Breko-Breitbandstudie zu Netzausbau und Netzbedeutung

Glasfasernetze sind unerlässliche Infrastruktur

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Für Breko-Vizepräsident Johannes Pruchnow beweist die Studie von Prof. Gerpott, dass es der von der Deutschen Telekom betriebenen Lobbyarbeit an Seriosität fehlt.
Für Breko-Vizepräsident Johannes Pruchnow beweist die Studie von Prof. Gerpott, dass es der von der Deutschen Telekom betriebenen Lobbyarbeit an Seriosität fehlt. (Bild: Breko)

Der Breko ermittelte in seiner Breitbandstudie 2014, dass Breitband noch vor Strompreisen, Verkehrsanbindung sowie Gewerbe- und Grundsteuer der Standortfaktor Nummer Eins sei, und spricht Glasfasernetzen bei Wahrung und Ausbau von Wohlstand eine Schlüsselrolle zu.

Wie die Breitbandstudie 2014 des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) ergab, wird der Bandbreitenbedarf in Wohn- und Gewerbegebieten von rund 30 MBit/s bzw. 75 MBit/s im Jahr 2013 auf rund 100 MBit/s bzw. 240 MBit/s im Jahr 2018 steigen. Der Breko erwartet, dass die durchschnittliche Bandbreitennachfrage im Jahr 2020 bei 200 MBit/s im Down- und 120 MBit/s im Upstream liegen wird.

Datenvolumen im Festnetz steigt

Dabei wollen rund 80 Prozent der Haushalte nicht auf einen Festnetzanschluss verzichten. Während die durchschnittliche Bandbreitennachfrage in Deutschland im Jahr 2013 insgesamt zwischen fünf und 12,5 MBit/s lag, hätten die Kunden bei den Breko-Netzbetreibern im Schnitt bereits Breitbandanschlüsse mit 10 bis 30 MBit/s gebucht.

Das aktuell über einen festnetzgebundenen Breitbandanschluss übertragene monatliche Datenvolumen wird laut Breko in den kommenden Jahren weiter stark ansteigen: Seien es 2013 noch 8,8 GB gewesen, würden 2015 bereits 13,7 GB erwartet. Das jährliche Gesamtdatenvolumen aller Festnetz-Breitbandanschlüsse solle von 25,4 Mrd. GB (2013) auf 38,2 Mrd. GB (2015) ansteigen. Interessante Zahl dabei: 76 Prozent der Internetnutzung mit mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets etc.) würden in (festnetzgebundenen) WLAN-Netzen erfolgen.

Studie: Deutscher TK-Markt ist weltweit konkurrenzfähig

Nach Angaben des Breko wurden im Jahr 2013 55 Prozent der Gesamtinvestitionen von rund 6,4 Mrd. Euro in den deutschen Telekommunikationsmarkt durch die Wettbewerber der Deutschen Telekom getätigt. Insgesamt hätten die zum überwiegenden Teil im Breko organisierten alternativen Netzbetreiber einen erheblichen Anteil an den 113 Mrd. Euro Gesamtinvestitionen in den deutschen TK-Markt seit der Liberalisierung im Jahr 1998.

Der Telekommunikationsexperte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen setzte sich in seiner Kurzstudie Leistungsniveau des deutschen Telekommunikationsmarktes im internationalen Vergleich mit der These auseinander, die nationalen TK-Märkte der USA und vieler asiatisch-pazifischer Staaten würden ein deutlich höheres Leistungsniveau als die entsprechenden Märkte in den EU-Staaten bzw. als der deutsche TK-Markt aufweisen – einer These, die laut Breko von der Deutschen Telekom immer wieder verbreitet würde. Die Gerpott-Kurzstudie sei nun der Beleg dafür, dass die von der Deutschen Telekom und anderen europäischen Ex-Monopolisten (den sogenannten Incumbents) vorgebrachten Argumente in der „Qualität der vorgelegten „Beweisführung“ gering“ seien. Gerpott zufolge

  • gebe es in Deutschland und in der EU – anders als behauptet – keinen wirtschaftlichen Niedergang von TK-Netzbetreibern und insbesondere Incumbents, erst recht nicht in Deutschland. Ein solcher Niedergang sei auch für die kommenden Jahre nicht zu erwarten,
  • sei der Entwicklungsstand von Fest- und Mobilfunknetzen in Deutschland keinesfalls schlechter als der in den USA,
  • stelle die (angeblich zu starke) Regulierung des TK-Marktes – anders als von der Deutschen Telekom und anderen Ex-Monopolisten vorgetragen – keinen Grund für zu geringe Investitionssummen und damit kein Investitionshemmnis dar,
  • würden beim Aufbau glasfaserbasierender Breitbandnetze nahezu keine Größenvorteile existieren, sodass eine industriepolitische Begünstigung großer (trans-)nationaler Konzerne zur Beschleunigung des Breitbandausbaus nicht sinnvoll sei.

Der Wissenschaftler zieht unter anderem das Fazit, „dass eine Abschwächung der Regulierung marktbeherrschender TK-Netzbetreiber in der EU kein Ansatz ist, der dazu führen wird, dass diese großen Anbieter durch entsprechende Investitionen zügig für eine deutschland- bzw. EU-weit lückenlose Verfügbarkeit von Anschlussnetzen der nächsten Generation Sorge tragen werden.“

Vielmehr, so Gerpott, seien gerade die – überwiegend im Breko organisierten – alternativen Netzbetreiber unentbehrlich für einen zeitnahen Ausbau mit Highspeed-Internet: „(...) Die Aufrechterhaltung einer hohen Wettbewerbsintensität auf sämtlichen Märkten für TK-Netze/-Dienste und insbesondere für sehr schnelle Breitbandanschlüsse [ist] eine unabdingbare Voraussetzung für die Schließung von derzeit bei NGA-Infrastrukturen vorhandenen Verfügbarkeitslücken.“

Breko-Vizepräsident Johannes Pruchnow kritisiert die hierzulande von der Deutschen Telekom betriebene Lobbyarbeit, an deren Seriosität durch die wissenschaftliche Studie von Prof. Dr. Gerpott nun erhebliche Zweifel bestünden. „Absolut kein Zweifel besteht unterdessen an der Rolle der alternativen Netzbetreiber, die den Erfolg der Liberalisierung des deutschen TK-Marktes in den vergangenen 15 Jahren überhaupt erst möglich gemacht haben“, hebt Pruchnow hervor. „Wir stimmen Professor Gerpott zu: Vielfalt und Wettbewerb bleiben auch in Zukunft unerlässlich – hierfür steht der gesamte Breko vorbehaltlos ein.“

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