalierbar genug, um in den kommenden zwei Jahren eine komplexe Nachfrageentwicklung mit Höhen und Tiefen zu begleiten (Europa: 26 Prozent).
  • Gut jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) gab an, dass es über keine Strategie verfügt, um dieses Defizit anzugehen (Europa: 20 Prozent).
  • Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen (58 Prozent) ist der Ansicht, dass sie ohne entsprechende infrastrukturelle Verbesserungen schon innerhalb des kommenden Jahres nicht mehr in der Lage sein werden, die Anforderungen ihrer Kunden effektiv zu erfüllen (Europa: 53 Prozent).

Die Studie zeige, dass insbesondere Vereinfachung die bevorzugte Methode sei, um die IT-Infrastruktur weiterzuentwickeln (Deutschland: 54 Prozent; Europa: 60 Prozent). Die deutschen Unternehmen würden innerhalb der kommenden zwei Jahre eine Zunahme beim Einsatz von servicebasierenden Modellen erwarten. Der Bereich Infrastructure-as-a-Service solle um 29 Prozent wachsen (Europa: 52 Prozent), Software-as-a-Service um 69 Prozent (Europa: 55 Prozent) und Colocation-Angebote in Rechenzentren um 21 Prozent (Europa: 33 Prozent). Zudem würden die Ergebnisse eine Entwicklung hin zu mehr Konsolidierung von Dienstleistern und strategischen Partnern verdeutlichen. 68 Prozent der Befragten aus Deutschland würden einen Vorteil darin sehen, nur einen Anbieter zu haben, der verschiedene IT-Services und Infrastrukturoptionen bietet (Europa: 63 Prozent).

„In der digitalen Wirtschaft werden grundlegende Unternehmensstrategien wie der Eintritt in neue Märkte, die Erfüllung von Kundenanforderungen und die Steigerung der Profitabilität durch den Einsatz effizienter und anpassungsfähiger Informationstechnologie bestimmt“, sagt Jürgen Hernichel, Executive Vice President und Vorsitzender der Geschäftsführung bei Colt. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Technologiedefizit in ganz Europa ein Thema ist und Unternehmen aller Größen betrifft. In der digitalen Wirtschaft müssen Unternehmen neue Technologien und Werkzeuge einsetzen, um neue Geschäftsmodelle zu unterstützen – das reicht von Analysen über nutzergetriebene Apps bis zu Wearable-Technologien. Wenn die Unternehmen das Defizit nicht adressieren, wird das sichtbare Konsequenzen haben. Entscheidend ist, dass sie die Auswirkungen innerhalb der kommenden zwölf Monate spüren werden. Insbesondere bei den am wenigsten vorbereiteten Unternehmen wird das Technologiedefizit den Geschäftsverlauf beeinträchtigen und zusätzliche Kosten verursachen.“

Basierend auf den Untersuchungsergebnissen hat Colt in europäischen Unternehmen drei wesentliche Trends identifiziert:

  • Servicebasierende Angebote sorgen dafür, dass Unternehmen umdenken – weg vom Kauf eigener Technologie und Infrastruktur hin zur Nutzung servicebasierender Modelle.
  • Flexibilität wird bei Geschäftsmodellen und Verträgen immer wichtiger. Unternehmen werden sich für Anbieter entscheiden, die es ihnen ermöglichen, mit Veränderungen flexibel umzugehen.
  • Die Vereinfachung von Prozessen wird die IT-Abteilung stärken: Dienste in die Cloud auslagern, Lieferanten konsolidieren und strategische Partner identifizieren.

Jürgen Hernichel weiter: „IT-Entscheider sehen sich einer zunehmend komplexen Infrastrukturumgebung gegenüber und müssen Innovationen vorantreiben, um digitale Geschäftsmodelle zu unterstützen. Bei der Ausgestaltung der Infrastrukturgrundlagen müssen eine Reihe von Entscheidungen getroffen werden. Dabei lautet die Frage nicht nur, was und wie angeschafft wird. Es muss auch sichergestellt werden, dass die geschäftlichen Anforderungen von heute und morgen gleichermaßen erfüllt werden. Dazu wird unter anderem gehören, Geschäftsmodelle einfacher und flexibler zu machen. Für Unternehmen bedeutet dies ein strategisches Umdenken, weg vom Technologiebesitz und hin zu effizienteren Methoden der Servicebereitstellung. Denn die Kunden erwarten einen flexibleren Umgang mit ihren sich verändernden Anforderungen.“

*110 deutsche IT-Entscheidungsträger in Unternehmen nahmen im April 2014 an der Onlinebefragung teil. Die Befragten verteilten sich zu gleichen Teilen auf mittelständische (50-500 Mitarbeiter) und Großunternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter). Die deutschen Ergebnisse sind Teil einer europäischen Studie unter insgesamt 852 Entscheidungsträgern. Die Studie wurde zeitgleich in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Italien, Spanien und der Schweiz von Loudhouse, einem unabhängigen Forschungsinstitut mit Sitz in London, durchgeführt.

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