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Force 10 Networks macht das Rennen Größter deutscher Internet-Knoten kickt Cisco raus

Redakteur: Ulrike Ostler

Und Tschüs: Die Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX) wechselt ihren Switch-Lieferanten. Der bisherige Prestigekunde von Cisco Systems tauscht für viele Millionen drei Vermittlungsanlagen gegen vier noch leistungsfähigere von der Konkurrenz Force 10 Networks aus.

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Bis zum Jahresende soll die neue Topologie der neun DE-CIX-Rechenzentren in Frankfurt stehen. Quelle: DE-CIX 2006
Bis zum Jahresende soll die neue Topologie der neun DE-CIX-Rechenzentren in Frankfurt stehen. Quelle: DE-CIX 2006
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Internet-Knoten DE-CIX braucht einfach die Dicksten. Denn die Switches müssen derzeit bereits eine Datenlast von mehr als 83 Gigabit pro Sekunde durch die Vermittlungsstelle schaufeln.

Damit ist die DE-CIX in Frankfurt am Main einer größten europäischen kommerziellen Internet-Knoten und definitiv der größte in Deutschland. Zudem gehört der Peering-Anbieter zu den am schnellsten wachsenden Internet-Exchanges.

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Weltweit gibt es 108 Internet-Knoten, von denen sich 60 in Europa und 26 in Nordamerika befinden. DE-Cix entstand 1995, als sich die Internet-Service-Provider (ISPs) in Deutschland im Verband Eco Forum e.V. organisierten und den Knoten aufbauten.

Nun ermöglicht eine verteilte Switch-Infrastruktur den ISPs, kostenlos Daten zwischen den verschiedenen Netzen auszutauschen. Verträge, so genannte Peering-Agreements, regeln den gegenseitigen Nutzen. DE-CIX lässt den Zugang über Fast Ethernet, Gigabit Ethernet und 10-Gigabit-Ethernet-Ports zu.

Es wächst schneller

In den vergangenen zwei Jahren war der Verkehr, der über die Vermittlungsstelle abgewickelt wird, jährlich auf die doppelte Menge gestiegen. Laut Frank Orlowski, Marketing- und Vertriebsleiter bei DE-CIX, verlief dieses ernorme Wachstum linear. Doch in den vergangenen drei Monaten wuchs die Durchsatzrate rapider.

In dieser Zeit schwoll der Verkehr um 30 Prozent an. „Das war selbst für uns ungewöhnlich“, wundert sich Orlowski noch im Nachhinein. Dabei wurde erstmalig die 80-Gigabit-Grenze überschritten. Im April lag der Durchsatz noch bei rund 60 Gigabit pro Sekunde.

Aktuell misst die DE-CIX Spitzen von 83, 84 Gigabit pro Sekunde. Diese Menge an Daten würde in etwa dem Transfer von 1,53 Milliarden Din-A-4-Seiten pro Sekunde entsprechen (mit 8000 Zeichen Text pro Seite, 7 Bit pro Zeichen, ohne Kompression und Overhead).

Zum Vergleich: Die Peering-Stelle AMS-IX in Amsterdam, der bisher größte Knoten in Europa, transferiert mehr als 140 Gigabit pro Sekunde und die LINX in London mehr als 115 Gigabit pro Sekunde.

Doch die Frankfurter haben große Pläne. Zwar stießen auch deutsche Provider wie Kabel Deutschland neu zur Kundschaft von derzeit 190 ISPs hinzu, erläutert Marketier Orlowski. Doch das größte Potenzial erschließe sich in Ost-Europa. Ein gutes Marketing aber auch der in Europa zentrale Standort hälfen bei dem Ausbau.

So rechnet der Vertriebschef bereits im kommenden Jahr mit etwa 230 ISPs und einem Verkehrsaufkommen von 200 Gigabit pro Sekunde.

Verfallsdaten

Allerdings hatte Cisco Systems erst zur CeBIT 2005 bekannt gegeben, dass der zentrale deutsche Internet-Knoten mit Hilfe der Vermittlungsanlagen „Catalyst 6509/Sup720“ auf ein Gesamtvolumen von 2,2 Terabit pro Sekunde aufgestockt worden war.

Nun, kaum eineinhalb Jahre später, reicht die Plattform nicht mehr. DE-CIX kauft erneut ein. Dieses Mal dürfen es vier der bis zu Millionen Dollar teuren Spitzengeräte der Modellreihe „Tera Scale E1200“ von Force 10 Networks sein. Startpreis nach Liste sind rund 200.000 Dollar. Die neuen Geräte seien in der Lage sein, ein Gesamtverkehrsvolumen von mehr als 1.000 Gigabit pro Sekunde zu bewältigen, sagt Orlowski.

Die neun unterschiedlichen Rechenzentren sind über ein redundantes Glasfasernetz miteinander verbunden. „Jeder Switch lässt sich maximal mit 224 Ports für Zehn-Gigabit-Ethernet oder 1.260 Gigabit-Ethernets bestücken,“ erläutert Orlowski beinahe ehrfürchtig.

Am DE-CIX werden die Switches mit Ports beider Geschwindigkeiten ausgestattet, um auf diese Weise sowohl ein Angebot für große als auch für mittelständische Provider parat zu haben.

Tabula rasa

Die Entscheidung habe mehrere Monate der Vorbereitung bedurft. Zum Schluss standen laut Orlowski noch die Anbieter Foundry, Cisco und Force 10 zur Wahl. „Es ist ja nicht so, dass DE-CIX mit den Cisco-Vermittlungsstellen unzufrieden war“, beginnt Orlowski die Entscheidung zu erklären, im Gegenteil: Sie liefen sehr zuverlässig.

Dennoch verabschiedet sich De-CIX davon. Die Cisco-Switches werden komplett ausgetauscht. Das Force-10-Angebot aus Gerätschaft und Service sei schlichtweg überzeugender gewesen.

Die Verhandlungen seien dabei nicht über den deutschen Vertriebspartner Allied Telesyn gelaufen, sondern direkt über die Zentrale in den USA, verrät Michael Frey, seit August der hiesige Force-10-Managing-Director nebenbei.

Dass bei einer Big-Bang-Ablösung halb Deutschland ohne Internet-Zugang dastehen könne, brauche die Kunden jedoch nicht beunruhigen, beschwichtigt DE-CIX-Vertriebschef Orlowski vorab. Vielmehr arbeite man diverse Migrationsangebote für die Kundschaft aus.

Diese sähen etwa vor, dass für den jeweiligen Kunden die Systeme solange parallel liefen bis sichergestellt sei, dass sich die Cisco-Vermittlungstechnik ruhigen Gewissens abschalten lasse. In jedem aber Fall soll die Umstellung bis zum Ende dieses Jahres geschafft sein.

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